Haus ohne Hüter

Früher einladend - Bild 1
 
heute vernagelt - Bild 2
Leo f. Bürgerreporter-Text+Bild.docx
Haus ohne Hüter
Das vergessene, heruntergekommene Einkaufszentrum LEO ist ein Ensemble mit für unsere Region ungewöhnlicher architektonischer Qualität. Die „Lettiner Einkaufs-Oase“ befindet sich anders als der Name vermuten lässt in Heide-Nord, im II. WK, in dem geografisch westlichsten Stadtteil, wo eine große Zahl von Plattenbauten abgerissen wurde. LEO verlor Kundschaft und musste vor gut zwei Jahren schließen. Der Eigentümer wandte sich ab, unterließ es, die Häuser zu sichern und ging schließlich in Insolvenz. LEO wurde die bequeme Beute von Vandalen und kleinkriminellen Schrottsammlern. Türen wurden aufgebrochen und Schaufenster zertrümmert, um die Sore leichter abzutransportieren. Rechtsfreier Raum; der Rechtsstaat schaute lange weg ….


Früher einladend heute vernagelt


Trivial-Lösung: Abriss?
Heute sind die Absperrungen zwar endlich ertüchtigt, aber es ist auch kaum noch etwas zu holen. LEO bietet außen und innen ein Bild des Jammers. Und schon melden sich Stimmen, die das Objekt abreißen wollen: „Es regnet durchs Dach; die Ladenlokale sind zu kleinteilig ….“
(Für den bautechnisch Interessierten: Die Gebäude sind eine Stahlbeton-Skeletkonstruktion, bei der man Zwischenwände nahezu beliebig anordnen, also auch entfernen kann.)

Die drei Flügel von LEO stehen etwa T-förmig zueinander, mit Passagen verbunden. Letztere sind überdacht, teilweise in einer Schmetterlingsform, die in einer westdeutschen Großstadt einen Architekturpreis gewonnen hat. Wo findet man die edlen, gelb verklinkerten Fassaden noch einmal in Halle? Richtig, am Krankenhaus Bergmannstrost!


Die einmaligen Dächer über den Passagen


Am Westende von LEO erhebt sich ein zweigeschossiger Rundbau, der Panorama-Treff – auch der geschlossen, aber wenigstens nicht so augenfällig ramponiert.


Der stolze Kopf des Löwen: LEO-Treff am Westausgang von LEO


Hat LEO Freunde?
Wer Augen hat zu sehen, erkennt hinter all den mutwillig angerichteten Schäden doch das Potential dieses Ensembles. Sobald die benachbarten Freiflächen wieder bebaut werden, und sie schreien geradezu nach Bebauung mit ihrer hervorragenden landschaftlichen Lage mit Blick zum Saaletal, den Brachwitzer Alpen und zum Petersberg, wird auch eine LEO wieder gebraucht. Und was würde denn neu entstehen, wenn die alte LEO abgetragen wäre? Architektur zum Weinen, wie man sie zuhauf bei Verkaufseinrichtungen sieht!


Heide Nord wartet auf Wiederbebauung

Der „Tag der Architektur“ in Halle im Juni zeigte überdeutlich, wie dünn vorzeigbare Objekte im halleschen öffentlichen Raum gesät sind. LEO könnte eines davon sein, wenn sich die gegenwärtige Gleichgültigkeit in eine konstruktive Haltung wendete.
Die Bürger, mit denen ich vor Ort gesprochen habe, sehen das so. Es gibt aber auch eine Abrissfraktion in der Stadtverwaltung mit festgefügten Vorurteilen. sie will LEO durch eine Wohnbebauung ersetzt sehen und verliert ein dann erst recht notwendiges Einkaufzentrum aus dem Blick.

Der Zweite WK hat Potential
Übrigens, der kleine Stadtteil Heide-Nord II besitzt Schulen und Gewerbebetriebe, die Verkehrsanbindung per BUS ist bequem und besser als in anderen Randlagen der Stadt. Es gibt viele junge Leute, Studenten zumeist.
Das große bebauungsfähige Areal nördlich von LEO verfügt über die Straßen und Unterflursysteme aus der früheren, dichteren Bebauung, ist also perfekt erschlossen, was bei Neubebauung erheblich Kosten spart. Höherwertige Wohnungen in landschaftlich attraktiver Lage werden zunehmend nachgefragt –


Beispiel: Heide-Süd-Gneisenau/Schrader-Straße

Schritt in die Zukunft.
Die halleschen Wohnungsbaugesellschaften sollten sich die Gegend einmal gründlich ansehen! LEO abzureißen hieße, die Zerstörungswut der Vandalen zu legitimieren. LEO zu erhalten, ist ein Schritt in die Zukunft.

3 Seiten DIN A4
509 Wörter 1,63 MB
05.11.2017 ust
Ulrich Steinweg
an MZ Portal Bürgerreporter
am 05.11.2017
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 14.11.2017
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