Kunstausstellung Tag 2 und 3

   

Mein Bericht über die Kunstausstellung in Helbra. Von Mathias Hoppe.

Nach dem Aufbau und den Tag mit den Schulkindern öffnete die Kunstausstellung für alle Kunstinteressierten in Helbra und Umgebung. Um 10 Uhr wurde eröffnet – mit dem amtierenden Helbraer Bürgermeister Alfred Böttge. Da wurde gemeinsam mit den ersten Gästen und allen Künstlern angestoßen – selbst die Eisleber OB Jutta Fischer hat es sich nicht nehmen lassen, um nach Helbra zu kommen.
Und die Künstler waren einer nach den anderen mit ihren Stilen und Werken erstaunlich. Dieter Raufeisen, geboren 1939, ist seit Langem Hobbymaler und malt besonders Motive aus unserer Region: wie die Bebelhütte in Helbra.
Eine andere Künstlerin, die mit ihren Bildern zum Interpretieren und Nachdenken einlädt, ist Ines Buff aus Breitungen im Südharz. Wie in einem Bild, wo bei einem Blick aus dem Zug die Armut in Europa gezeigt wird: trinkende Männer an der Bushaltestelle lassen den Eindruck entstehen, dass die Armut mitten in unserer Gesellschaft ist und immer schlimmer wird. Oder das Bild „????“ mit einen Mann in einem öffentlichen Verkehrsmittel, der seine Umgebung nicht wahrnimmt, sondern in sein Smartphone stiert und für ihn die Außenwelt egal ist.
Ein ganz besonderes Mädchen mit tollen Einfällen und viel Freude mit ihren Zeichenstiften ist Sabina Petzold, die sehr verrückte und doch lustige Comic-Geschichten zeichnet. Sie handeln von Aliens und von einer Welt, in der alle, auch die Aliens in Frieden leben können. Bis dahin gilt es, viele Abenteuer zu bestehen.
Auch eine weit verbreitete und bei den Besuchern der Ausstellung besonders beliebte Art des kreativen Schaffens sind Handarbeiten – die Klöppelgruppe und die Handarbeitsgruppe Klostermansfeld war für die Handarbeits-Liebhaber da. Und auch die Künstlerin Rita Kugel, die Handarbeiten auf eine sehr vielseitige Art und Variation lebt.
Ebenso vielseitig ist die Helbraer Malerin Michaela Horlbog. Sie malt nicht nur selber, sie unterhält auch Zirkel mit Hobby-Künstlern und gibt öffentliche Malkurse. Ebenso Auftragsmalereien und etwas richtig Tolles sind ihre selbsternannten „Lieblinge“ - Puppenmodelle, die sie selbst kauft, bemalt, zusammensetzt und dies richtig aufwendig sowie lebensecht – diese Babys sind einfach niedlich!
Fotografieren macht richtig Spaß – und eine, die ganz viel Freude dran hat, ist Ingelore Schneider aus Helbra. Sie machte schon damals den Laden richtig schön und den Leuten erfreuten die immer wechselnden Bilder.
Ein interessanter Künstler mit einer Liebe zu optischen Verzerrungen, der uns zu einem anderen Blick auf die Welt verführt, ist der diplomierte Künstler Stefan Leander Amey, auf den Bildern als Künstler-Signatur ist immer „AMEY“ zu lesen. Und auch immer wieder alte Themen in einem neuen Licht: wie Adam und Eva mit einem Smartphone von sich ein „Selfie“ schießen.
Gemeinsam statt einsam ist das Lebensmotto von Helga Gebhardt, die eine Selbsthilfegruppe für Betroffene des „Restless-Legs-Syndrom“ (RLS) ist. Bei der RLS liegt eine zu niedrige Konzentration des Botenstoffes Dopamin in den Nervenzellen vor, die dann zu diesen sehr belastenden Krankheitsbild führt. Nachts kann man als RLS-Betroffener nicht ruhig schlafen, weil die Beine nicht ruhen wollen, wenn man sich dann bewegt, wird es besser. Aber nachts, da muss man doch liegen – da ist es kein Wunder, dass man da um den Schlaf gebracht wird, und das belastet und unterminiert die Lebensqualität. Helga Gebhardt malt auch als Therapie und fand damit aus ihrer schweren Depression raus – wie man an ihrem Bildern „Das Land der schwarzen Sonne“ und „Jenseits ...“. Doch das ist noch nicht alles: Krankheitsbedingte Einfälle und Lebenswelten werden in Gedichten verarbeitet. Sehr eindrucksvoll und gegen die Mauern in den Köpfen!
