Ein Parelli Kurs in Bröhsen

Eine Parelli-Assistentin zeigt wie es geht.
 
Janek Vallentin geht auf Augenhöhe
 
So klein und doch noch Pferd. Margit weiß mit Nico umzughen.
Da sitzt nun Mensch aus Halle, genauer gesagt vom Reiterhof Lettin, und anderen Teilen Deutschlands an einem großen Abendbrotstisch und will Pferd verstehen. 5km von Grimma lebt und arbeitet Silke Vallentin, Rollstuhlfahrerin seit einem unverschuldeten Autounfall und Instrukteurin für Parelli. Pat Parelli wiederrum ist ein amerikanischer Pferdeflüsterer, der eine eigen Strategie gefunden hat, die Pferdesprache nicht nur zu verstehen, sondern auch zu vermitteln. Durch besondere Umstände wurde Silke Vallentin von ihm persönlich ausgebildet. So hat sie seine Pferdesicht nicht nur verstanden, sondern auch verinnerlicht. Man kann den sechs Kursteilnehmerinnen, die am Abendbrotstisch sitzen, nicht ansehen, was sie gerade denken und fühlen, aber eine gewisse Anspannung und Unsicherheit herrscht schon. Wer sind die Menschen, mit denen man zu tun bekommt, wie macht sich die Gruppe, wie ist Frau Vallentin? Silke Vallentin indes hat für solche Gedanken keine Zeit, hat sie sich doch zur Aufgabe gemacht Menschen in der Parelli Pferdesprache zu schulen. Die Kurseilnehmer, inzwischen sieben an der Zahl, wissen noch nicht, was sie nicht wissen. Diesen freundlich gemeinten Anfangsleitsatz gibt Silke Vallentin dann auch am Anreisetag in die Runde und das Eis ist zu mindestens angebrochen. So bemerkt man schnell, dass Frau Vallentin nicht nur auf Pferde unvoreingenommen zugeht, sondern auch auf Menschen. Das macht Frau Vallentin schnell zu einer Silke inmitten der Kursteilnehmer, zu mindestens am Abendbrotstisch. Schon bald hat sich jeder mit dieser oder jener Anekdote zu Wort gemeldet und Silke plaudert munter über ihr Leben als Pferdeflüsterin im Einzelnen und der Begegnung mit Pat Parelli im Besonderen.
Am nächsten Tag beginnt der Ernst des Pferde-ABC’s. Die meisten haben ihr eigenes Pferd mitgebracht und auf Koppeln separiert eingestellt, andere brauchen ein Leihpferd. Zur soliden Grundausstattung eines Pferdehalters gehört eine tüchtige Portion Theorie und schon legt Silke im großen Rittersaal los. Zuerst einmal möchte sie wissen, warum die Teilnehmer gekommen sind und was sie sich vorstellen. Da ist der Neugierige, der zwar schon Umgang mit Tieren hatte, aber die reichten ihm nur maximal bis zur Hüfte. Nun hat er einen Pflegevertrag mit zwei riesigen Pferden und möchte erst einmal etwas über sie lernen.
Da ist der Globetrotter, der so manche Auszeit in den Winkeln der Welt hinter sich brachte und nun auf die Idee kam, sich einen Clydesdale zu kaufen, um später mal in seinem Wald Bäume zu rücken. In seiner Gegend nennt man das verrückt.
Da ist die Tierärztin, die ein fast traumatisches Erlebnis mit ihrer Kutsche hatte, wo ihr Pferd durchging und die sich seitdem ein paar ernsthafte Fragen stellt.
Da ist die Fragende, die mit den bisher bekommenden Antworten nicht zufrieden ist, weil sie ihr Shire Horse zwar über alles liebt, aber nicht nur das Objekt Pferd sieht, sondern auch das Wesen des Pferdes kennenlernen und verstehen will. Silke nennt das Horsenality und schwört darauf, dass das Erkennen der Seele Pferd auch ein Schlüssel zum Erfolg ist, gepaart mit den Sieben Spielen (der Laie würde sagen den sieben Lernabschnitten) in den Leveln 1 und 2 der verschiedenen Schwierigkeitsgrade.
Da ist dann auch die behinderte junge Frau im Rollstuhl, die den außerordentlichen Mut hat, sich dem Lehrgang zu stellen. Sie ist zwar klein und kann gerade über den Tisch gucken, aber ihr Wille, die Pferde zu verstehen, ist riesig. Das nötigt dann doch allen Respekt ab.
Da ist dann auch eine Bayerin, die die Beobachterfunktion einnimmt und bei der Simulation von Pferden später eine tragende Rolle hat.
Eine almerfahrene Joggerin hat ebenfalls ihre Träume, aber auch ihre Reiterfahrungen und sucht nach einem Plan, genauso, wie die blonde junge Frau mit den Strähnen im Haar, die nicht so recht weiß, warum ihr Pferd mit ihr ein wenig anders umgeht, als sie es sich vorstellt.
Silke bringt es auf den Punkt: „Ihr habt alle dasselbe Niveau und sucht nach einem Plan im Umgang mit Pferden allgemein, aber auch im speziellen mit eurem Pferd. Das wird meine Aufgabe sein, euch beizubringen, wie ihr mit eurer Energie umgeht und beginnt für das Pferd zu denken.“
