Anders sehen ist auch sehen

 

Im Berufsförderungswerk für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung war am 28.5.2015 der alljährliche Tag der offenen Tür, der mit vielen Aktionen zum Mitmachen einlud.

Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer. Um deren Rehabilitation und den Wiedereinstieg in die berufliche Tätigkeit und auch die Ausbildung zu ermöglichen, gibt es das Berufsförderungswerk (BFW) für Blinde und Sehbehinderte in der Bugenhagenstraße 30 im Ortsteil Südstadt. Und der 28. Mai 2015 stand dieses Mal mit dem Thema „Steigende Sehanforderungen am Arbeitsplatz – Wir liefern Lösungen“ im Blickpunkt. Es wurden Lösungen präsentiert, die Menschen mit Blindheit und auch mit Sehbehinderung die Integration in das Leben und die Teilhabe erleichtern. Doch nicht nur dies stand im Mittelpunkt – sondern auch eine große Hilfsmittelausstellung, die viele kleine und große Dinge zeigte, die für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung wichtig zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind. Wie der „Einkaufsfuchs“, ein Strichcode-Scanner von der Firma SynPhon, der auf einer Speicherkarte Infos zu Millionen von Produkten bereit hält. Wird ein Strichcode von einem Produkt (zum Beispiel im Supermarkt oder zu Hause) gescannt, spricht das Gerät die Infos aus der
Datenbank aus, wie „Ritter Sport Trauben-Nuss 100 Gramm“. Doch das ist noch nicht alles: mit persönlichen zusätzlich erhältlichen Strichcodes auf Klebeetiketten oder Plastikschildchen können private Dinge wie CD's, Wäschestücke oder Bücher gekennzeichnet werden. Einfach den Strichcode anbringen, einmal scannen und den Einkaufsfuchs über das eingebaute Mikrofon besprechen – fertig. Es gab aber noch mehr: verschiedene Bildschirmlesegeräte, Scanner, Computer-Eingabehilfen, spezielle Mobiltelefone für Blinde, Langstöcke, allerlei Dinge für den
Alltag. Es gab in den vielen Häusern Besichtigungen der Arbeits- und Ausbildungsräume und auch viele Vorträge – wie über eine Smartphone-App, die eine Audiodeskription für Kinofilme bereit hält, die man dann im Kino über die Kopfhörer des Smartphones hören kann. Draußen gab es auch die Möglichkeit, ein Segway zu fahren oder auf einem Teambike Platz zu nehmen. Wer ganz mutig war, konnte mit der Feuerwehr Ammendorf auf der Drehleiter sich in 30 Metern Höhe hochfahren lassen und Halle von ganz oben sehen.
Viele können es sich auch erst gar nicht vorstellen,wie es ist, blind zu sein. Weil das Sehen für uns so alltäglich ist wie Atmen, Essen oder Trinken. Doch ein ganz besonderer Raum ist die Sensorische Welt im Haus 5 des BFW. Dort konnte man sich in einen dunkeln Raum begeben und musste sich
auf seine anderen Sinne orientieren, um den Weg durch den Wald zur Stadt zu den Springbrunnen zu finden. Natürlich ohne Licht und nur mit den Ohren und den Händen – Stufen und Hindernisse inklusive. Stets angeleitet wurden die Leute, die diese besondere Grenzerfahrung machen von der MDR-Moderatorin Jennifer Sonntag, die dort Sozialpädagogin ist. Und sie ist besonders – denn sie
ist selbst seit ihrem 20.Lebensjahr blind und macht sich stark, dass man besser aufeinander durch diese Grenzerfahrung ohne das Sehen wieder zu der Menschlichkeit findet. Dieses Projekt mit der Sensorischen Welt gibt es auch unter dem Titel „Sinneswandel gegen Schulversagen“ speziell für Schulkinder, um soziale Fertigkeiten zu zeigen und die Zusammengehörigkeit zu fördern. Und vor allem: dass Menschen, die anders sind, nicht mehr Außenseiter sind – im Zeitalter der Inklusion umso wichtiger denn je...
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