Auf dem Landweg nach New York - Start der dritten Etappe

der Prototyp (Foto: http://leavinghomefunktion.com/)
 
Testfahrt in Kanada (Foto: http://leavinghomefunktion.com/)
 
Johannes Fötsch

Anne Knödler, Elisabeth Oertel, Efy Zeniou, Kaupo Holmberg und Johannes Fötsch... Fünf Namen, fünf Menschen, fünf Ural Motorräder, eine Geschichte, die inzwischen bekannt ist. Nach einem langen Break im Winterlager in Vancouver, harter Arbeit und intensiven Vorbereitungen geht es bald wieder los, dem Ziel entgegen. In diesem Jahr wollen die Abenteurer in New York ankommen. Bis es soweit ist, liegt allerdings noch einiges vor ihnen. Bekannte Probleme, Pannen, unwegsames Gelände und eine Neuerung. Denn die "Uralisten" werden zu Leichtmatrosen.

Er war schon fast fertig, der neue Bericht, der erste, für die dritte und letzte Etappe unserer Freunde vom leavinghomefunktion – Projekt, als mein Rechner sich dachte: „Dem werd' ich jetzt ein feines Schnippchen schlagen!“ und sich unangekündigt ausschaltete. Das feiste Bluescreen-Grinsen im TFT Gesicht, der Mittelfinger in Form von seltsamen Geräuschen aus dem Gehäuse, und aus wars. Zwischenspreichern? Das war doch früher mal. Das braucht man doch heute nicht mehr. Da gibt es doch die Wiederherstellungsfunktion. Alles gut also. Der Ärger bleibt in Grenzen, der Rechner fährt wieder hoch und das Schreibprogramm fragt mich, ob ich die Dokumente wieder herstellen will. Natürlich will ich das. Es waren drei Seiten Bericht. Es liegen drei Stunden Arbeit hinter mir. Auswertung und Sortieren des Interviews, Recherche, Tippen, Löschen, Tippen... hier kürzen, da erweitern... was man eben so macht, als Schreiberling...
Aber nun steht da: „Das Dokument konnte aufgrund eines Problems nicht wieder hergestellt werden“! Es beginnt zu kochen in mir. Meine verkrampften Finger greifen zum Gehäuse, die Absicht, die Kiste aus dem Fenster zu werfen wird zu einem leisen Schrei und nur die Tatsache, dass ich kein Geld für einen neuen Computer habe, überredet mit Engelszungen der Vernunft, dies Vorhaben zu verwerfen.
Aber da nützt kein Jammern. Dann eben Versuch römisch zwei...

Auf zu neuen Ufern

Es war in den vergangenen Monaten nicht einfach, die fünf abenteuerlustigen „Uralisten“ zu erreichen, die sich in Vancouver/ Kanada im Winterlager aufhalten. Nicht, weil Kanada wie Sibirien ein schlecht ausgebautes Kommunikationsnetz hat, im Gegenteil. Eher lag es daran, dass zwischen wichtigen Arbeiten an den Maschinen, organisatorischen Bekümmerungen und nervigem Steuerkram, Geld in die geschröpfte Projektkasse kommen musste. So arbeiteten Johannes und Kaupo auf dem kanadischen Bau, während Anne sich in einem Feinkostrestaurant verdingte, Elisabeth einem nicht unbekannten Schriftsteller assistierte und quasi so etwas wie eine Adjutantin wurde und Efy als Kindermädchen ihre Zeit verbrachte.
Immer mal kurz konnten wir telefonieren, aber die Zeit für ein ausführliches Interview hatten wir nicht wirklich. Umso mehr freute ich mich nun, endlich, wenn auch nur schriftlich, meine Neugier – und somit nun auch die Eure- befriedigen zu können, als Johannes sich gestern die Zeit nahm, mit mir zu chatten.
Es geht rasant auf den Aufbruch zu Etappe drei zu. „Die letzten Vorbereitungen laufen.“ -schreibt Johannes. „Die Motorräder werden nun nach Anchorage, der nörlichsten Stadt Alaskas verschifft, die noch ohne größere Probleme erreichbar ist. Dort werden sie dann drei Monate gelagert, während wir zurück nach Magadan fliegen und zunächst auf fünf andere Motorräder umsteigen. In Magadan treffen wir auch unsere beiden Freunde Pedro und Martin wieder, mit denen wir gemeinsam von da aus los fahren werden, wo unsere Reise vor der Winterpause endete.“
Wobei von fahren nur noch bedingt die Rede sein kann, denn Fahren ist nur noch ein Teil des Unternehmens und unsere Freunde werden zu Leichtmatrosen.
 

