BSV Sachsen lädt zur Weihnachtsfeier

Zur Weihnachtsfeier des BSV Sachsen waren zahlreiche ehemals politisch Verfolgte aus Mitteldeutschland gekommen, viele mit ihren Familien. Für die jüngsten hatte der Weihnachtsmann Süßigkeiten im Gepäck. (Foto: BSV Sachsen)
Die vierte Adventswoche hatten sich viele schon lange im Kalender reserviert, nicht nur für die letzten Weihnachtseinkäufe, sondern auch für ein gemütliches Beisammensein im Kreise Gleichgesinnter und langjähriger Freunde. Dazu eingeladen hatte der Bund stalinistisch Verfolgter, Landesverband Sachsen e.V. Der Weihnachtsbaum war festlich geschmückt, eine Musikgruppe spielte, die Tische waren reichlich gedeckt. Etwa 70 Mitglieder und Anhänger des Vereins waren gekommen, um das Jahr 2012 festlich ausklingen zu lassen. So mancher hatte auch seine Enkel mitgebracht. Der Weihnachtsmann kam und hatte für sie Süßigkeiten dabei. Die Freude bei den jüngsten war groß. Die älteren plauderten über alte Zeiten. Auch aus Thüringen und Sachsen-Anhalt waren einige ehemals politisch Verfolgte zur Weihnachtsfeier nach Dresden gekommen. So wie Erich Richter aus Halle. Er musste in den siebziger Jahre im berüchtigten Gefängnis in Bautzen einsitzen, weil er das System kritisiert und schließlich einen Ausreiseantrag aus der DDR gestellt hatte. Nach mehr als zwei Jahren wurde er von der Bundesregierung in den Westen freigekauft. "Das gelbe Elend war eine schlimme Zeit", erinnert sich Richter. Nach der Wiedervereinigung 1990 kam er zurück nach Mitteldeutschland, wo auch seine Familie lebt. Jedes Jahr zu Weihnachten denkt er besonders oft zurück an die politische Haft, wo die Feiertage alles andere als feierlich waren. So wie Erich Richter erging es Tausenden Menschen auf dem Gebiet der DDR. Die Weihnachtsfeier des BSV Sachsen bot ihnen nun die Möglichkeit, alte Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen. "Es war wieder angenehm, Gleichgesinnte zu treffen", sagte Richter, als er gegen Mitternacht die Feier verlässt. "Wir haben im Verein in diesem Jahr eine Menge bewegt und vielen Menschen geholfen", freut er sich. Seine Enkelin bringt Richter öfter mit zu Veranstaltungen wie diesen, weil sie schon frühzeitig erfahren soll, was bis 1989 im Osten geschehen ist. "Die Jugend weiß viel zu wenig über früher", bedauert er. Deshalb will Richter sich auch im nächsten Jahr wieder am Zeitzeugenprojekt des Vereins beteiligen und in Schulen in Mitteldeutschland über seine Haftzeit in der DDR berichten. Schon Mitte Januar steht er vor einer Klasse in Leipzig.
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