Die Torte ist angerichtet

Lutherstadt Eisleben: Markt |

Hommage an Udo


Nicht einmal eine Woche ist noch Zeit, die Torte mit den vielen, 70, Kerzen zu verzieren, dann wird ein Rockstar, Dichter und Kunstmaler, welcher seit 50 Jahren auf den Bühnen steht, sein Mikrofon wie ein Lasso schwingend, siebzig Jahre alt.
Er selbst hätte sich das nicht träumen lassen, hat der doch seinen Körper ordentlich geschunden, aber auch sehr viel Disziplin und Ehrgeiz in die Songs gesteckt. Alles musste immer perfekt sein, wenn es auch so nicht erscheint.
Am 17.5.1946 wird er als zweites von vier Kindern in Gronau (Westf.) geboren. Ein „Nieschenkind"(1), wie man so sagt; eingereiht in die Kinderschar. So war ihm schon sehr zeitig klar, er müsse auf sich aufmerksam machen. Das tat er dann. Nahm die Trommelstöcke in die Hand und trommelte auf alten Ölfässern. Mit 12 erhielt er dann sein erstes eigenes Schlagzeug. Der Weg war gebahnt. Er wollte berühmt und vor allem Millionär werden. Dass er das später schaffte, dachte wohl niemand.
Udo Lindenberg ist ein Mensch der Extreme. Wahrscheinlich hätte er sonst seinen exzessiven Lebenswandel nicht mit seinen Erfolgen vereinbaren können; oder gerade?
Er zog in die Welt hinaus, um sich seiner Leidenschaft, der Musik zu widmen. Erst spielte er Schlagzeug, so in den Siebzigern die Filmmusik von Klaus Doldiger zum Tatort.
Schnell wurde klar, er gehört in die erste Reihe – so wie immer in seinem Leben.
Mit seinen Songs der siebziger/achtziger Jahre feierte er Erfolge, denn seine Texte sprachen ein großes Publikum an. Mal ging es um die Liebe, mal waren gesellschaftspolitische Dinge Thema seiner Texte. Er wurde Deutschlands größter Nachkriegslyriker genannt und ich finde, das hat er vierdient! Auch mich sprachen seine Texte zu den oft rockigen Sounds an. Er traf den Zahn der Zeit.
Mit 46 Jahren erhielt er den Echo für sein Lebenswerk(2) .
Immer mehr setzte ihm sein exzessiver Lebensstil zu. Die Musiker wandten sich ab, er wurde nicht mehr gebraucht – so schien es.
In den 90er Jahren wurde es so still um Udo, dass jeder wohl glaubte, er würde bald seinem Lebenswandel erliegen.
Erst der Tod seines Bruders Erich (Kunstmaler) führte im Jahr 2008 eine Wende herbei. Udo ging ins Studio und produzierte die LP „Stark wie Zwei“, welche sofort auf Platz eins der Albumcharts zu finden war. Drei Jahre später schoss sein Album MTV Unplugged – live aus dem Hotel Atlantic ebenso auf Platz 1. (3)
Mühe und Disziplin hatten sich gelohnt, die Panikfamilie stand wieder eng hinter ihm. Auf seinen Konzerten bekommt der Besucher seit je her viel geboten. Eine opulente Bühnenshow von zirka 3 Stunden lässt das Fieber schnell auf die Besucher übergehen – und Udo ist nicht mehr maskiert. Oft nimmt er die Sonnenbrille ab, so wie er es im Titelsong der neuesten Scheibe singt, schaut seinem Gegenüber in die Augen, in die Seele. Es ist ein Album, welches ganz ohne Gäste auskommt. Die Melodie des Titelsongs ist übrigens die Filmmusik aus dem Streifen „Der Pate“. Das war Udos größter Wunsch, denn er ist fasziniert von diesem Film und produziert diesen mit einem 60-köpfigen Orchester in den Londoner Abbey-Road-Studios, dem Ort, an welchem viele Beatles Songs produziert wurden.
Ich war stolz wie Bosse, als ich es, sogar 2 Tage vor dem öffentlichen Verkaufsstart in meinen Händen hielt. Es stand ganz unscheinbar an der Kasse eines Supermarktes.
Für mich ist es ein reifes, seelenberührendes Album. Ein Abriss seines Lebens, seine Liebe zur Familie, aber auch seine Angst vor dem Alleinsein wird deutlich.
Verschmitzt nimmt er das Thema Tod auf. „Wenn die Nachtigall verstummt“ verdeutlicht, dass er genau weiß, dass auch er nicht unendlich Zeit hat.
Ich denke, insgesamt ein gelungenes Album. Gespickt mit einer Mischung aus Balladen und Rocknummern ist es wahrscheinlich das größte eigene Geschenk zum Siebzigsten.
Udo wird seinen Geburtstag im Stadion Auf Schalke in Gelsenkirchen feiern. Zusammen mit Steffi Stefan, Mitbegründer des Panikorchesters und Musiker und Produzent Klaus Doldinger, welche in diesen Tagen ebenfalls ihren Geburtstag feiern wird er bei den Proben zur am 20. Mai startenden Konzerttour doch das eine oder andere Kicherwasser genießen. Ich sage heute schon einmal „Happy Birthday“! - und freue mich schon heute auf den Konzertbesuch im Juni.


(1) Ulrike Döpfner,“Was für ein Kind waren Sie?, Collection Rolf Heyne & Co. KG, München, 1. Auflage 2014, S. 202 ff.
(2) Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Lindenberg
(3) https://www.youtube.com/watch?v=x2KaqzfWZp0
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2 Kommentare
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 23.05.2016 | 21:33   Melden
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Jacqueline Koch aus Eisleben | 24.05.2016 | 09:28   Melden
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