Sommerfahrt mit Dampfeisbrecher Stettin

Schornstein der Stettin Dampfpfeife wird eingesetzt
 
Blick von der Cap San Diego auf die "Elfi"

Marineverein Halle Saale besucht Hansestadt Hamburg
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Eine Woche nach den Krawallen zum G 20 Gipfel haben wir von den Zerstörungen nichts mehr wahrgenommen.
Gleich am Anreisetag gab es eine sehr interessante Führung über den weltgrößten, noch fahrtüchtigen Museumsfrachter die "Cap San Diego. Ein Schnellfrachter aus dem Jahre 1962.

Der eigentliche Höhepunkt der Fahrt nach Hamburg war jedoch ein Törn mit der "Stettin".

Die "Stettin" ist ein kohlebefeuerter Dampfeisbrecher, der bereits 1933 von den Oderwerken in Stettin gebaut wurde und inzwischen den Status eines technischen Kulturdenkmales hat..
Am Folgetag ging es also an Bord der "Stettin".
Vom Liegeplatz im Museumshafen Oevelgönne Hamburg ging die Route über die Elbe zur Schleuse Brunsbüttel in den Nord-Ostsee-Kanal mit Ziel Rendsburg.

Schon das Ablegemanöver von der Pier im Museumshafen war faszinierend. Es gab kein übliches rütteln und vibrieren des Schiffskörpers. Das Schiff bewegte sich fast geräuschlos von der Pier weg. Wir fahren mit Dampf!
Um immer genügend Dampf erzeugen zu können, wurde auch an Oberdeck Steinkohle gebunkert.
Das ca. 52m lange und 1.156 Tonnen schwere Schiff gleitet fast über das Wasser.
Von der Besatzung, die sich ausschließlich aus ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern zusammensetzt, wurden wir herzlich an Bord empfangen.
Wir durften uns frei an Bord bewegen. Die vielen Fragen wurden oft in Einzelgesprächen beantwortet.
Nicht allein das sehr gepflegt wirkende Schiff mit seinen insgesamt 15 Dampfmaschinen übt eine Faszination auf uns aus. Es sind vor allem die Menschen, die dafür Sorge tragen, dass dieses Stück Geschichte erhalten bleibt.
Da gibt es eine Frau (es waren mehrere weibliche Besatzungsmitglieder an Bord) die im normalen Leben in einer Bank arbeitet und es für völlig normal hält einen "Blaumann" anzuziehen, um im heißen Maschinenraum den Fahrstand zu besetzen.
Auf die Frage weshalb sie sich das antut kam sofort die Antwort, dass der Zusammenhalt hier an Bord einmalig ist. Alle sind per Du und trotzdem werden Anordnungen des Kapitäns, Chiefs und Bootsmanns sofort ohne wenn und aber ausgeführt. Außerdem ist diese Tätigkeit sehr interessant und ein satter Ausgleich für die Büroarbeit.
Die Vereinsmitglieder, egal ob aktiv oder nicht, kommen aus ganz Deutschland und den umliegenden Ländern.
Da ist es schon sehr realistisch dass ein Arzt und Rechtsanwalt die Schaufel zur Hand nehmen und das Feuerloch mit Kohle beschicken. Da wird pro Stunde ca. eine Tonne Kohle bewegt. Dass alles bei großer Hitze und ohne Bezahlung.
Man merkt sofort, dass hier sehr viel Herzblut im Spiel ist.

Da das Wetter nicht hätte besser sein können, verbrachten wir die meiste Zeit an Oberdeck.
Oft wurde zur Begrüßung anderer Schiffe oder Vereinsmitglieder an Land die Dampfpfeife mit ihrem satten Ton nach vorheriger Ankündigung betätigt. In der Regel 3x lang. Sie wurde aber auch des öfteren verwendet um Sportbooten zu zeigen, dass diese sich gerade falsch verhalten.
Es gab viel zu sehen. Schiffe aller Art und ein sattes grün an Land.
Kurz vor dem Ziel mussten wir in einer sogenannten Weiche die AIDA Cara (Baujahr 1996 passieren lassen. Auch hier wurde die Dampfpfeife verwendet.
Die AIDA grüßte 3xlang zurück.
Aber auch Vereine die Traditionsschiffe betreiben haben große Sorgen und es brauen sich dunkle Wolken über ihnen zusammen.
Grund dafür sind u. a. neue Sicherheitsrichtlinien. Viele Schiffe müssten aufwendig und teuer umgebaut werden., was die Vereine finanziell nicht stemmen können.
Hinzu kommt dass die Besatzungsmitglieder ähnliche Qualifikationen nahweisen sollen, wie es in der Berufsschifffahrt gefordert wird.
Damit wäre für die meisten Schiffe dieser Art das Aus besiegelt.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Protest der Vereine beim Verkehrsminister Dobrindt angekommen ist und dazu beiträgt die ganze Sache zu entschärfen.
Hier geht es ja um Denkmäler, die für nachfolgende Generationen erhalten bleiben sollen.
Selbstverständlich spielt auch die Sicherheit eine wesentliche Rolle, aber bitte mit Augenmaß!

Am Ende der Reise muss man sagen unbedingt nachmachen. Viele nette Leute kennengelernt und der Erholungseffekt blieb auch nicht auf der Strecke.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 16.08.2017
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