Im Interview: Christopher Wartig

  Lutherstadt Eisleben: Kulturwerk Mansfeld-Südharz |

Christopher Wartig ist Schauspieler im Kulturwerk MSH und hat viele Rollen gespielt. Zuletzt hat der in Argentinien geborene Schauspieler den traumatisierten Major Rupf im Stück "Pension Schöller" gespielt. Anlässlich der Theaterkassen-Eröffnung war er mit mir im Gepräch.

Wie heißen Sie?

Mein Name ist Christopher Wartig und spiele bei Pension Schöller den Major Rupf.

Der ja traumatisiert war?

Genau, er hat in zwei Weltkriegen gekämpft und beide verloren.

Es geht ja in Pension Schöller auch sehr viel um das Normalsein oder auch das Verrückte. Was sagen Sie dazu, dass viele Menschen mit Behinderung auch im Publikum waren?

Ja, ich finde es gut. Ich weiß nicht, ob Integration oder Inklusion das richtige Wort ist. Ich finde es gut und sage: Warum sollen Behinderte nicht ins Theater gehen?

Wie lange spielen Sie schon Theater in Eisleben?

Hier in Eisleben spiele ich seit 2011 Theater.

Welche Rollen haben Sie schon gespielt?

Das sind ganz viele. Was die Hauptrollen angeht: Pinocchio, Tschick, Jim Hawkins (Die Schatzinsel), Figaro (Der tollste Tag). Figaro war meine erste Hauptrolle hier.

Welche war die schwierigste Rolle bisher - und warum?

Es war die des Figaro. In "Der tollste Tag" oder "Figaros Hochzeit". Weil ich dort noch unerfahren war. Es war schwierig, eine Hauptrolle als Anfänger zu stemmen.

Wie fühlt es sich an, auf der Bühne zu stehen?

Geil.

Warum? Beschreiben Sie das Gefühl!

Weil die Bühne ein freier Raum ist, in dem man machen kann, was man will. Ohne dass man verurteilt oder benachteiligt behandelt wird. Solange man mit seinen Kollegen Verabredungen trifft und einhält. Da kann man alle Facetten des Seins ausdrücken und raus lassen. Es ist wie eine Therapie. Die Bühne ist da – es ist ein unverwundbarer Raum.

Was sagen Sie zum Thema Mobbing?

Finde ich erst mal sehr gut, dass Du selbstbewusst dastehst. Mobbing ist echt scheiße und echt zu verurteilen. Es ist ja oft so, dass eine Mehrzahl auf einen draufgeht – das ist armselig, erbärmlich und feige.

Und welche Rolle würden Sie gerne mal spielen?

Helmut Schmidt in einer Helmut-Schmidt-Biografie. Weil er in meinen Augen ein guter Politiker war. Er war Bundeskanzler und Verteidigungsminister und hat sehr viel geleistet.

Was macht erst ein gutes Theaterspiel aus?

Haltung und Ausdruck.

Hat das Theaterspielen eine Botschaft an die Welt an sich allgemein?

Im Grunde schon. Es ist immer die gleiche: Seid friedlich, vertragt Euch und genießt das Leben.

Lesen Sie gerne? Und wenn ja, was?

Ja. Am liebsten Fantasy- und Science-Fiction-Romane.

Noch eine Frage zu dem Offizier – wie haben Sie diesen gespielt?

Der Offizier ist ein mürrischer Streitsüchtiger. Der ist auch gemobbt worden in seinem Leben. Er ist total traumatisiert. Er ist leicht reizbar und sucht ständig Streit. Das schlägt sich in der Stimme wieder [verstellt die Stimme ins Rauchige]. Er hat viel geraucht. Hat ein Zucken am Auge.
Man denkt sich in die Rolle und der Rest kommt von alleine. Wenn man sich gut vorbereitet hat, hat man einen Ausgangspunkt. Da bin ich, da komme ich her und dort will ich hin. So will ich sein. Und dann ziehe ich das durch.
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