Vier Tage die Welt der Literatur in Leipzig

Das Leipziger Messegelände
 
Einer der vielen Cosplayer - Sailor Moon
Leipzig: Messegelände |

Die Welt der Bücher zu Gast in Leipzig - ein Bericht von Mathias Hoppe

Am 12.-15. März war es 2015 wieder so weit und Literatur-Freunde aus aller Welt konnten es kaum erwarten: die Leipziger Buchmesse öffnete wieder ihre Tore. Rund 150 000 Besucher strömen in allen vier Messetagen durch die 5 Messehallen. Vor der Halle 1 und an allen weiteren Eingängen warteten die Leute, ehe es um 10 los ging und die Messe begann. An den Eingängen der Halle 1 zur Manga-Comic-Convention (MCC), die parallel zur Buchmesse statt fand, rannten nach dem Öffnen der Tore die ersten jungen Messebesucher wie entgeistert in die Messehalle, um die vielen Stände der Händler, Manga-Vereine und auch Mitmach-Aktionen zu besuchen. Davon gab es viele. Auch etwas richtig Tolles war MCC-Kreativ“. Dort haben Hobby-Künstler Tische an diesen Messeständen gebucht und zeigten, was sie konnten: Manga, Postkarten, Kakao-Karten spezielle Kunst-Sammelkarten von Hobbyzeichnern), Con-Hon-Einträge, Cosplay und noch vieles mehr boten die vielen Künstler. An dem Ständen von MCC Kreativ traf ich auch die Zeichnerin Marika Herzog („Girimore“, „Demon Lord Camio“), deren neuer Manga-Zweibänder „Demon King Camio“ beim Verlag Egmont Manga (EMA) erscheinen wird, der die direkte Fortsetzung zu „Demon Lord Camio“ ist. Interessant ist es, die Zeichner zu treffen, die man sonst nur von ihren Manga kennt.
In der Buchmesse gab es aber nicht nur Comic und Manga. Ich war dann auch in der Halle 3 bei den Hörbüchern, die jetzt ja auch richtig im Trend sind. Dort wurde in einem Vortrag gezeigt, wie die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende neu aufgenommen wurde und was da für ein Aufwand drin steckt – dass zum Beispiel die Geräusche aufwendig erzeugt werden müssen und viel Handarbeit drin steckt – obwohl auch der PC vieles bei der Produktion erleichtert.
Da ging es weiter in die Halle 1 zurück und da läuft mir etwas vor die Kamera, was es in der normalen Welt gar nicht gibt. Mädchen und Jungen in den abenteuerlichsten Verkleidungen, die Cosplayer. Diese schneidern sich ihre Kostüme selber – streng nach Vorbild aus Manga, Anime oder Computerspiel. Und da steckt sehr viel Arbeit drin – doch wenn dann die toll gekleideten Jungs und Mädels sich auf der MCC zeigen und diese fotografiert werden, ist das das höchste Glück für die viele Arbeit. Ich hatte noch einen Cosplayer im Interview, was sehr interessant war. So ging es wieder in die Halle 3, denn da gab es ebenso interessante Vorträge – wie von Annalisa Neumeyer zum Thema „Therapeutisches
Zaubern“, wie also mit hypnotherapeutischen und suggestiven Elementen und mit inneren Bildern gearbeitet werden kann. Für mich als psychologisch interessierten Menschen war das sehr spannend und auch sehr erstaunlich!
In der Glashalle war auch viel los: die Fernsehsender 3sat, Arte und MDR zeigten in ihren Kulturformaten viele interessante Autoren – wie Angela Marquardt (Buch: Vater, Mutter, Stasi – Kiepenheuer & Wietsch), die von ihrer dramatischen sowohl traumatischen Vergangenheit mit dem MfS der Stasi erzählte. Doch es gab noch viel mehr – viel zu schade, dass man nicht an allen Events dabei sein kann, weil es sehr viele interessante Bücher und die Autoren dahinter gibt. Und mit ihren eweiligen Geschichten, die das Leben schreibt. Eine andere berührende Geschichte, dessen Menschen ich aus dem Fernsehen kenne, ist Tim-Thilo Fellmer. Und er war auch wieder auf der Leipziger Buchmesse als Botschafter für Alphabetisierung im Rahmen der Kampagne „Lesen und Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“). Denn Herr Fellmer konnte, damals frisch aus der Schule raus, nicht lesen und schreiben und hat sich dies über mehr als ein Jahrzehnt lang in mühevollster Arbeit durch Kurse beigebracht. Immer auch der Wille, das Lesen und Schreiben zu beherrschen, haben ihn dazu angetrieben, trotz aller
Rückschläge an dem Ziel eisern dran zu bleiben. Und für Herrn Fellmer hat sich die mühevolle Arbeit und die teils hohen Kosten gelohnt – jetzt schreibt er Kinderbücher und hat einen eigenen Verlag. In seinen Kinderbüchern („Fuffi der Wusel“) spielen auch immer eigene Erfahrungen mit dem Anderssein und der Selbstsicherheit eine wichtige Rolle.
Wieder zurück in der Halle 1 hatte ich noch die Deutsch-Japanische Gesellschaft Leipzig in Sachsen e.V. und traf Katarina Bernauer, die die Kunst des Origami („ori“ – falten, „kami“ („gami“) - Papier) den vielen Messebesuchern zeigte. Anschließend ging es noch zum Comicforum am Schwarzen Sofa, wo das Goethe-Institut mit dem Comiczeichner Nils Oskamp einen Comic zeigte, er besonders ergreifend ist: eine Graphic Novel über Rechtsextremismus, die aus seinen eigenen Erfahrungen „inspiriert“ ist, weil Herr Oskamp damals in den 80ern selbst Opfer rechter Gewalt und der menschenverachtenden Ideologie wurde, was ihm fast das Leben gekostet hätte. Da erinnerte es mich auch an meine Schulzeit, als mich Rechtextreme gemobbt haben. Dieser Comic soll mittels der Amadeu-Antonio-Stiftung (Initiativen für Zivilgesellschaft und Demokratische Kultur) an Schulen für die Aufklärung über Rechtsextremismus als Unterrichtsmaterial eingesetzt werden. Lehrer können sich ab April 2015 Klassensätze bestellen und ebenso Unterrichtsmaterial und Anregungen im Internet bekommen (siehe Weblinks unten).

Nils Oskamp - Graphic Novel Drei Steine
Amadeu Antonio-Stiftung - Initiativen gegen Rechts
Bundesverband Alphabetisierung
Deutsch-Japanische Gesellschaft in Leipzig
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.