Das Kofferradio- Vorsicht gefährliche "Westsender"!

Halle (Saale): Bahnhof | Wer kennt die segensreiche Erfindung aus den 50-er Jahren noch?

Damals, nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren gab es den Wunsch mit Musik
das Leben leichter zu nehmen. Aus diesem Wunsch heraus wurde mithilfe der
damals ganz neuen Transistor-Technik und Leiterplatten der Bau von kleinen
Radio-Empfängern möglich, welche überall (also auch in die Natur)
mitgenommen werden konnten. Oftmals mit Mono-Zellen bestückt gabe es diese
Geräteklasse für alle Bevölkerungsgruppen. So wurden Fußball-Spiele per
Radio zum Großereignis für ganze Familien.
In der DDR ermöglichte das Transistorradio vielen Jugendlichen den Empfang
von "unerwünschten" Sendern, ohne dass es durch die Eltern oder andere so
leicht kontrollierbar war. Das Hören von "Westsendern" auf der Straße konnte
zu Kontrollen durch die Polizei oder freiwillige Helfer der Volkspolizei
führen, gegebenenfalls zur Sperrung der Geräte. In einer Phase
"sozialistischer Selbstjustiz" ging das Urteil des Kreisgerichts Potsdam vom
15. Januar 1959 als das "Kofferradio-Urteil" in die Geschichte der jungen
DDR ein: Ein Mann hatte auf seinem Transistorradio auf der Straße den
"Westsender" RIAS (Radio im amerikanischen Sektor) gehört, als ihn ein
Passant aufforderte, auf einen DDR-Sender umzuschalten. Weil der
Radiobesitzer dem Wunsch nicht nachkam, zerstörte der Passant das Gerät. Das
Kreisgericht lehnte die Klage auf Schadensersatz ab, mit der Begründung:

"Gemäß § 228 BGB handelt derjenige nicht widerrechtlich, der eine fremde
Sache beschädigt oder zerstört, um damit eine durch die fremde Sache
hervorgerufene drohende Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden.
Nachweislich hat der Kläger das Kofferradio so laut spielen lassen, daß auch
andere Passanten den Hetzkommentar des RIAS hören konnten. Er hat sich damit
eine Verbreitung von Hetze gegen unseren Staat zuschulden kommen lassen."

Bei der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen der DDR mussten auf der
Skala die DDR-Sender als erlaubte Sender markiert werden, wenn andere gehört
wurden, gab es Strafen und das Gerät konnte eingezogen werden - wissen
bestimmt noch viele der damals Wehrdienstleistenden?!

In unserer Ausstellung im Airpark sind verschiedene Geräte alles Baujahre und
Leistungsklassen (Bilder) zusehen, die damals der (oft auch teure) Traum der
Jugend waren...

www.luftfahrt-technik-museum.de
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10 Kommentare
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Michael Waldow aus Halle (Saale) | 03.02.2013 | 11:41   Melden
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Roland Horn aus Dessau-Roßlau | 03.02.2013 | 12:12   Melden
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Dieter Stier aus Weißenfels | 03.02.2013 | 12:14   Melden
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Gerd Born aus Dessau-Roßlau | 03.02.2013 | 13:55   Melden
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 03.02.2013 | 14:13   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 03.02.2013 | 15:48   Melden
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 03.02.2013 | 16:58   Melden
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 10.02.2013 | 10:58   Melden
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Hans Häcker aus Weißenfels | 24.02.2013 | 14:45   Melden
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 24.02.2013 | 15:13   Melden
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