Zu Besuch in der Römerstadt Zülpich

Der moderne Museumskomplex in Zülpich
 
Das Münstertor in Zülpich - eines der vier Stadttore
Zülpich: Museum Römerthermen | Fast 20 000 Einwohner zählt die Stadt Zülpich im Städtedreieck Köln-Bonn-Aachen (Kreis Euskirchen) in Nordrein-Westfalen. Sie bündelt jedoch 25 Ortschaften zwischen 140 und fast 6000 Einwohnern in einer Verwaltungsgemeinschaft und liegt in einer reizvollen Kulturlandschaft.
Die letzte Einwohnerzahl bezieht sich dabei auf den Kernort Zülpich selbst, der sich auch als „Römerstadt“ bezeichnet. Schon Tacitus erwähnte im Jahre 70 n. Christus die Siedlung als „Tolbiacum“. Die Römer bauten die Siedlung immer weiter aus, an der sich mehrere ihrer Fernstraßen (Köln-Trier, die sogenannte „Agrippastraße“; Neuss-Reims und Bonn-Jülich) trafen. Daher ist es folgerichtig, dass hier im 2.Jahrhundert nach Christus auch eine Badeanstalt, wie überall im Römischen Reich, entstand.
Europäische Geschichte wurde in der Gegend unter anderem durch die „Schlacht bei Zülpich“, als im Jahre 496 n.Chr. der Frankenkönig Chlodwig bei Zülpich die Alemannen besiegte und nach dem Sieg zum christlichen Glauben überwechselte, geschrieben. Dies war ein wichtiger Schritt auf dem Wege zu einem fränkischen Großreich. Im Jahre 1811 wurden daher auf Veranlassung Napoleons in der Pfarrkirche St.Peter (1944 bei einem Bombenangriff zerstört, 1953 neu errichtet) zwei Marmor-Tafeln angebracht. Eine davon lautet: „Zülpich, durch den Sieg Chlodwigs berühmt, das Glück der Franken und die Wiege des Reiches“.
Ebenfalls erwähnenswert ist der Sieg Heinrich I. bei Zülpich über den Herzog Giselbert im Jahre 925, was dazu führte, dass Lothringen dem Ostfränkischen Reiches angeschlossen wurde.
Auf den Resten der 1929 entdeckten Therme wurde 2008 das Museum „Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur“ eröffnet. Der Besucher geht dabei zwischen den gut gekennzeichneten und erläuterten Überresten des römischen Bades hindurch. Dabei entsteht –auch durch den Einsatz moderner Technik- ein lebendiges Bild von Aufbau und Wirkungsweise des technisch raffinierten Baus. Man erfährt, wie sich der Badevorgang in den Thermen gestaltete: Vom Apodyterium (Umkleideraum), über das Caldarium (Heißbaderaum mit Heißwasserbecken), das Tepidarium (beheizter Raum), das Frigidarium (Kaltbaderaum mit Becken) bis zum Sudatorium (Schwitzbad ohne Becken). Ein weiterer Teil der Ausstellung vermittelt einen Überblick über 2000 Jahre Badekultur. Mit Schautafeln und interessanten Exponaten wird dargestellt, dass auch später, zum Beispiel im Mittelalter, die Badekultur eine wichtige Rolle spielte; jedoch den technisch ausgereiften römischen Anlagen unterlegen war. Erinnert wird in der Ausstellung an wichtige, im Zuge der Industrialisierung gemachte, Erfindungen. So zum Beispiel das erste Wasserklosett (1775), den ersten Wasserhahn (1848) und die Email-Badewanne (1862). Alles Dinge, die aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Der Rundgang endet an einer Schautafel, die den Wasserverbrauch von Deutschland, Kenia und New York gegenüberstellt und zur Diskussion über den weiteren Umgang mit dem kostbaren Nass auffordert.
Das sehenswerte Museum, direkt neben der Pfarrkirche St.Peter und der Landesburg, ist von Dienstag bis Freitag von 10-17 Uhr und am Sonnabend, Sonntag und an Feiertagen von 11-18 Uhr geöffnet.
Ein Besuch der Stadt mit den vier markanten Stadttoren, einer gut erhaltenen Stadtmauer und dem nahegelegenen Wassersportsee mit „Seepark“ (dem Hauptgelände der Zülpicher Landesgartenschau 2014) lohnt sich ebenfalls.
Vielfältige Möglichkeiten erschließen sich dem historisch interessierten Besucher, dem Wanderer und Fahrradenthusiasten in der reizvollen Umgebung. Weitere Informationen dazu kann man sich unter www.zuelpich.de einholen.

Manfred Drobny
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