Ellen Rappus (DDR-Opfer-Hilfe) Gast bei Symposium über DDR

Ellen Rappus von der DDR-Opfer-Hilfe e.V. sprach auf Einladung der Universität Eichstätt auf einem Podium über die DDR. Sie wies darahf hin, dass viele ehemaligen politisch Verfolgten noch immer um ihre Rehabilitierung kämpfen.
Auf einem Symposium im bayerischen Eichstätt hat der DDR-Opfer-Hilfe e.V. am Abend auf die Schicksale ehemals politisch Verfolgter der SED-Diktatur aufmerksam gemacht. Viele dieser Menschen müssten noch immer um ihre Rehabilitierung kämpfen, sagte Ellen Rappus vom Vereinsvorstand vor rund 200 Studierenden und Einwohnern der Stadt. Rappus, die eine bekannte Schauspielerin ist, schilderte ihre jahrelange Verfolgung nach einem Ausreiseantrag in der DDR. Sie sei Zersetzungsmaßnahmen ausgesetzt und beruflich kaltgestellt worden. Heute kämpfe sie um Wiedergutmachung. Das sei oft für die Betroffenen schwierig, ergänzte der Politikwissenschaftler und Journalist Ronald Lässig, der ehrenamtlich den Bund der stalinistisch Verfolgten, Landesverband Sachsen e.V. leitet. Er war im Dezember 1989 als Jugendlicher in einem Bürgerkomitee engagiert, das erstmals Zugang zur Stasi-Zentrale erzwungen hatte. Lässig mahnte zugleich, DDR-Biografien müssten differenziert betrachtet werden. Der Thüringer Landesvorsitzende der Linken Knut Korschewsky distanzierte sich von Repressalien der DDR gegenüber Andersdenkenden, lobte aber deren Sozialpolitik als beispielgebend. Der ehemalige politische Häftling Hans-Peter Schudt von der UOKG vertrat die Ansicht, dass sich das Modell des Sozialismus als gescheitert erwiesen habe. Bei der Aufarbeitung komme es darauf an, das System nicht auf die Stasi zu reduzieren. Marcus Ventzke und Sabine Lindau als ehemalige DDR-Bürger schilderten, wie sie das System damals erlebten. Während Ventzke sich erleichtert zeigte, dass er heute im Westen sei, bezeichnete Lindau die DDR als vor allem eines: Heimat.Studenten der Katholischen Universität hatten das Symposium organisiert. Sie hatten sich in einem Seminar zusammen mit Dozent Markus Raasch vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit der Gesellschafts- und Alltagsgeschichte der DDR befasst. "Zwischen Sandmännchen und Stasi. Was bleibt, was darf nicht, was soll von der DDR bleiben" war das Motto. Es wurden unter anderem Umfragen zum Thema "Eichstätt und die DDR" präsentiert. Die Ergebnisse waren kontrovers. Sie offenbarten, dass offenbar nicht wenige Menschen heute eine Gerechtigkeitslücke wahrnehmen und sich deshalb nach der vermeintlich sozialen Sicherheit der DDR sehnen. Nach einer kontroversen, aber sachlichen Diskussionsrunde zwischen Podium und Publikum zur DDR-Geschichte zeigten sich die Veranstalter hoch zufrieden. Das Fazit war: An den Bildungseinrichtungen sollte viel öfter über die DDR-Diktatur gesprochen werden, als Mahnung, dass unsere heutige Demokratie und Freiheit immer wieder neu verteidigt werden muss.
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