Und: Frau Gebhardt malt auch. Mitten in ihrer Depression ist ihr Bild „Land der Schwarzen Sonne“ entstanden, das die Gedankenwelt in einer depressiven Episode zeigt. Dass alles fast in Schwarz ist und in Grau, nur etwas Hoffnung ist da – die zeigt sich in den einzelnen Gelbtönen, die in diesem Bild noch sind. Und das andere, ihr ausdrucksstarkes Bild „Jenseits vom Licht“, was die Lebensfreude in Rot und Orange zeigt, was vom Schwarz, also der Depression allmählich zerfressen und vernichtet wird.
Einige Stände weiter machte ich Bekanntschaft mit der Pferdeliebhaberin Luca Marie Konietzky. Sie ist in der Klasse 8 des Martin-Luther-Gymnasiums und sie schreibt und malt – vorwiegend mit Bleistift. Da sind Vögel auf einem Baumast, Manga-Figuren und ein großer Drache.
Dass die Natur eine große Inspiration und was richtig Gutes zum Lernen ist, zeigt Maria Kaul mit ihren Fotobüchern, die Gedichte und Texte sowie schöne Naturfotos enthalten. Unter anderen zeigen in einem Gedichtband die Tiere das Waldes die Farben der Natur – in der Rolle eines Eichhörnchens, was den Wald und die Welt entdeckt.
Ein toller Origami-Falter ist ebenso am Start – gerade noch waren wir ja bei den Handarbeiten.
Der Zwiespalt ist das große Motiv von Ed Erdmenger, einem Schornsteinfeger und auch Künstler mit Bildern, wo man was entdecken muss und die sehr farbenfroh sind. Andere sind wiederum sehr realistisch.
„Spaß am Malen“ hat Ronald Koch, der begeisterter Hundefreund ist. Natürlich hat er auch die Hunde Mara und Tim auf seinem Bildern, aber auch ein Audi vom Autohaus Schneider oder Hunde mit Katzen – Lara, Moni und Pünktchen: und vor allem: die alle vertragen sich!
Fotos und schöne Kalender von Helbra und Umgebung hat Gisela Renker, die auch Journalistin ist. Sie ist bereits seit 30 Jahren Fotografin und zeigte ihre sehr eindrucksvollen Fotos auf der Ausstellung. Wie ein Mann, von dem man auf dem ersten Blick denken würde, er würde kämpfen, doch man muss genauer hinschauen, dass dieser Mann sich seinen Kragen am Anzug hält. Die Fotos sind gerade durch die Reduktion auf schwarz-weiß erst richtig ausdrucksstark.
Tolle schöne Frauen in kräftigen Farben – das ist das Metier von Roswitha Schwarz. Ebenso Bilder von farbenfrohen Blumen und Blüten, die such sehr plastisch dargestellt sind.
Doch ein ganz besonderer Mensch ist der begeisterte und mit 86 noch sehr aktive Naturschützer Lothar Lauterbach aus der Lutherstadt Eisleben, der viele kleine und feine Sachen, die allesamt aus der Natur hergestellt sind: aus Kernen von Kirschen, Baumrinden, Tannenzapfen und anderes, was man in der Natur findet: Ringe, Anhänger, Figuren, um nur einige zu nennen. Herumsitzen und in den Tag sinnlos hineinleben ist definitiv nicht sein Ding. Eher sein toller Humor und seine Menschlichkeit, sein Enthusiasmus und seine Kreativität. Dabei ahnt man als Mensch, der ihn und seine Geschichte noch nicht kennt, dass Herr Lauterbach ein Mensch ist, der vom Krieg traumatisiert ist, doch dieses Trauma überwunden hat.
Die Natur hat Herrn Lauterbach stets die Kraft gegeben und immer an sich glauben lassen, wie er mir im Gespräch sagte. Wenn er einen Streit hat, „dann rufe ich laut „Scheiße!“ in den Wald rein und dann ist es wieder gut“. Oder wenn Lauterbach Stress hat: rauf auf das Fahrrad, ab in die Natur und dann kommt die Kraft wieder zurück.
Und Lothar Lauterbach hat seinen unverwechselbaren Humor niemals vergehen lassen – dieser Mensch ist jemand, der Respekt und Bewunderung verdient. Von allen.
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:

Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mittdeldeutsche Zeitung | Erschienen am 07.05.2015
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.