Da kommt eine gewaltige Lawine Wissen auf die Teilnehmer zu, ahnen diese zu mindestens.
Schon sind die Teilnehmer mittendrin und der erste Tag besteht aus Theorie mit Pferdesimulationen (zwei Assistenten übernehmen die Rolle des Pferdes als Vorder- und Hinterhand) und Kennenlernen der Basics. Das ist an sich schon viel für den Kopf, weil manchen auch die vielen englischen Begriffe verwirren und so schnell wie sie aufgeschnappt sind, sind sie auch erst einmal wieder vergessen. Doch bevor man sich besinnen kann, geht es auf die Koppel. Jeder schnappt sich sein Pferd und versucht das gelernte umzusetzen. Wohl dem, der ein ausgebildetes Leihpferd hat, das von Silke ausgebildet wurde. Das kostet jeden Kraft. Manche Pferde stehen einfach mal nur da, andere sind zappelig, die Leihpferde kennen alles schon und sind willig und der Clydesdale versteht nur Bahnhof. Doch Silke und ihr Team, Assistent und Sohn Janek und Assistentin Juliette, helfen wo sie nur können, fragen nach Hilfe, demonstrieren auch wie es richtiggemacht wird, geben Hinweise und strahlen ihre positive Energie an Mensch und Tier weiter. Juliette zum Beispiel widmet sich auch mal intensiv dem Shire Horse, dass der jungen Besitzerin immer versucht etwas entgegenzusetzen, sie zu testen, denn sie hat einen sehr starken Charakter, ist aber nie bösartig. Und schon steht die große Shire-Stute mit mehr als 860 kg Gewicht dann auch auf dem Fuß der Besitzerin und die junge Frau muss im Wasser ihren Fuß kühlen. Sie beteuert trotzdem viel gelernt zu haben und weiß, dass es auf den richtigen Abstand ankommt. Silke steuert mit ihrem Rollstuhl immer wieder von einem zum anderen auf dem großen Übungsplatz und trotz zweitem Handicap, einem gebrochenen Fuß, greift sie ein, gibt Hinweise, ermahnt, hilft und zeigt, wie es richtig geht. Nach drei Tagen Training mit den Grundspielen und sogenannten Zweckspielen mit und ohne Hindernis merkt man einigen Kursmitgliedern schon an, wie das Training, gerade wenn es warm wird, schlaucht. Silke Vallentin ist manchmal sehr selbstkritisch, wenn sie meint, die Kursteilnehmer setzen das Gelernte, nicht richtig um, dann arbeitet sie an sich und versucht neue Mittel und Wege zu finden, um das Erklärte noch verständlicher zu machen. Doch neben der Horsenality gibt es auch eine Personality und beides mit einander harmonisch zu verbinden ist die Theorie, die Praxis aber kämpft mit ganz anderen Dingen. Da kommen sich Pferde zu nah, der Kursteilnehmer hat schlichtweg vergessen, was er machen sollte, ein falsches Aufstehen, ein blödes Telefonat, die Technik zwischen Führungsseil und Stick zu wechseln ist noch zu unkoordiniert und die Frustration, wenn Pferd sich immer wieder verweigert, kann auch mal einen Moment demotivierend sein. Aber eigentlich gibt sich Silke auf ihre Unzufriedenheit schon selbst die Antwort, indem sie sagt: Es ist unmöglich in sechs Tagen das zu erreichen, was ich 20 Jahre lernen musste. Den Kursteilnehmern wird klar, dass sie noch unendlich viel Geduld haben müssen und regelmäßig immer wieder mit ihrem Pferd trainieren sollten. Es nur in den Stall zu stellen und reiten zu wollen oder es gar aus menschlicher Sicht erziehen zu wollen, geht irgendwann schief. Silke geht es nicht darum sein Ziel sofort und gleich mit dem Abschluss des Lehrganges zu erreichen, sondern dass jeder seine Technik, sein Handwerk im Umgang mit Pferd trainiert und verfeinert. Hier lacht keiner den anderen aus oder weiß alles besser, hier hilft man sich auch untereinander ohne bissige Kommentare oder Reden hinter der Hand, hier geben sich auch die Anfänger untereinander Tipps, wenn sie eine Idee haben. Die almerfahrene Joggerin bringt es auf den Punkt, als sie sagt: „Bei mir kann ich nicht üben, die lachen mich aus. Hier gibt es keine Überschätzung, hier gibt es Silke Vallentin und ihr Team, die den Anspruch haben, dich zu unterstützen und die durchaus auch deine eigenen Ideen unterstützen und erst korrigieren, wenn es halt nicht so klappt. “ Im Gegenteil, Silke ermuntert die Kursteilnehmer, auch selbst eigene Ideen zu entwickeln, aber nicht das Gelernte zu vergessen. Ich denke, wenn die Pferdebesitzer es lernen, mit einander artgerecht zu kommunizieren, dann haben die Pferde auch ein Stück gewonnen. Und das ist dann unabhängig davon, ob man Parelli oder jemanden anderen als Ideengeber vorzieht.
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