Vision Unprinter: Weniger Papiermüll, mehr Umweltschutz

Ob im Heimbüro, auf der Arbeit oder in der Schule - obwohl die Digitalisierung immer weiter voranschreitet, werden viele Fotos und Dokumente noch immer ausgedruckt. Etwa 10.000 Blatt Papier werden dabei pro Person in Deutschland verbraucht, von denen mehr als zwei Drittel noch am selben Tag wieder im Papierkorb landen. Doch das muss nicht sein, denn mit dem Zukunftsprojekt "Unprinter" könnten diese erneut genutzt werden und somit gleichzeitig die Umwelt schonen.

Die Geschichte hinter "Reduse"

Die Firma Reduse Ltd. wurde 2013 von Hidde-Jan Lemstra und David Leal gegründet. Die beiden Jungunternehmer trafen sich zum ersten Mal in Jahre 2008. David Seal, Doktor der Philosophie, hatte die "Unprinting"-Technologie erfunden und Hidde-Jan Lemstra erkannte aufgrund seiner Expertise in Handel und Marketing sofort dessen Potenzial. Reduse wurde zunächst ohne finanzielle Unterstützung gestartet und wird heute vom europäischen Climate-KIC und dem britischen Innovate UK zusammen mit dem Investment-Unternehmen Parkwalk Advisors finanziert. So wurde es möglich, eigene Bürogebäude in Cambridge zu beziehen, die auch ein eigenes Labor beinhalten.

Was ist "Unprinting" eigentlich?

Beim Unprinting handelt es sich um eine gänzlich neue Technologie, die mit dem eigentlichen Recyclingvorgang von Papier, wie er heute bereits großflächig zum Einsatz kommt, nicht viel gemeinsam hat. Hier wird aus den Anteilen der chemisch gereinigten Blätter sowie Anteilen neuer Blätter ein neues Papier erschaffen, das allerdings immer noch Verunreinigungen enthält. Dies ist auch der Grund für die charakteristische, leicht dunklere Farbe. Beim Unprinting ist dies anders. Mit Hilfe eines Lasers wird das gedruckte Papier Energiestößen ausgesetzt, die so dosiert sind, dass die oberflächlich liegende Farbe angegriffen wird, ohne das Papier selbst zu beschädigen. Der im Toner erhaltene Harz hat eine relativ geringe Verdampfungstemperatur. Löst sich dieser auf, kann die Verbindung zum Blatt nicht mehr gehalten werden. Der Toner "bröckelt" buchstäblich vom Papier ab. Als Nebenprodukte entstehen lediglich - abgesehen von den Tonerresten - CO² und Wasserdampf.

Die geplante Nutzung der Technologie

Mit der Unprinting-Technologie möchte Reduse vor allem großen Unternehmen helfen, nicht nur ihre Umweltbilanz um ein Vielfachs zu verbessern, sondern auch jede Menge Geld zu sparen. Bis zu 40% aller Kosten im Druck- und Printbereich sollen laut Aussagen der Entwickler eingespart werden können. Und nicht nur das, darüber hinaus verspricht man eine Senkung der CO²-Emissionen um bis zu 80%. Das Ganze hat allerdings seinen Preis. Allein der Laser, den die Ingenieure für die bisherigen Laborversuche verwenden, kostet mehr als 10.000 Euro. Die Kosten für eine ganze Maschine würden selbstverständlich weitaus höher ausfallen. Geht es nach den Entwicklern, wird der fertige "Unprinter" etwa 2.000 Euro kosten. Eine Investition, die sich dann auch für mittelständische Unternehmen lohnen könnte.

Unprinting - Zukunftsvision oder Nischenprodukt?

Sollte das Team rund um David Leal und Hidde-Jan Lestra tatsächlich ein Gerät für unter 2.000 Euro auf den Markt bringen, könnte sich dies zum echten Kassenschlager entwickeln und ein wichtiger Beitrag für umweltfreundlicheres Drucken sein. Denkbar wäre auch die Integration in bereits bestehende Produkte, wie Office-Drucker und Kombinationsgeräte. Ein paar Nachteile hat die Technologie allerdings, denn einerseits lässt sie sich ausschließlich für Tonerdrucker verwenden (herkömmliche Tinte dringt zu tief in das Papier ein) und andererseits ist es nötig, den giftigen Tonerstaub, der beim Unprinting entsteht, fachgerecht zu entsorgen. Die Mengen sind hier nämlich wesentlich größer als es beim herkömmlichen Drucken der Fall ist. Außerdem noch ein großes Manko ist die Bearbeitungszeit. Das Verfahren dauert im aktuellen Prototyp-Status noch einige Minuten pro Blatt. Auch an dieser Stelle muss noch nachgelegt werden. Dennoch bleibt die Idee spannend.
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1 Kommentar
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Ter Spann aus Südliches Anhalt | 13.06.2016 | 13:37   Melden
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