foodsharing: Mehr als nur Lebensmittel retten?

Halle (Saale): Marktplatz | Wie aufmerksame Leser der von mir betriebenen Blogs wissen, beschäftige ich mich momentan vor allen Dingen mit foodsharing und allem, was dazu gehört. Doch was gehört eigentlich dazu? Fasst mensch foodsharing lediglich als politischen Begriff auf, so ist natürlich erstmal die Organisation foodsharing e.V. gemeint. Fasst mensch den Begriff etwas weiter, so muss das in den Fokus genommmen werden, was foodsharing propagiert, nämlich der aktive Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung. Bei foodsharing ist es so, dass bereits produzierte Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet werden. An und für sich natürlich ein super Ansatz, doch frage ich mich, ob mensch da nicht schon früher ansetzen könnte und auch sollte.

Kann foodsharing mehr?

Wie oben bereits erwähnt, so ist das Retten von Lebensmitteln z.B. über die Plattform foodsharing.de oder auch über die diversen lokalen facebook-Gruppen, die es mittlerweile gibt, sicherlich ein erster richtiger Ansatz um ein starkes Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen. Doch könnte mensch nicht schon vorher etwas tun?

JA. Es liegt auf der Hand, dass jeder Mensch zunächst sein eigenes Einkaufs- und Konsumverhalten überprüfen kann. Vielleicht nicht alle, aber viele Menschen werden sich dann Tatsachen gegenübersehen, die ihnen bei genauerem Nachdenken ein schlechtes Gewissen bereiten. Doch auch die Verbesserung des Konsumverhaltens des einzelnen Menschen stößt irgendwann an die Grenzen des Machbaren, wenn mensch sich nicht in größeren Einheiten organisiert. Abgesehen davon seine Mahlzeiten besser zu planen, gibt es viele weitere Möglichkeiten, einerseits weniger zu verschwenden und damit weniger Ressourcen zu verbrauchen und gleichzeitig auch noch Spaß dabei zu haben.

Beispiele hierfür gibt es zahlreiche: gemeinsames Einkaufen (so können Produkte, die nur in größeren Mengen erhältlich sind, gleich aufgeteilt werden), gemeinsames Kochen (z.B. Restekochen) oder sogar gemeinsamer Anbau von bestimmten Lebensmitteln. Sicher, teilweise ist das zeitaufwendig und kostet manches Mal Nerven. Genau deswegen möchte ich mit diesem Artikel ja auch nicht missionieren, sondern lediglich aufzeigen, welche Möglichkeiten es gibt, um foodsharing in einem größeren Rahmen zu betreiben, denn das ist sehr wohl möglich.

Zugegeben, ich befinde mich selber noch in der Ausprobierphase und habe von daher noch keine allzu großen Erfahrungen, jedoch habe ich im Rahmen meines Engagements für foodsharing Halle schon Einiges dazulernen können. Zum Beispiel weiss ich jetzt, dass es tatsächlich auf positive Resonanz stößt, wenn mensch im Rahmen von Parties zur Resteverkostung einlädt. Diese wertvolle Erfahrung konnte unsere hallesche foodsharing-Gruppe im November 2013 im Rahmen der foodsharing-Party in der Goldenen Rose machen, wie Ihr hier sehen könnt: http://foodsharinghalle.wordpress.com/2013/11/28/b...

Anhand von Erfahrungen wie dieser kann mensch dann auch sehen, dass foodsharing sich eben auch auf das zwischenmenschliche Zusammenleben positiv auswirkt. Wenn mensch genauer drüber nachdenkt, fällt einem auch auf, dass die Grundidee des foodsharing schon viel älter ist als das eigentliche Projekt. Für die allerjüngsten unter Euch: fragt doch mal Oma und Opa, ob die damals auch für nur einen Teelöffel Salz zum nächsten Markt gingen um dort eine ganze Packung zu kaufen. Sicher, die Zeiten in denen der nachbarschaftliche (Aus-)Tausch von Lebensmitteln in Massen betrieben wurde, sind vorbei und wir können sie nicht so einfach wiederbeleben. Das muss und sollte auch gar nicht das Ziel sein, denn wir haben heute andere Mittel und Möglichkeiten, viel weitreichendere Solidarnetze zu schaffen und auszubauen. Es ist immer schön, wenn mensch damit in der unmittelbaren Nachbarschaft anfängt, aber in Zeiten der Globalisierung kann und muss unser Blick weiter gefasst sein.

Ja, foodsharing kann mehr!

Im Großen und Ganzen habe ich es weiter oben bereits erklärt: Ja, foodsharing kann mehr. Wir können foodsharing nicht nur dazu nutzen, um uns gegen Lebensmittelverschwendung zu engagieren, sondern wir können es auch als Hilfe für den Aufbau neuer Formen des Zusammenlebens nutzen.

Eine Gesellschaft, in der das Teilen viel mehr wert ist als der Besitz käme letztendlich sowohl Mutter Erde als auch der gesamten Menschheit zu Gute.

Natürlich sind wir davon noch weit entfernt, aber die ersten Schritte sind bereits getan, jetzt müssen wir den Weg weitergehen. Um den Traum von einer auf Teilen beruhenden Gesellschaft zu verwirklichen, ist es wichtig, dass wir mit vereinten Kräften Bewusstsein wecken, damit immer mehr Menschen erfahren, dass es andere Möglichkeiten des Zusammenlebens und des Umgangs mit unserem Planeten gibt. Menschen, die sich bereits für foodsharing engagieren, sollten versuchen, sich noch enger zu vernetzen als das ohnehin schon der Fall ist. Es gibt tausende verschiedene Mittel und Möglichkeiten, das Projekt voranzutreiben, und wenn wir uns untereinander austauschen, so können wir gemeinsam einen großen Ideen-Topf kreieren, aus welchem sich dann alle jederzeit bedienen können.

Je schneller wir damit anfangen, desto eher leben wir in einer Gesellschaft, in der es ein Projekt wie foodsharing gar nicht mehr braucht.
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3 Kommentare
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Yvonne Rollert aus Halle (Saale) | 08.02.2014 | 08:40   Melden
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Yvonne Rollert aus Halle (Saale) | 08.02.2014 | 09:13   Melden
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Tony Grainer aus Grillenberg | 10.09.2015 | 13:43   Melden
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