In der Heimat entdeckt – der Schlosspark zu Machern

Das Schloss zu Machern
 
Der Agnes-Tempel
Machern: Park | Nur etwa 55 Kilometer von Halle entfernt und leicht über die Autobahn A 14 sowie die B 6 (in Richtung Wurzen ) erreichbar, liegt einer der ältesten deutschen Landschaftsgärten, der Park zu Machern. Die Stadt Machern im Landkreis Leipzig hat etwa 6000 Einwohner und verfügt seit 2002 über einen neu gestalteten Schlossplatz mit einem interessanten, die Geschichte des Ortes darstellenden Brunnen.
Der 34 Hektar umfassende Park hinter dem im 16.Jahrhundert errichteten Schloss wurde von 1782-1798 angelegt. Das Schloss, ursprünglich ein Wasserschloss, verlor seine Bedeutung, als der Bau der Eisenbahn Dresden-Leipzig 1836-38 zur Senkung des Grundwasserspiegels führte, sodass viele Wasserflächen verschwanden. 1982 begann eine erste Renovierung des Gebäudes, die nach 1990 mit umfangreichen Mitteln fortgesetzt wurde.
Das Gebäude beherbergt heute u.a. heute Hotel, Gaststätte, Stadt-Information sowie Standesamt mit historischer Ritterstube--- was von vielen Hochzeitspaaren genutzt wird. Tagungen, Seminare und Familienfeiern sind im Hause möglich.

Von 1465 bis 1802 beherrschte die Familie von Lindenau die Geschicke des Ortes. Der letzte von ihnen, Reichsgraf Carl Heinrich August von Lindenau (1755-1842) legte den Park ab 1782 an - wahrscheinlich hatte schon sein Vater einen Grundstock dazu gelegt. Ursprünglich gehörte zum Schloss auch vorher schon eine Gartenanlage. Lindenau hatte in Leipzig studiert und u.a. Johann Wolfgang von Goethe kennengelernt, mit ihm beispielsweise in „Auerbachs Keller“ (1766) gezecht. 1789 bekam er das Amt des preußischen Oberstallmeisters übertragen. In dieser Funktion hat er viel zur Entwicklung der preußischen Pferdezucht und des Gestütswesens beigetragen. Ab 1782 legte er nördlich und östlich des Schlosses einen Landschaftsgarten im englischen Stil an. Im Mittelpunkt standen dabei einzelne Szenen, in denen sich der Besucher in natürlicher Umgebung wiederfinden konnte. Einfachheit, Freiheit und die Einbindung der Natur waren die großen Prämissen für die im Gegensatz zu den starren Barockgärten damals entstehenden Landschaftsgärten im englischen Stil.
1790 entstand eine künstliche Ruine, auch „Rosentor“ genannt. Sie wurde in „Wilhelmsruhe“ umbenannt im Andenken an den Besuch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. im Park 1792.
Der Gartenarchitekt Ephraim Wolfgang Glasewald entwarf viele der Gebäude. Die Pyramide, gedacht als Mausoleum für die Familie, entstand 1792. Sie wurde 1995 nach 2-jähriger Renovierung wieder der Öffentlichkeit übergeben. Die vielen geheimnisvollen Öffnungen im Innern sowie das Wegesystem um die Pyramide lassen erkennen, dass freimaurerische Gedanken eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielten. Gegenüber der Pyramide mit der Inschrift „Unseren Entschlafenen“ befindet sich die Statue der Vestalin.
Auf einem Rundgang durch den Garten, der am besten am Schloss beginnen sollte, findet man am Wegesrand zahlreiche gestalterische Elemente, Tempel, Altäre und Skulpturen. 1792 entstanden das Orangerie-Gebäude, 1795/96 eine Ritterburg mit einem geheimnisvollen Zugang, 1797 der Tempel der Hygieia, der griechischen Göttin für die Gesundheit.
Wertvolle Bäume und viele verschiedene Pflanzensorten kamen bei der Neuanlage zum Einsatz. Die Wege schlängeln sich um den Schwemmteich, zum Wildgehege und zwischen Tempeln und Skulpturen entlang. Immer gibt es etwas zu entdecken … Auch wenn sich nicht mehr alles im Originalzustand befindet, einige Teile durch Veränderungen verloren gingen, ist es doch lohnenswert, durch die Anlage zu schlendern, eine Pause mit Picknick einzulegen – Möglichkeiten dazu gibt es überall … Eine gute Beschilderung weist den Weg und erklärt die wichtigsten Standorte. Dass der Park so erhalten werden kann, dafür setzen sich seit 1993 auch die Mitglieder eines Fördervereins ein.

Machern ist nur ein Beispiel für bedeutende Landschaftsgärten in Mitteldeutschland. Ein Besuch lohnt sich natürlich auch im Wörlitzer Park. Der Landschaftspark nach englischem Vorbild wurde zwischen 1769 und 1773 angelegt (bis 1813 erweitert) und umfasst eine Fläche von 112,5 ha. Das Seifersdorfer Tal bei Dresden mit seinen zahlreichen Tempeln, Altären und einer wunderschönen Tallandschaft entlang der Großen Röder -zu Unrecht oft übersehen- wurde zwischen 1781 und 1791 gestaltet. Es ist damit einer der ältesten deutschen Landschaftsgärten. Der größte von ihnen ist jedoch mit immerhin 830 ha der Muskauer Park, der ab 1815 entstand.
Gerade im Frühjahr mit der erwachenden Natur ist ein Besuch dieser Landschaftsgärten besonders empfehlenswert.

Manfred Drobny
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3 Kommentare
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 26.04.2016 | 13:45   Melden
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Yvonne Rollert aus Halle (Saale) | 29.04.2016 | 11:25   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 03.05.2016 | 18:03   Melden
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