Wir sind Kunst!

    Lutherstadt Eisleben: Kita Gänseblümchen | 


Am Montag, dem 16. Oktober hat die Eisleber Kindertagesstätte "Gänseblümchen" zu ihrer Ausstellung eingeladen, um ein Jahr kreative Arbeit mit Kindern der interessierten Öffentlichkeit zu zeigen.

Kinder malen anders als Erwachsene und zeigen bei richtiger Aktivierung und Anleitung oft selbst für Erwachsene erstaunliche Talente, Begabungen und Stärken.
Seit gut einem Jahr hat die Kindertagesstätte Gänseblümchen einen neuen Förderschwerpunkt: die bildenden Künste.
In der Kita Gänseblümchen gehen Kinder von wenigen Wochen bis etwa 6 Jahre – also bis kurz vor dem Schuleintritt - und betätigen sich vor allem kreativ: es wird, wie viele es kennen, zu Pinsel, Stifte und Farbe gegriffen.
Doch die Kita Gänseblümchen geht auch besondere Wege: die große Gruppe - das sind die Kinder ab 3 Jahre - können sich auch mit den Themen Fotografie und auch der Architektur betätigen.
Denn Frau Ziervogel von der Kita „Gänseblümchen“ hat im "Morgenkreis" die Kinder gefragt, wer alles schon mal mit einer Digitalkamera Fotos gemacht hat.
Daraufhin gab es eine große Resonanz, wo daraufhin eine Fotogruppe entstand, die regelmäßig die Umgebung erkunden und dies fotografisch festhalten.
Die Architektur-Gruppe baute das Eisleber Rathaus mit Alltagsmaterialien nach und lernte nebenbei den Umgang mit Werkzeugen und Materialien.
Dabei ist die Idee mit dem Rathaus nicht von ungefähr: beim Eisessen auf dem Markt in Eisleben kam die Oberbürgermeisterin Jutta Fischer den Kindern zugegen. Prompt führte OB Fischer die Kinder durch das Rathaus.
Die Kinder waren begeistert und hatten von da an die Idee, das Rathaus nach zu bauen.
Leider war Frau Fischer zur Ausstellungseröffnung nicht zugegen.
Und in ihrem Namen übergab Kathrin Gantz von der Stadt den Kindern einen riesigen Präsentkorb.
Nach der Eröffnung, die durch Erzieherin Christel Gottschalk gehalten wurde, standen die Erzieher und auch die Kinder den Eltern und Interessierten Rede und Antwort.
Unter den Werken waren aber nicht nur das imposante Rathaus.
Von den ganz Kleinen gab es das sehr farbenfohe Bild "Enten füttern in Seeburg", welches in collagenartiger Technik einen See zeigt, wo Kinder sind, die Enten füttern und auch weinrote Fische gesellen sich dazu.
Auch zwei Vogelnester waren ausgestellt - aus Zweigen und künstlichen Eiern selbst gebastelt.
Es gab auch die Schneeglöcken-Wiese zu sehen, wo auf einem grün mit Wasserfarbe aufgetragenem Hintergrund - die Wiese - mit Korken weiße Stellen aufgetragen wurden - das sind die Schneeglöckchen.
Auch der Sinnesapfel - ein mit Tonpapier gebastelter Apfel, dessen Korpus mit roter Farbe koloriert wurde - indem die Farbe mittels Strohhalm drauf gepustet und anschließend - als eine Art "Effekt" - Zucker und Zimt auf diesem Apfel gestreut wurde.
Auf die Frage: Was ist gesund, was wir sehen, riechen und anfassen können? Da kamen die Kinder auf den "Sinnesapfel".
Und die Großen haben neben dem schon voran genannten Foto- und Architektur-Projekt auch eine Halde gebastelt - die plastisch aussieht und den Bergbau thematisiert.
Doch alles an Werken zu nennen, würde den Umfang des Artikels sprengen.
Kommt doch selbst vorbei!
Zu den Öffnungszeiten des Rathauses gibt es die Ausstellung noch bis zum 27. Oktober 2017 in der Lutherstadt Eisleben!

Interview:

Frau Ziervogel
Sie ist Erzieherin von der Kita Gänseblümchen. Sie war früher an einer Kunsthochschule und spricht über Kinder und deren Kunst.

Was macht das Schöne am kreativen Schaffen von Kindern aus?

Dass es immer wieder anders ist. Es ist immer wieder was Neues. Es ist toll, das bei Kindern zu beobachten. Die Kinder sind oft viel freier in ihrer Fantasie als wir Erwachsene und das ist ganz toll zu sehen.

Mit welchen kreativen Angeboten werden die Kinder kreativ gefördert? Was gibt es da alles?

