Vor 30 Jahren....

  Gestern vor 30 Jahren, also am 12.Februar 1984, gab es einen besonderen Höhepunkt für unsere Selketalbahn, es fuhr nämlich seit 1946 erstmals wieder ein Zug von Nordhausen nach Silberhütte. Dazu ein Rückblick in die Historie der ältesten Schmalspurbahn des Harzes.
Nach Kriegsende kam es aus Reparationsgründen zur vollständigen Demontage der Bahnanlage zwischen Gernrode, Harzgerode und Stiege, der bald darauf ein mühseliger Wiederaufbau erfolgte, um den immensen Transportbedarf der sich unter schwersten Bedingungen wieder gestaltenden Industrie und Wirtschaft nach dem Krieg im Unterharz abzusichern. Die Genehmigung wurde wohl auch deswegen erteilt, weil Flußspat, damals in Straßberg gefördert, auch ein begehrliches Reparationsgut war.
So war man in der Lage 1949 wieder von Straßberg nach Gernrode zu fahren und im Somer 1950 war auch der Zugverkehr nach Harzgerode wieder möglich. Hier gab es eine Anzahl von Betrieben, die ohne die Eisenbahn kaum eine Überlebenschance gehabt hätten. Der Abschnitt Straßberg-Stiege wurde wegen zu geringen Verkehrsaufkommens zunächst nicht wieder aufgebaut. Somit gab es auch keine Verbindung mehr zur Harquer- und Brockenbahn, die ja schon im Jahr 1905 zwischen Stiege und Eisfelder Talmühle erstellt war.
Anfang der 80ger Jahre gab es für die mühselige Entwicklung der Wirtschaft in der DDR wiederum einen bösartigen Rückschlag, als nämlich durch eine plötzliche Umgestaltung der Preise die Erdölimporte stark eingeschränkt werden mußten. Das führte zwangsläufig dazu, daß es immense Kraftstoffeinschränkungen gab und überall Sparmaßnahmen wirksam werden mußten. Die Wärmeversorgung konnte nur noch auf Braunkohlebasis abgesichert werden. So entstand in diesem Zusammenhang in Silberhütte ein großes Braunkohleheizwerk für die Wärmeversorgung der anliegenden Betriebe in Silberhütte und Ferienheime in Alexisbad. Der tägliche Kohlebedarf von ca. 170 bis 200 Tonnen konnte nur mit der Eisenbahn transportiert werden und zwar ohne Umladung schmalspurige Güterwagen, wie es nach wie vor von Gernrode aus geschah. Dazu kam nur die Wiederinbetriebnahme der ehemals schon bestandenen Linie zwischen Straßberg und Stiege wieder in Frage. Dazu mußten umfangreiche Vorbereitungen getroffen werden, wie eine völlig neue Trassierung der Strecke und Neuerstellung des kompletten Bahndammes. Nach Abschluß der Arbeiten konnte schließlich der neue Abschnitt in Betrieb genommen werden und am 12. Februar 1984 erreichte der erste planmäßige Rollwagen-Güterzug mit Braunkohle das Heizwerk in Silberhütte. Später, am 3. Juni 1984, wurde auch der Personenverkehr wieder aufgenommen.
Abschließend sei darauf hingewiesen, daß wir aus der Not heraus wieder zu einer Verbindung mit der Harzquer-und Brockenbahn gekommen sind. Eine Fahrt zum Brocken war allerdings damals noch nicht denkbar. Somit war auch eine Basis geschaffen für die Weitererhaltung der Selketalbahn nach 1989, die inzwischen mit der Harzquer-und Brockenbahn als Harzer Schmalspurbahnen GmbH für die weitere touristische Entwicklung im Harz nicht mehr wegzudenken ist, noch auch dazu mit der Streckenerweiterung nach Quedlinburg im Jahr 2006. Abschließend sei darauf hingewiesen, daß der Harz nunmehr über das längste zusammenhängende Schmalspurbahnennetz in Europa verfügt, mit einer Streckenlänge von 140 km in der Spurweite 1000 mm.
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