Martinstag und Martinsgans

Der Martinstag fällt 2014 auf einen Dienstag.

In jedem Jahr - am 11. November - wird in Mitteleuropa der Gedenktag des heiligen Martin von Tours festlich begangen und das Brauchtum gepflegt. In unserem vorwiegend evangelisch geprägten Bundesland sind die Bräuche des Martinstages gar nicht so bekannt. Martini ist nicht einmal in unseren Kalendern vermerkt und er ist auch kein gesetzlicher Feiertag.

Am verbreitetsten in der Bevölkerung ist der Brauch, zu Martini eine Martinsgans zu verspeisen - das hat ja viel Angenehmes an sich, ist mit gutem Essen verbunden und deshalb bleibt es samt Namensgebung "Martinsgans" vielen im Gedächtnis.
Dabei haben eigentlich diese beiden Begriffe gar nicht so viel miteinander zu tun.

Der Sankt Martinstag, auch Martini genannt, ist der Gedenktag der Grablegung des heiligen Martin. (11. November 397) Der Heilige hat ein sehr asketisches und bescheidenes Leben geführt und als er zum Bischof berufen werden sollte, habe er sich des hohen Amtes sogar unwürdig gefühlt und vor seiner Ernennung versteckt haben.

Die Martinsgans kommt durch einen ganz anderen Zusammenhang ins Spiel.

Immer im November werden Gänse schlachtreif und in diese Zeit fiel auch der Termin der bäuerlichen Pachtzahlungen. Früher war es ja üblich, diese Abgaben mit Naturalien zu zahlen. Darum bot es sich an, die Gänse als Zahlungsmittel zu nehmen. Auf diese Weise mussten sie nicht mehr den Winter über durchgefüttert werden. Außerdem endeten zu Martini auch viele Dienstverhältnisse nach der Erntezeit, bzw. vor dem Winterhalbjahr. Knechte und Mägde, die entlassen wurden, bekamen vor dem Gehen noch eine Gans geschenkt. Was lag näher, als die Gänse gleich zu schlachten und sie zu verspeisen.

Dass die Gänse aber nun gerade zu Martini am 11. November in die Pfanne wandern, hängt damit zusammen, dass nach Martini die 40-tägige Fastenzeit vor Weihnachten beginnt und dass sich jeder vorher noch bei einem Festschmaus richtig sättigen möchte.

So wurden zwei Bräuche zu einem verbunden und der geht im November vielen Gänsen ans Leben.
Zuerst dürfen die Gänse sich auf die Wiesen tummeln - da erscheint ihnen die Welt groß. Dann kommen sie in den Stall, dort schrumpft ihre Welt schon. Anschließend führt ihr Weg sie als Schlachtgeflügel ins kleine Verkaufsgatter und zum Schluss landen sie in der engen Bratröhre.

Wenn sie aber dann knusprig und braun gebraten aus der Röhre gehoben und zu Rotkohl mit Klößen serviert werden, sind wir gern gewillt, auch mal einem katholischen Brauch zu folgen und greifen willig nach Messer und Gabel. ;-)
1
1
2
1
1
3 2
2 2
9
Diesen Mitgliedern gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
5 Kommentare
14.685
Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 02.11.2014 | 18:59   Melden
11.438
Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 03.11.2014 | 07:08   Melden
5.484
Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 03.11.2014 | 13:42   Melden
2.383
Heiko Scharf aus Bernburg (Saale) | 03.11.2014 | 17:33   Melden
1.810
Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 09.11.2014 | 18:03   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.