Schwimmen ist das Stichwort

Während des Aufenthaltes in Vancouver tüftelten, bastelten und testeten die Fünf mit einer Vielzahl Helfern und interessierten Leuten an dem Prototypen der schwimmenden Urals, jenem Vorhaben, das für die Überquerung der Beringstraße geplant war und erweiterten den Plan. Warum immer Flüsse im Osten Sibiriens überqueren, wenn doch die Maschinen auch zu Wasserfahrzeugen umgebaut werden könnten?
Die Idee lieferte ein Franzose, erzählt mir der quirlige Hallenser. „Francis Lamotte hat versucht, mit seiner KTM den Ärmelkanal zu überschwimmen, als Vorbereitung auf ein bevorstehendes Abenteuer, auf dem Kolima Fluss. Leider ist seine Maschine dabei in Brand geraten und gesunken. Ich habe über das Projekt einiges gelesen und mir dann die Sache mit den Pontons überlegt. Wenn er nach seiner Erfahrung auf dem Fluss die gesamte Strecke auf seinem doch eher wackeligen >SchiffchenSchrauben, Schweißen Fertig machen
Aber zunächst heißt es, den Kolima-Fluss zu bezwingen. Einzelne Teile für den Umbau der Urals, die dann in Magadan auf die Fünf warten, sind bereits vorgefertigt. Die wesentlichen Umbauten allerdings werden dann vor Ort vorgenommen. Die notwendigen Materialien und Pontons sind bestellt und auf dem Weg nach Magadan. Es warten dann also Schraub- und Schweißarbeiten, bis es endgültig losgehen kann. Das Ganze wird, so Johannes, etwa eine Woche dauern. Dann heißt es Aufbruch. Zunächst geht es auf den Straßen 500 Kilometer nach Seimtschan, wo die Fahrenden planmäßig am 12. Juni, auf den Fluss treffen werden. Martin (siehe Etappe zwei) hat sich in Magadan ein Boot gekauft und wird zusammen mit russischen Freunden im Truck zum Fluss reisen und die Fünf am Ufer treffen. Er wird dann das Boot fahren und Proviant und Sprit transportieren. Auf diese Weise ist der Trip doppelt abgesichert.
Für die schwimmende Zwischenetappe sind etwa 20 Tage eingeplant, wenn das auch recht schwer bestimmbar sei. „Da wir mit der Strömung fahren, sind uns 10 KM/h Strömungsgeschwindigkeit schon einmal sicher.“ - schreibt Johannes. „Wenn wir in Tscherski ankommen, rüsten wir unsere Bikes wieder auf Straße um und machen uns auf den Weg nach Anadyr. Etwa 2000 km Piste liegen dann vor uns. Dazu eine Menge Flüsse und wahrscheinlich viel Moor wird uns erwarten.“
Schätzungsweise gelangen die „Uralisten“ Mitte Juli zum Polarkreis. Die beste Zeit, diesen zu überqueren. Sollte es gelingen, bis Ende Juli in Anadyr zu sein, wird es weiter in Richtung Beringstraße gehen. Wie und ob und was dann genau geschehen wird, hängt von verschiedenen Umständen ab. Das Wetter, die Beschaffenheit der Straßen und Wege, die Verfassung der Maschinen und Etliches mehr. Eventuell wird ein kleines Flugzeug gechartert und der Weg nach Alaska in der Luft zurückgelegt. Hier warten dann die eigenen Ural-Maschinen auf ihre Besitzer und weiter geht es, straihgt in Richtung New York.
Auch die dritte Etappe verliert also nicht an Spannung. Ich bin sicher, ihr seid genauso neugierig wie ich, wie es weiter geht, was unsere reisenden Freunde alles erwartet, ob die Motorräder durchhalten und der Plan, so wie er momentan steht, eingehalten werden kann.
Das letzte Wort will ich nun dem leavinghomefunktion – Quartett überlassen, denn im Statement der Fünf, das mich soeben erreicht, gibt es noch eine kleine Bitte.

TATATATA: die erste amphibische Ural -


die Flut kann also kommen. Nach monatelangem Tüfteln schwimmt und röhrt sie endlich. Nach einigen Testfahrten auf dem Fraser River in Vancouver bereiten wir uns nun auf den "Endgegner" vor – den Kolima Fluss und die Durchquerung Tschukotkas. Der Kolima Fluss befindet sich abgelegen im östlichsten Zipfel des Fernen Ostens Russlands und ist unzugänglich für die meisten Vehikel, einfach aus dem Grund, weil es keine Straßen gibt. 250 Tage im Jahr ist der Fluss zugefroren und das Eis wird zur Straße. Eine gemütliche Autofahrt ist trotzdem nicht zu erwarten, bedenkt man die exotischen -50 Grad! Glücklicherweise werden wir das 3 Monate Sommerfenster ausnutzen und mit unseren schwimmenden Ural Motorrädern runterfahren. Der Geschmack unzähliger Pannen der letzten beiden Etappen durch Europa, die Türkei, Georgien, Kasachstan, die Mongolei und den Fernen Osten Russlands wird uns noch lang im Mund kleben. Es wird nicht simpel, wir werden fluchen, schrauben, Probleme lösen aber auch viel lachen und erneut um eine unbezahlbare Erfahrung reicher sein. Wir wollen diesen Fluss runter schwimmen - Wir machen das! Unser mobiles Studio wagt somit einen Ausflug in eine der unbekanntesten Gegenden unserer Welt.
Ich mache es kurz, egal wie viel wir die letzten 7 Monate geackert haben, wir brauchen noch einen finanziellen Schubser. Durch das erfolgreiche Crowdfunding auf der Plattform Indiegogo haben wir vor 1.5 Jahren den Grundstein unserer Expedition gelegt. Dank der Unterstützung zahlreicher Enthusiasten konnten wir unsere Urals aufsatteln und los reiten (DANKE!). Damit sich diesmal unser Propeller dreht und wir dieses Projekt umsetzten können, haben wir eine monatliche Crowdfunding Kampagne auf der Plattform PATREON eingerichtet. Als Gegenleistung können potentielle Unterstützer einzigartige Schmankerl von unterwegs erhalten!

link>> https://www.patreon.com/leavinghomefunktion?ty=c

...to be continued...
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Facebook | Erschienen am 30.05.2016
Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 30.05.2016
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