Tori - eine Reportage | Kapitel 1 - Toris erster Tag

Erster Kontakt
 
Verladung ging ohne Probleme
07.03.2016
(Reportage aus der Sicht der Besitzerin)

Ich bin aufgeregt. In mir ist eine besondere innere Freude und Spannung. Unsere Reise zu Josie beginne ich mit den Worten: „Ich will ja nicht drängeln, aber ich drängle.“ Sofort setzt sich mein Lebenspartner mitsamt Tochter und unserem Freund Micha in den Wagen und es geht los. Sie kennen meine Ungeduld. Und Josie wartet auf ein neues Zuhause. Josie ist eine Shire Horse Stute und die Halbschwester von meiner Shire Stute Anouk. Ich habe mich in diese mächtige Pferderasse verliebt. Sie sind so etwas wie meine persönliche Freiheit, mein Stolz.

Vor zwei Tagen wusste ich noch nichts über Josie. Von ihrem tristen Leben habe ich zufällig in Kassel auf der Shire Horse Mitgliederversammlung erfahren. Einen Tag später waren wir bei der Besitzerin unweit meiner Heimatstadt. Was ich sah, schockierte mich. Josie, ausgehungert, im Schlamm stehend und voller harter Krusten. Der Dreck ist im Fell eingewachsen, der Schweif besteht aus harten Brocken, außerdem lahmt sie. Das hat ihren Preis gedrückt. Einerseits kommt mir das zugute, andererseits bedrückt mich ihr katastrophales Aussehen. Sie musste da raus. Heute, drei Tage später, holen wir sie. Ich höre meinem Lebenspartner kaum zu, während die Räder den Asphalt hinter sich lassen.

Endlich sind wir da und ich sehe ihren Kopf – Josie. Sie kommt sofort auf uns zu, ist interessiert, freundlich und warmherzig. Josie will nur eins - raus hier, so schien es uns. Schnell werden die notwendigen Unterlagen ausgetauscht und zurück bleiben die ehemalige, überforderte Besitzerin und ihre Ponys, die weiterhin auf dem verschlammten Platz leben müssen.

Christian, mein Lebenspartner, verfrachtet sie ruhig und sicher in den Pferdehänger. Er kennt sich aus, ist er doch Besitzer eines Pferdehofes und reitet seit seiner Kindheit. Er ist zudem mein persönlicher Trainer und hilft mir sehr bei meinem Pferdetraum.
Der Rückweg scheint sich zu ziehen. Ich mache mir viele Gedanken, um Josies Gesundheit, ihre Unterbringung, Futter, ihr zukünftiges Verhalten zu Anouk. Mir wird klar, dass ich viel Zeit investieren muss und die Verantwortung, die ich übernehme. Mit einem Lächeln erinnere ich mich, dass ich Josie umtaufen werde. Ein Freund schlug Tori (der Turm) vor und da sie „turmhoch“ ist, finde ich den Namen passend.

Bald schon auf dem Reiterhof angelangt, beäugt Tori neugierig ihre neue Heimat. Wir führen sie in die Reithalle und gönnen ihr ein wenig Ruhe. Sie ist nassgeschwitzt vor Aufregung.

In der Reithalle nimmt sie durch ein Fenster Kontakt mit anderen Pferden auf. Sonderlich interessiert scheint sie erst mal nicht. Kein Wunder, stürmen doch viele neue Eindrücke auf sie ein. Nichtsdestotrotz strahlt sie eine relative Entspanntheit aus.

Schließlich bekommt sie ihren vorläufigen Platz zugewiesen und macht sich mit Vergnügen über das angebotene Heu her. Ich versuche, mit einer Schere die festgewachsenen Klumpen aus Erde und Kot abzuschneiden. Wir entschieden uns für eine „Wässerung“ am nächsten Tag, um sie quasi einzuweichen. Selbst Schere und Messer sind gegen solche hartnäckigen Verkrustungen machtlos. Meine kleine Tochter bietet ihr mit fröhlichem Gesicht Mohrrüben an. Das fröhliche Gesicht ignorierend, verteilt sie das Gemüse erst einmal auf dem Boden. Sie scheint diese Speise nicht so recht gewöhnt zu sein, kommt aber bald auf den Trichter, inhaliert scheinbar die Möhren und leckt den Eimer gleich mal mit aus.

Auch in den Augen meiner Tochter sehe ich Freude über Tori.
Das ist ein guter Tag, ein besonderer Tag.
2
2
2
2
2
1 2
2
10
Diesen Mitgliedern gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
3 Kommentare
11.411
Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 04.04.2016 | 15:36   Melden
7.302
Siegfried Behrens aus Halberstadt | 04.04.2016 | 17:03   Melden
1.240
Lothar Teschner aus Merseburg | 04.04.2016 | 23:17   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.