Für mich mehr als eine Selbstverpflichtung

Jutta Fischer, die Oberbürgermeisterin der Luthersatdt Eisleben am Tag des Rundganges
 
Sagt nein!!
Lutherstadt Eisleben: Marktplatz |

Beim Rundgang in Eisleben wurde ein Signal gegen Rechts gesetzt. Warum ich bei diesem Rundgang mitmachte – ein Bericht von Mathias Hoppe.

Eisleben zeigt Flagge. Damit die braune Gesinnung nicht noch weiter unsere Gesellschaft und unsere demokratische Politik unterwandert. Und dies ist heute nötiger denn je, wie mir auch Peter, ein Mitglied vom Eisleber Bündnis „Meine Stadt und ich“ berichtet. Bisher in dieser Form einmalig, haben das Bündnis „Meine Stadt und Ich“, Verbände der Kirchen, die demokratischen Parteien und die Lutherstadt Eisleben am Samstag, den 9. August 2014 zu diesem Rundgang eingeladen. Nicht nur, um vor den Gefahren der neofaschistischen Strömungen zu warnen, sondern auch, um für eine friedliche und tolerante Gesellschaft zu stehen. Und auch, um den Menschen zu
gedenken, die mutig Widerstand gegen die Nazis damals im Dritten Reich leisteten, doch ihr Leben im Krieg verloren. Wie die jüdische Familie Moses, die damals in der Eisleber Freistraße wohnte. Jeder, der zu diesem Rundgang gekommen ist, wurde gebeten, eine Blume mitzubringen, um diese an den Stellen des Rundgangs niederzulegen, um den mutigen Menschen zu gedenken. Heute, gut 70 Jahre nach dem Dritten Reich gibt es wieder von manchen Menschen solcherlei Bemühungen, solch eine Gesellschaft wie damals im Dritten Reich zu schaffen, die Anderssein und freies Denken und Handeln verbieten würden. Die Neonazis nutzen auch moderne Kanäle wie
soziale Netzwerke (Facebook, Twitter...), um ihre Hetze zu verbreiten, oft auch sehr gut und geschickt getarnt, dass die Urheber dieser Botschaften nicht auf dem ersten Blick dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen sind – genau so, wie sich Neonazis heute kleiden: man kann sie nicht mehr klar als Neonazis erkennen, wie mir auch Peter berichtete. Auch für mich sehr schockierend war, dass die Euthanasie auch in unserer Region von drei Ärzten durchgeführt wurde. Drei Ärzte haben damalige Mädchen, die nicht dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ entsprachen, zwangssterilisiert.
Die Leute gingen von Station zu Station, geleitet von Maria Hahn vom Bündnis „Meine Stadt und Ich“. Diese Schicksale machen Angst, verstören – und es kommen viele Gefühle. Verbundenheit - weil wir doch alle Menschen sind. Betroffenheit – weil diese Verbrechen mit normalen und gesundem Menschenverstand nicht zu fassen und zu greifen sind. Da wirkten die Gänge von Station zu Station fast wie eine Meditation. Auch für mich war es mehr als eine Selbstverpflichtung, hier bei diesem Rundgang mitzugehen. Weil ich damals in meiner Jugendzeit an der Schule auch von Rechtsextremen gemobbt wurde. Es fing damals so in meiner Klasse an: ein neuer Schüler kam in die Klasse rein, ein Versager aus dem Gymnasium, der zu uns in die Realschule kam. Er war gleich „beliebt“ in der Klasse, weil er so viel wusste und so "klug" war. Klar, hatte auch er etwas gegen mich (wer hatte es in meiner damaligen Klasse nicht?) und er erzählte in der Klasse von einem starken Mann, der alle Probleme und alle schlechten Dinge aus der Gesellschaft habe verschwinden lassen – und dass er ein Vorbild für unsere Klasse sei. Sein Name: Adolf Hitler – den Rest könnt Ihr ja Euch denken. Diese Sache wird auch noch in späteren Bänden meines Mobbing-Manga 3/11 dran kommen. Als ich dies Peter erzählte, war auch er betroffen. Dass rund 100 Menschen dem Aufruf vom Eisleber Bündnis Meine Stadt und ich gefolgt sind, ist ein Zeichen. Ein sehr wichtiges Zeichen gegen Intoleranz und Menschenfeindlichkeit. Denn: im Grunde genommen sind wir alle gleich, egal, von wo wir auch herkommen.
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