Sachsen-Anhalts Touristen-Magnet / noch ergänzt

Früh - mittags - abends = Eindrücke für alle Sinne
 
Titan RT - Megazipline - Harzdrenalin
 
Vom Floß aus gesehen
 
Der Brückenschaukler
Kennt Ihr Sachsen-Anhalts Highligt schon ?

... wart Ihr bereits jenem Magnetismus unterworfen, der die Leute derzeit scharenweise in den Harz und in die Nähe der Rappbodetalsperre lockt?

... seid Ihr diesem Hype erlegen, der ganz regelmäßig das Fassungsvermögen der Parkplätze vor Ort sprengt?

Nein?
Na, dann kommt mal mit in mein Fotoarchiv!

Von dort aus lässt sich die neue Hängebrücke ganz bequem und von allen Seiten betrachten.

Wir haben uns im Mai, kurz nach Eröffnung der Hängebrücke, die den Namen TitanRT trägt, im Harzkurort Allrode einquartiert und konnten von dort aus über einen kurzen Anfahrtsweg den schwankenden Steg über den Abgrund ansteuern.

Von Wendefurth aus unternahmen wir zuerst eine Floßfahrt auf dem Stausee. Das Floß fährt bis in die Nähe der Staumauer und hoch über uns ist diese imposante Hängebrücke zu sehen, die Leute darauf wirken wie kleine Spielzeugfiguren.

An den unterhalb der Brücke gespannten Seilsträngen fliegen die ganz Wagemutigen durch die Luft, die bei Harzdrenalin ihr Adrenalin durch die Blutgefäße jagen lassen.
Gut zu sehen sind sie, die Abkömmlinge von Batman, mit Helm und Kamera, um diesen Flug per Video wiederholbar und vorzeigbar zu machen.

Nach diesen begehrlichen Blicken auf die Brücke in der Höhe starteten wir einen ersten Versuch am Sonntag-Vormittag.

Der Sonntag war ganz schlechte Wahl - gefühlt ganz Sachsen-Anhalt plus alle von weither Angereisten hatten die gleiche Absicht.
Zum einen regnete es kräftig und zum anderen standen an der Einfahrt zum Parkplatz armeschwenkende Ordner und winkten allen Autofahrern zu. Leider nicht fröhlich und als Willkommen, sondern sehr genervt und abweisend.
"Weiterfahren, der Parkplatz ist voll!"
Schwupps, waren wir vorbei.

Uns zog auch nicht der Straßenrand magisch an. Dort würden wir knöcheltief durch den Matsch waten müssen, bevor wir den Parkplatz erreichen. Das ist gar nicht so prickelnd!
Wir gaben diesen ersten Versuch als gescheitert auf und steuerten wieder unser Hotel an.
Der Regen war ausdauernd und heftig. Das Beste war deshalb ein Dach über dem Kopf und etwas Essbares auf dem Teller.

Unseren zweiten Anlauf auf die Hängebrücke starteten wir von der Vernunft gesteuert und besser durchdacht, am Abend dieses Sonntags, nachdem sich schon alles geleert hatte. Der Parkplatz bildete nun kein Hindernis.

Jetzt aber entstand ein anderes Problem, der Kartenkauf.
Das Kassenhäuschen war bereits geschlossen, deshalb stiegen wir aufwärts bis zur Brücke.
Am Kartenautomaten hatte sich eine lange Schlange gebildet. Eine große Klappe gab sein Innenleben preis und Techniker fuhrwerkten darin herum. Leider nur mit kurzem Erfolg. Noch ehe wir Karten bekommen konnten, gab der Automat den Geist erneut und endgültig auf.
Die Techniker auch.
"Frag mich jetzt bloß nicht, was ich von DEM Automaten halte" - diesem Gespräch entnahmen wir, dass wir uns unseren Teil denken und in die Lage versetzt waren, den Satz gedanklich zu ergänzen und mit Fakten zu füllen.

Die neue Anweisung:
"Unten wird wieder eine Kasse geöffnet".
Das hieß, nach unten zum Parkplatz zurück zu laufen und nach dem Kartenkauf erneut den Berg rauf zu müssen.
Nur seufzend haben wir uns gefügt. Der Weg zur Gesundheit ist ja bekanntlich immer ein längerer Fußweg.

