Ein Verein von Vielen - Kleingartenverein "Am Birkhahn" e.V.

Auch in diesem Jahr haben im Stadtverband der Gartenfreunde Halle (Saale) e.V. wieder 27 Kleingartenvereine einen Grund zum Feiern - und das bei 127 Vereinen. So können die Mitglieder der Vereine "Am Thaerviertel I" e.V. und "Am Thaerviertel II" e.V. auf ein 105 jähriges Bestehen zurück blicken.
Zwischen dem "Bund zur Erhaltung und Mehrung der deutschen Volkskraft zu Halle a.S.", dessen Vorsitzender Prof, Dr. Emil Abderhalden war, wurde am 16. Juli 1917 mit dem Pfarrer der Trothaer Kirchgemeinde ein Vertrag zur Pacht von 35.850 m² für 109 Parzellen geschlossen. Dieser Verein, inzwischen Kleingartenverein "Oppiner Straße" e.V. kann auf seine 100-jährige Gründung zurückblicken. Weitere Vereine zwischen 95 und 35 Jahren haben auch Grund auf weitere erfolgreiche Jahre anzustoßen. Darunter sind auch neun Vereine, die in der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1932 gegründet wurden. Es ging darum, Not und Elendund Arbeitslosigkeit zu überbrücken. In diesem Zusammenhang fanden in der damaligen Gemeinde Diemitz vor allem Arbeiter der Deutschen Reichsbahn zueinander, um ihre Lebenslage zu verbessern. Sie nutzten aber nicht wie andere Kleingartenanlagen Brachland der Bahn, sondern pachteten Land von den Franckeschen Stiftungen. Nach der Vereinsgründung in der "Deutschen Eiche" legten sie auf 63.399 m² Fläche 144 Parzellen an, die auch sofort vergeben waren. Die Pacht betrug 1,6 RPfg/m². Man nannte sich "Kleingartenverein Diemitz" e.V. mit Gründungsdatum 24. Mai 1932. Auch ein Kinderspielplatz wurde gleichzeitig mit vaufgebaut. 1936 errichteten die Mitglieder einen Unterkunfts- und Geräteraum für dsie Ableistung der Pflichtstunden.
In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war es Pflicht für jeden Pächter, Nachtwache zu schieben, um Diebstählen vorzubeugen. Denn die Zeit war hart und die Versorgungslage angespannt.
Wasser wurde aus gebohrten Brunnen für die Pflanzen geholt. Beleuchtung war nur mittels Stearinkerzen möglich.
Am 3. August 1959 wurde der vom Verein gestellte Antrag zum Bau eines Kulturgebäudes - Diemitz wurde 1950 nach Halle eingemeindet - genehmigt. So konnte das Vereinshaus gebaut werden. Parallel dazu erfolgten die Verlegung einer Wasserleitung und es wurde elektrifiziert. Damit war die Kerzenidylle und das Wasserholen aus dem Brunnen passee.
Auch wenn die Zahl der Pächter mit eigenen Auto - es waren Trabant, Wartburg, Skoda, Dacia und Shiguli - noch gering war, so nahm, sie doch schon langsam zu. Also mussten Parkmöglichkeiten geschaffen werden. Der Verein konnte ein Areal an der Gartenanlage pachten und damit 59 Parkplätze zur Verfügung stellen.
Bis zur Wende gab es keine Probleme mit der Bewirtschaftung der Parzellen. So übernahmen die Kinder oder Enkelkinder von den Eltern bzw. Großeltern oder nahen Verwandten die Parzelle - verbunden mit Modernisierung. Die Lauben der Gründerzeit verschwanden und machten Fertigteilauben bzw. Steinbauten Platz. Auch das Spartenheim wurde bewirtschaftet. Außer von von Mitgliedern der Sparte wurde es von Anwohnern aus Diemitz bzw. dem nahegelegenen Gebiet Frohe Zukunft genutzt - die jetzige B 100 gab es noch nicht. Auch vom benachbarten Internat der TH Merseburg und später der Martin-Luther-Universität kamen die Studenten, um sich ein Bier oder ein Schnäpschen schmecken zu lassen - das "Helle" für 40 und ein "Pils" für 51 Pfennige.
Mit dem Bau der B 100 und der Aufgabe des Internatsging der Umsatz der Gaststätte zurück und eine Bewirtschaftung wurde unwirtschaftlich - eine Tendenz, unter der inzwischen viele Kleingartenanlagen leiden.
Auch hat sich seit 1990 die Bedeutung des Kleingartens für viele Pächter verändert - aus dem Nutzgarten wurde und wird ein Erholungsgarten. War man zu DDR-Zeiten auf die Erzeugung von Obst und Gemüse - sie es für den Eigenbedarf oder auch für den subventionierten Verkauf an Handelseinrichtungen - angewiesen, sucht man heute neben einer angemessenen Bewirtschaftung als Kleingarten Ruhe und Entspannung.
Auch die Zugangsbedingungen zu dieser Kleingartenanlage werden sich ändern.
Musste man, bedingt durch den Zug- und Rangierbetrieb, bisher viel Zeit zum Überqueren der Gleisanlagen einplanen, ist mit dem Bau der ICE-Verbindung bald kein Überqueren der Gleise mehr möglich. Geplant ist für Fahrradfahrer, Rollstuhlfahrer und Fußgänger ein Personentunnel am Birkhahnweg; um die Anfahrt mit dem Fahrzeug zu ermöglichen, wird eine Brücke über die B 100 aus Ricxhtung Frohe Zukun ft gebaut.
Die Festveranstaltung zum Vereinsjubiläum findet am 10. Juni cstatt. Natürlich begeht man diesen Tag mit einem zünftigen Kin der- und Gartenfest. Auch Gäste sind an diesem Tag willkommen. Vielleicht hat dieser oder jener Besucher Interesse an einer grünen Oase von ca. 400 m². Einige davon warten auf neue Pächter.
Ein Problem, welches kaum ein Vereinsvorstand bis 1989 kannte, greift immer mehr um sich - einen Kleingarten pachten und die fälligen Beiträge nicht bezahlen. Inzwischen klagen immer mehr Vereine vor Gerichten, um ausstehende Zahlungen zu erhalten.

Übrigens:

wer sich für eine grüne Oase in einer unserer Kleingartenanlagen interessiert, wird unter "sv-gartenfreunde-halle.de" fündig. Dort kann man sich auch die komplette Übersicht der Vereinsjubiläen ansehen.
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