Martin Luther- entdeckt in Tallinn (Estland)

Blick auf Tallinn 2016
Tallinn (Estland): Tallinn | Während mehrerer Ostseekreuzfahrten hatten wir Gelegenheit, die Hauptstadt Estlands, Tallinn (bis 1918 Reval) zu besuchen. Im Jahre 2015 wurde sie, ebenso wie 95 weitere Städte in 17 Ländern Europas, von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) zur „Reformationsstadt Europas“ erklärt.


Die mittelalterliche Stadt ist geprägt durch eine fast zwei Kilometer lange - gut erhaltene und restaurierte - Stadtmauer mit 26 Türmen. Die Unterstadt mit dem Rathausplatz als Zentrum sowie der Domberg mit Dom, der Alexander- Newski- Kathedrale und dem ehemaligen Schloss (heute Sitz von Parlament und Regierung) sollten bei einer Besichtigung unbedingt berücksichtigt werden. Hier befinden sich zahlreiche interessante Baudenkmale, die von der wechselvollen Vergangenheit der Stadt zeugen.

In der Langstraße, der Pikk, erinnern zahlreiche Gildehäuser an die verschiedenen Vereinigungen der Handwerker und Händler, die hier tätig waren. Reval als Hansestadt war ohnehin ein Knotenpunkt des Handels im Ostseeraum. Das Haus Pikk 17, das ehemalige Haus der Großen Gilde, beherbergt heute das Estnische Historische Museum.

Am Haus Nr. 20 - dem Gebäude der ehemaligen Kanutengilde- fallen zwei Figuren auf, die auf die Stadt herab blicken: Links der Heilige Kanut (Knut), rechts Martin Luther. Es dokumentiert damit die Verehrung für den Reformator. Der bereits 1326 erwähnten Handwerkervereinigung gehörten ursprünglich Uhrmacher, Goldschmiede, Schuhmacher und Kunstmaler an. Das heutige Gebäude, das ein Tanztheater beherbergt, stammt jedoch erst aus den Jahren 1863/1864.

Erste Ansätze der Reformation gab es in Reval bereits 1523. Sie gingen von den Predigten des Zacharias Hasse, Kirchenkaplan der Olaikirche, aus. Im gleichen Jahr richtete Luther eine Botschaft an seine Anhänger in Livland- so auch an die in Reval. Auf einem Städtetag am 18. Juli 1524 in Reval bekundeten die deutschen Ritter und die Bürgermeister aller Städte in einem Religionsbündnis den Sieg der Reformation in Livland. Auch mit der schwedischen Besetzung ab 1561 und der Zugehörigkeit zum Russischen Reich ab 1710 blieb diese Glaubensrichtung dominierend und prägte das Leben der Menschen.

Interessant ist des Weiteren, dass ab 1760 der in Hettstedt geborene Organist Carl Friedrich Agthe (1724-1785) an der Olaikirche und später an der Heiliggeistkirche in Reval tätig war.

Spaziert man an durch die engen Gassen und Straßen der Altstadt, bietet sich dem Besucher ein breites Spektrum historischer Zeugen. Aber auch die zahlreichen Restaurants und die vielen kleinen Geschäfte am Rande des Weges vermitteln ein Bild der Lebendigkeit der estnischen Hauptstadt, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Manfred Drobny

Fotos: Privat/Manfred Drobny.
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 18.08.2017 | 11:35   Melden
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