Mit der unter Schwierigkeiten beschafften Karte durchliefen wir nun die Sperre und betraten die Hängebrücke.
Die bedrohlich dunkle Wolke war nett mit uns und verzog sich, sie ließ der milden Abendsonne den Vortritt, wir wurden mit einer herrlichen Aussicht auf die Umgebung belohnt.

Das Schwanken der Brücke auszugleichen, fiel uns nicht schwer, verfügten wir doch über die Erfahrung der österreichischen Highline 179 mit 406 m Länge in 113 m Höhe.
Das ähnelt dem, was uns bei der Brückenlänge von 458 m erwartet, dachten wir uns.
Irrtum, diese Brücke bekam ihre Besonderheit ganz zum Schluss erst aufgedrückt.

Als wir genügend gesehen hatten und bis zur anderen Seite gelaufen waren, kehrten wir wieder um und wollten die Brücke verlassen.
Zu dieser Uhrzeit waren nur junge Leute auf der Brücke, wir waren die einzigen Älteren. Das machte uns nichts aus, aber wir wussten zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, dass uns gerade jemand zum Zielpunkt seiner Späße machte.

Wir waren fast am Ende des noch schwingenden Teils der Brücke angekommen, da wurden urplötzlich die Schlenker so stark, dass wir fast stürzten. Nur mein Mann schaffte es noch, das Geländer zu greifen und sich unbeschadet umzudrehen.

Da stand doch ein Kerl mit seinen Fußballerwaden und dem dickem Bauch, der kaum in seine Bermudahose passte, hatte links und rechts das Geländer angepackt und schaukelte kraft seiner Körpermasse die Brücke, dass deren Ausschlag gerade bei uns Alten am größten war.

Er machte sich einen Spaß daraus, dass es uns hin und her warf.

Im Aufsichtsturm war um diese Uhrzeit niemand mehr, das Kassenhaus leer. Die Videoüberwachung half nicht weiter.

Im Nachhinein sahen wir, dass der Übeltäter sogar auf einem unserer Fotos war, wie er da stand und auf seinen Auftritt wartete.

Wir waren sehr froh, dass wir die Brücke verlassen konnten, ohne gestürzt zu sein, aber der Schrecken saß uns in den Gliedern. Nun lasen wir die am Kassenhäuschen angebrachte Liste der Ge- und Verbote, noch einmal ganz bewusst durch.

Da findet sich allerlei Schnickschnack, was niemals jemand machen würde - ja, haben die Betreiber dieser Hängebrücke nicht daran gedacht, das willkürliche und absichtliche Versetzen der Brücke in Schwingungen explizit hier zu untersagen? Ein nicht zu verstehendes Versäumnis, auf das man angesichts eines solchen Versuchs unbedingt hinweisen muss.

Als wir über die österreichische Hängebrücke in Reutten-Ehrenberg gelaufen sind stand diese Forderung ganz oben bei der Liste der aufgeführten Verbote. Im Foto der Highline 179 lesen wir gleich unter Punkt a) Schaukeln und spielen ist strengstens verboten bzw. Swinging and playing is strictly forbidden. Hier ist nichts dergleichen zu finden.

Wir nehmen uns vor, am nächsten Tag bis zum Management vorzudringen.

Noch ist es hell, der Abend kommt erst nach dem Abendessen .. wir suchten nach einer offenen Gaststätte in der Nähe der Brücke, aber das war schwierig. Mehrere Versuche scheiterten, selbst sonntags, also zur besten Geschäftszeit.

Die unmittelbare Umgebung hat mit der Magnetwirkung der Hängebrücke längst noch nicht mitgezogen. Geschlossen. Dunkel. Unwirtlich.
Wir mussten uns ein ganzes Stück von der Brücke entfernen, wollten aber noch nicht zurück, denn wir hatten vor, bei Einbruch der Dunkelheit die beleuchtete Brücke zu fotografieren. Endlich in Treseburg winkten uns Glück, eine heiße Suppe und ein paar schöne Spiegelbilder.

Mit wieder neu erweckten Lebensgeistern und kontrollierendem Blick auf die Uhr machten wir uns erneut auf zur Talsperre und dann auf die Aussichtsterrasse, von der aus die Brücke gut von der Seite zu sehen ist.
Noch war das Licht nicht zugeschaltet worden.
Das wär auch zwecklos, denn der Himmel, der sich im Wasser spiegelte, leuchtete das Tal noch lange mit seiner Lichtfülle aus.