Alles Mögliche. Wir spielen Theater, da wir einen Rollenspielraum haben. Wir haben einen Kreativraum, wo die Kinder malen und basteln können mit vielen Materialien. Sie haben einen Bauraum, wo sie die Architektur kennen lernen können.

Wie läuft ein Tag im Kreativ-Kindergarten ab?

Wir beginnen wie jeder Kindergarten mit einem „Morgenkreis“, anschließend das Frühstück, danach dürfen die Kinder selbst entscheiden, in welchen Raum sie gehen wollen. Wir haben ein freies Konzept. Um 9 können die Kinder dann entscheiden, welche Angebote sie wahrnehmen. Ob es Kreatives oder Theater ist oder ob die Kinder raus gehen möchten.

Welche Werte sind für Kinder für ihr späteres Leben wichtig?

Wir verfolgen ein offenes Konzept. Wir haben trotzdem immer den selben Ablauf, also feste Strukturen. Ein fester Tagesablauf ist für die Kinder sehr wichtig. Das wissen auch die Kinder, dass wir feste Zeiten haben. Sie haben feste Ruhezeiten und Freiräume. Und auch Regeln.

Wie wichtig ist die Kunst – gerade für Kinder?

Kunst hat keine Grenzen, was Alter oder Sprache angeht. Kunst spricht besonders Kinder im Kindergartenalter an. Das ist ganz wichtig. Mit Kunst kann man in jedem Alter arbeiten und mit jedem Kind. Wo Sprache aufhört, fängt Kunst an. Das leben wir auch mit den Kindern.

Jetzt mal eine hypothetische Frage: Wie sieht ein Kind die Welt?

Wow. [lacht erstaunt] Wenn wir das wissen würden, dann wäre die Welt auch für uns einfacher. Ich glaube, viel einfacher, als wir Erwachsene. Viel lockerer. Kinder machen sich nicht so viele Sorgen. Das ist einfach schöner.

Wie malen und zeichnen Kinder „anders“ als Erwachsene? Und warum?

Kinder zeichnen viel freier als Erwachsene. Kinder versuchen nicht unbedingt, ein Bild herzustellen, sondern bei den Kindern entsteht das Bild in dem Prozess mittendrin. Nicht: ich male „das und das“, sondern sie malen einfach drauflos. Das ist das Schöne. Wir Erwachsenen versuchen uns vorher schon, ein Bild zu machen und Kinder malen einfach drauflos. Da entstehen oft ganz tolle Sachen!
Ich denke auch, Kinder stellen sich die Welt ganz anders vor.

Was ist die besondere Schönheit an einer Kinderzeichnung?

Dass man oft nicht weiß, was es ist und das ist das Schöne daran. Und dann von den Kindern die Geschichte hinter dem Bild zu hören, ist das Schönste dran. Zu hören, was sich die Kinder dabei dachten, als sie das malten.

Wie ist die Geschichte des imposant nachgebauten Rathauses?

Die Kinder sollten sich als Aufgabe aussuchen, welches Objekt sie nachbauen wollen. Sie waren hier auf dem Marktplatz in Eisleben, um Eis zu essen und die OB Frau Fischer hat die Kinder ins Rathaus eingeladen. Sie hat mit ihnen eine Führung gemacht. Da entstand bei den Kindern der Wunsch: Wir wollen das Rathaus nachbauen, da es ein sehr schönes Gebäude ist. Das haben die Kinder dann im Morgenkreis besprochen und so ist die Idee entstanden.

Und die Kinder haben die Fotografie entdeckt?

Richtig. [lacht erfreut]
Wir haben alle mal im Morgenkreis gefragt, wer alles einen Fotoapparat zuhause hat. Da kam ein ganz großes Feedback beim Morgenkreis und die fanden das ganz toll beim Morgenkreis. Viele erzählten, dass sie eine Kamera zu Hause haben und auch selbst viel fotografieren. Da haben wir gesagt: Dann bringen wir die einfach mal mit. Da ist das Projekt entstanden, wo wir uns das auch genauer anschauten: Wie ist eine Kamera aufgebaut und wie funktioniert sie? Wie kann man damit richtig umgehen?

Was ist die Geschichte mit dem farbenfrohen Bild von Mathilda?

Es fing im Morgenkreis an - da fragten wir: Was wollen wir machen? Und Mathilda wollte malen. Doch an dem Tag stand das Malen nicht auf dem Programm. Da sagten die Erzieher trotzdem zu Mathilda: wir holen dir was zum Malen. Sie hat ein paar Schälchen mit Farbe und einen Korken sowie ein weißes Blatt bekommen. Und dann hat sie drauflos gemalt.

Spontan aus dem Bauch heraus. Das ist ja Kunst.

Genau.
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