Wieviel ANGST kann ich in mir zulassen

Mein Augenlicht - werde ich es behalten?
... ohne dass sie mich und meinen Alltag beherrscht?

Eigentlich ist in der Entwicklung des Menschen die ANGST als etwas sehr Natürliches und Nützliches angelegt worden. Sie mobilisierte sämtliche Körperkräfte in Gefahrensituationen, um Vorteile zu erkennen und zu überleben.

Auch heute noch kommen wir Menschen in Situationen, die uns mit Angst konfrontieren.
Das Unwägbare, nicht von uns Kontrollier- und Beherrschbare, das uns bevorsteht, ängstigt. Die Frage, geht es weiter und vor allem WIE, das setzt Befürchtungen frei.

Die Frage, die mich derzeit beschäftigt, lautet:

Was steht meinen Augen bevor und was kommt auf mich zu?

Seit vielen Jahren weiß ich davon, dass meine Sehnerven tiefe Kerben tragen und dass ein beginnendes Glaukom bei mir sofort irreversible Schäden anrichten könnte.
Wenn ich denn jemals zu so einer Krankheit komme...
Nicht jeder kriegt das in seinem Leben - ich erhielt mir meine Zuversicht: Ich nicht!
Brav trabte ich vierteljährlich zum Augendruckmessen und ließ mich von den Werten beruhigen. Das Erblinden war eine Gefahr, die mir keine Gänsehautschauer bescherte.

Der medizinische Fortschritt lässt es zu, dass die Untersuchungen spezifischer werden. Eines Jahres gab es das HRT. Eine dreidimensionale Beurteilung des Istzustandes, die mir noch immer meine Ruhe ließ. Keine Veränderungen, alles liegt nur im Minimalbereich. Zu meiner Sicherheit muss die Untersuchung - eine kostenpflichtige IGL-Leistung, aller zwei Jahre sein.

Mit großer Wahrscheinlichkeit sind meine Sehnerven schon anlagebedingt so gekerbt und nicht erst durch eine Krankheit gezeichnet. Aber die Sicherheit bringt mir etwas Gutes.
Zwar beruhigt sie nur, aber sie beseitigt die schlummernden Gefahren nicht, denn auch im Ernstfall gäbe es keine konkrete Möglichkeit des Eingreifens.

Nun bin ich älter geworden, auch meine Augen sind mit mir gealtert. ...und leider gibt es Veränderungen - noch keine gravierenden, die mich beeinträchtigen, aber solche, die meinen Augenarzt die Alarmglocke schwenken lässt.

Er will therapieren - auf Verdacht, prophylaktisch, nur mal so. Und ich will nicht!

Seit nunmehr fast zwei Jahren schiebe ich das weitere Senken meines Augendrucks vor mir her, denn meine Werte liegen nach wie vor im Normalbereich. Ich habe weder Sehstörungen noch Gesichtsfeldausfälle.
Die Abstände der empfohlenen HRT-Untersuchungen sind mittlerweile bereits auf die Frist eines halben Jahres zusammengeschmolzen und immer wieder muss ich die Mahnung hören, mir drohe der Sehverlust. Es klingt beängstigend, bedrohlich und nah.

Wie gehe ich um damit?
Die Befürchtungen völlig zu ignorieren, wäre nur eine Vogel-Strauß-Aktion: Kopf in den Sand stecken, denn Optimismus alleine reicht mir nicht aus.
Zuversicht verhindert nichts.

Ich bin ein sehr rational denkender Mensch und deshalb trete ich meinen Ängsten entgegen. Ich habe die Argumente sortiert. Was ist real, was ist fiktiv, wie schätze ich die Wahrscheinlichkeiten ein - ich habe mich gründlich informiert, damit ich mich nicht meiner Angst ausliefere. Es ist meine Lebensqualität, die ich sonst der Furcht opfern müsste. Das will ich nicht - denn noch sehe ich alles.
Ich selbst werde entscheiden, was mit mir geschieht und ich werde wachsam sein. Ich lasse es nicht zu, dass mich die Angst überschwemmt und meiner Freiheiten beraubt, selbst wenn da die Unwägbarkeit im Hintergrund steht, ich könnte mich doch falsch entschieden haben.

...und noch etwas habe ich mich gefragt: Wieviele Ängste und ökonomische Zwänge stecken eventuell heutzutage in einem Arzt, der im Patienten Ängste weckt und sie stetig schürt? Spielt da vielleicht doch nicht zu 100 % nur die sachlich begründbare Befürchtung des bevorstehenden Sehverlustes eine Rolle, sondern die Furcht, ich könnte im Ernstfall ankommen, um finanzielle Forderungen zu stellen, weil er über den gesamten Zeitraum nur überwacht und niemals therapiert hat?

Mit dem eigentlichen Problem bin ich ziemlich allein, dabei brauche ich Austausch und Meinungen dazu.
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3 Kommentare
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Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 29.09.2016 | 19:05   Melden
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Jacqueline Koch aus Eisleben | 29.09.2016 | 19:53   Melden
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Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 01.10.2016 | 10:30   Melden
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