Endlich 21:30 Uhr flammte das Licht auf.

Vom ersten Aufleuchten der Lichterkette an der Hängebrücke bis hin zur letzten unverzerrten Erfassbarkeit durch den Fotoapparat verging nicht viel Zeit, aber sie dehnte sich durch die Flut der wunderbaren Eindrücke.

Beeindruckt liefen wir den Weg nach unten zum Parkplatz, bestiegen unseren zuverlässigen Flitzer und fuhren nach Allrode zurück.

Noch lag der Montag vor uns, der uns noch einen weiteren Anblick der Brücke verschaffen sollte.
Bevor wir schlafen gingen, stellten wir uns deshalb den Handywecker für diesen nächsten Tag. Der folgte dann strikt unseren Anweisungen und klingelte uns schon kurz nach vier Uhr wach. Klar, wir waren in diesem Moment nicht gerade begeistert, aber unverdrossen erhoben wir uns und stiegen in die Schuhe.

Der Morgen war noch jung, Dunst ruhte auf den Wiesen, glasklare Luft - herrlich.
Ein solcher Anblick, wenn der Dunst von der ersten Sonne beleuchtet wird und von jetzt auf gleich die Färbung verändert, das ist umwerfend schön und belohnt für das frühe Aufstehen.

Erlebt es anhand der Bilder mit uns - viel Freude dabei...

*~*~*~*~*

Unser Hinweis in der Leitungsebene auf den Brückenvorfall und unsere Warnung vor der Willkür solch makaberer Spaßmacher, stieß zuerst auf eine sehr unzivilisierte Abwehr, die sich weit neben dem Sachverhalt verstieg. Schließlich wollten wir uns nicht beschweren, sondern warnen - WEHRET SOLCHEN ANFÄNGEN !

... und bekamen zur Antwort: Was sollte denn noch alles auf dieses Warnschild - vielleicht müsse da auch stehen: Nicht durchs Gitter nach unten pinkeln!

Besinnung kam erst auf, als wir ihnen nicht auf dieses Niveau folgten, sondern sachlich blieben.

Trotzdem wird vom Management die Meinung vertreten, jeder betrete die Brücke auf eigene Gefahr.
Vielleicht ist es für jeden Brückenbegeher sehr sinnvoll, von so einer Ansicht zu wissen und sich auch bewusst auf solche unkalkulierbaren Gefahren einzustellen.

Für einen Ernstfall würde das die Betreiber aber nicht von ihrer Pflicht entbinden, solches Fremdverschulden bewusst abzuwehren.
Nun soll ein zusätzliches Schild angebracht werden, wurde uns versichert.

Wir werden es ja sehen, wenn wir Ende Juni mit unserem Enkel die Brücke noch einmal besuchen...

Titan RT Hängebrücke

*********************************************
Der schwankende Pfad bringt den Vogelflug nah,
den Fuß muss man vorsichtig setzen,
die Aussicht nach unten beschert ein AHA...,
nie in der Balance sich verschätzen.
*
Die Höhe, die Weite, den Ausblick genießt
ein jeder, der wagt das Begehen -
Erlebnis, bei dem die Bewunderung fließt,
auf diesem Bauwerk zu stehen.
*
Wir waren dem Eindruck so ganz auf der Spur,
am Morgen vor Sonnenaufsteigen -
bei Tageslicht in der schönen Natur,
bei Lampenschein auf dunklen Zweigen.
*
Zu fühlen sich dort wie ein Vogel so frei,
das ist, als ob wachsen uns Schwingen...,
hier sind wir gewesen, wir waren dabei,
so herrlich hoch über den Dingen.
;-)
********************* MM *********************

! ! ! ! Eine zusätzliche Bemerkung noch / mit Bild: ! ! ! !

Als wir mit unserem Enkelkind Ende Juni noch einmal zur Hängebrücke kamen,
war tatsächlich ein neues Schild am Brückenzugang angebracht worden.

In roter Schrift ist nun dort der wichtige Hinweis zu lesen:

Das vorsätzliche Aufschaukeln der Konstruktion ist verboten !
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 10.07.2017
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 16.06.2017 | 15:35   Melden
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 16.06.2017 | 16:26   Melden
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Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 16.06.2017 | 16:48   Melden
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