✎ Oft liegt das Ziel nicht am Ende des Weges, sondern irgendwo an seinem Rand. ♆

  Wenn man bei schönstem Wetter entspannt und gelassen seinem Ziel entgegen fährt und wegen der eigenen guten Streckenkenntnis das Navi zu Hause gelassen hat, kann man so manche Überraschung erleben!

Besonders dann, wenn man durch Absperrungen wegen Bauarbeiten gezwungen wird, vom wohlbekannten Wege abkommen zu müssen. Sind dann auch noch Umleitungen schlecht oder teilweise gar nicht ausgeschildert, wird es besonders spannend und lässt nicht nur den Blutdruck ansteigen, auch gut archiviert geglaubtes Vokabular wird von den kleinen grauen Zellen schnell wieder entstaubt und in den Gehirnkasten geschmissen. So kann sich ein geplanter kleiner Ausflug schnell zu einem nervigen Kopfsteinpflasterundschlaglocheinbahnstraßenundsackgassentrip entwickeln.

Rudimentäre Zeitzeugen

Wer sein Ziel aber ohne diese unübertrefflichen Erlebnisse erreicht, der hat dann etwas verpasst. Zum Beispiel die Rudimente einer Schleusentreppe im kleinen Ort Wüsteneutzsch. Verborgen im frischen Grün von Buschwerk und zahlreichen, längst hoch gewachsenen Bäumen und Sträuchern, erheben sich mächtige Betonwände. Sie künden vom ehemligen Bau des Südflügels des Mittellandkanals (einschließlich Saale-Elster-Kanal), der bereits am 26. Juli 1926 per Staatsvertrag beschlossen wurde.

Angebliches Schiffshebewerk

In Erzählungen älterer Leute wird von einem Schiffshebewerk gesprochen, welches baugleich mit dem Schiffshebewerk in Magdeburg-Rothensee errichtet werden sollte. Aber man entschied sich aus wirtschaftlichen Gründen schließlich für den Bau einer Schleusentreppe, mit dem im Jahr 1933 begonnen wurde. Das Projektziel „Saale-Elster-Kanal“ war die Wasserstraßenverbindung der Städte Halle und Leipzig, durch die man über Schiffsverbindungen an die Elbe und damit an Hamburg und die Nordsee verfügt hätte. Der Kanal war für Schiffe bis 1000 Tonnen geplant.

Mit Beginn des zweiten Weltkrieges ging es mit dem Bau nur schleppend voran und spätestens nach der Eröffnungsfeier des Mittellandkanals und dem Schiffshebewerk in Magedeburg-Rothensee war klar, dass es nie zu einer Fertigstellung des sogenannten Südflügels kommen würde. Im Jahr 1943 stellte man alle Arbeiten bei Wüsteneutzsch ein, da sie nicht kriegswichtig waren.

Eine Vision

Die Fertigstellung des „Saale-Elster-Kanal“ wurde aber nie aus den Augen verloren. Mit dieser Idee beschäftigt sich heute ein Förderverein. Sie halten an der Vision von einem einzigartigen Bauwerk in der mitteldeutschen Region fest, da es sie nachhaltig fördern und aufwerten würde. Die Realisierung solch eines spektakulären Vorhabens würde zahlreiche Besucher aus ganz Deutschland und aus dem Ausland in unsere Region bringen. Denn verkehrstechnisch ist der Raum Halle-Merseburg-Leipzig bestens erschlossen. Es gibt drei Autobahnen, einen großen Flughafen, sehr gute Eisenbahnverbindungen und die Saale als Zubringerfluss.

Wird es irgendwann doch noch eine Vollendung des Vorhabens Saale-Elster-Kanal geben? Die LVZ berichtete im Mai 2016 darüber.

Werden in der Zukunft, östlich der Industrieanlagen von Leuna, Frachtschiffe und Wassertouristen von der Messestadt Leipzig, weit in Richtung Sachsen-Anhalt fahren können?

Denn oft liegt das Ziel nicht am Ende des Weges, sondern irgendwo an seinem Rand und Visionen geben der Zukunft ein Gesicht.


Quelle: Im Text eingefügte Links/Titel: Zitat von Ludwig Strauss/1892-1953/dt.-isr. Schriftsteller
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6 Kommentare
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Lothar Teschner aus Merseburg | 08.05.2017 | 11:20   Melden
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Monika Habermann aus Halle (Saale) | 08.05.2017 | 15:12   Melden
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Ralf Springer aus Aschersleben | 08.05.2017 | 15:41   Melden
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Monika Habermann aus Halle (Saale) | 08.05.2017 | 18:33   Melden
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Waltraud Eilers aus Naumburg (Saale) | 09.05.2017 | 16:54   Melden
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Monika Habermann aus Halle (Saale) | 09.05.2017 | 19:02   Melden
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