Seltsame Gestalten auf der Moritzburg!?

Warten vor der Burg
 
Betlin und Ketlin

Da schaute das kleine Kind doch ein wenig verwundert drein, als es die merkwürdige Schar Menschen auf sich zukommen sah. Einige andere Passanten wiederrum blickten amüsiert und zückten sofort die Kamera. Es war ein ungewöhnlicher Anblick, der ihnen begegnete.

Da gab es einen Mann, groß wie ein Berg, in rotem Umhang und blauer Tunika, die bis zur Erde reichte und einer seltsamen Kopfbedeckung, die einem zu klein geratenen Turban ähnelte. Dann der andere Mann, kräftig, mit riesigem schwarzen Hut und schwarzer, zu den Waden immer enger werdenden Hose. Auch Frauen in komischer Kleidung kamen schnatternd daher mit Kopfbedeckungen, die man zu diesen Zeiten noch nicht gesehen hatte. Dazwischen wuselten zwei Kinder herum, die eine in einer Art Tavernenkleid, die andere mit Salzsäckchen am roten Rock und einer Schürze. Aufmerksame Beobachter konnten darauf entziffern: Hansemagd Ketlin. Die ganze Schar wurde dirigiert von einem dicken Mann in einer zu weiten braunen Hose, einem fellbesetzten Mantel und einer Mütze, die sich bei Wind wie eine Bäckermütze aufblähte. Irgendjemand sah sich dann doch genötigt mal nachzufragen, wer denn die seltsamen Gestalten seien und was sie hier wohl veranstalten würden auf der Moritzburg, einem so geschichtsträchtigen Ort.

„Geschichte und Geschichten machen wir.“, sagte der dicke Mann zweideutig und reichte eine Visitenkarte, auf der 10 Jahre Hansefest im Jahre 2018 stand. Kurz machte er für seine Truppe noch eine kurze Anweisung und gab dann die erwartete Erklärung:
Er sei Erasmus von Halberstadt, der Hansekaufmann, der vor 500 Jahren, genauer um 1478, in Halle wirkte. Die Truppe gehört eigentlich zum Hallischen Hanseverein e.V., dessen Theatergruppe Quinta-X-Essentia genau hier ein Fotoshooting veranstalten will. Das Ganze wird für eine Folge von Geschichtsheftchen gemacht, die schlussendlich als eine Art Comic, die Geschichte der Stadt Halle vor, während und nach der Hanse vermitteln soll. Das erklärt auch den Ort des Shootings, die Moritzburg, die es 1478 noch gar nicht gab. Erasmus und seine kleine Freundin, die Hansemagd Ketlin, machen eine Zeitreise durch das alte Halle. Ob Hallmarkt, Dom, heutiger Markt, Waisenhausmauer und einiges mehr, besuchen sie historische Orte und lassen sie ein wenig in der Vergangenheit aufleben.

Sprach‘s und ward schon wieder mit Anweisungen beschäftigt. „Sandy nach links, Feli, Kerstin nach rechts. Feli verkauft euch Rosen, Volker und Renate in die Mitte, die anderen, Sylvia, Beatrix, Elvira drumherum verteilen und Sophie als Hansemagd nach vorn, kurz dahinter läuft Romy. Christian, du stehst hinter Sandy, nein, ein Stück nach links, noch, noch, zu viel, nach rechts. Stopp. Alles so bleiben und Action!“. Schon standen benannte Personen artig in Position und die Kamera klickte.

Übrigens, bis 2018 sollen so acht Geschichtscomic-Heftchen fertig sein, wobei eines gerade fertiggestellt wurde und die Geschichte und die Sagen der Burg Giebichenstein erzählt.

Wer Geduld hatte, konnte die Truppe einmal ums Carré sich aufstellen sehen und artig auf das Klicken der Kamera warten, trotz unangenehmen Wetters. Das kleine Kind fand indessen Gefallen an dem Treiben und klatschte in die Hände, bevor es weitermusste. Andere Passanten hätten sich am liebsten selbst eine Gewandung, so nennt man die „seltsamen Sachen“, angezogen und auch mitgemacht. So war der Spaß der „seltsamen Gestalten“ ununhörbar, wurde doch viel gelacht und geschnattert, wie im heutigen Leben auch. Und hinter den Bildern steckt eine Geschichte. Welche? Das bleibt freilich noch das Geheimnis des Fotografen, der auch Autor der Comics ist.
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