Im Gespräch: Darstellerin von „Jutta von Sangerhausen“

Sie ist die Darstellerin der historischen eindrucksvollen Figur "Jutta von Sangerhausen", die mir sofort durch ihr außergewöhnliches Gewand auffiel. Mit ihr habe ich gesprochen und viel Interessantes erfahren.

Sie stellen Jutta von Sangerhausen dar. Was ist das für eine Frau?
Jutta von Sangerhausen war für uns eine ganz tolle Frau, und deshalb ist sie in aller Munde, was Sangerhausen und Umgebung betrifft. Sie war eine verheiratete reiche Frau, die sehr behütet war und hat in Sangerhausen mitsamt Mann und ihrer Familie gelebt. Ihr Mann ist bei einem der Kreuzzüge ums Leben gekommen.

Wann war das?
Sie ist geboren im Jahre 1220, der Tod des Mannes war etwa bei 1240, belegt ist das nicht so genau. Sie hat sich dann einer neuen Heirat widersetzt, was damals nicht üblich war. Sie hat alles, was ihr gehörte, verkauft, hat ihre Kinder in Obhut gegeben und sich nur noch den Armen und Kranken gewidmet. Das hat sie in der Ulrichskirche in Sangerhausen getan. Sie hat gepflegt und sich richtig gekümmert.

Sie hat also den Armen eine Perspektive gegeben.
Sie wurden in der Zeit der Not aufgenommen und die Armen fühlten sich etwas besser. Und ungefähr, die Jahreszahlen sind nicht belegt, hat Jutta von Sangerhausen sich auf den Weg nach Polen gemacht. Damals hieß es bildschön „Chelmzah“. Sie hat sich auf den fast 800 Kilometer langen Weg gemacht und weil dort Kriegswirren waren, sich wieder um Arme und Kranke zu kümmern. Sie ist vielmals alleine gegangen und hat diesen Ort alleine erreicht.

Sie tragen ja eine Sonne (als Anhänger um den Hals). Was hat das zu bedeuten?
Die Legende war: Jutta von Sangerhausen ist durch einen Wald gegangen und wusste da nicht weiter. Und weil sie eine sehr gläubige Frau war, hatte sie zu Gott gebetet, er möge ihr einen Weg zeigen. Der Legende nach ist in dieser Nacht ein Licht erschienen. Sie konnte weiter gehen und deshalb ist die Sonne das Zeichen für Jutta von Sangerhausen. So viele Bilder gibt es nicht, aber es gibt eines, wo sie mit der Sonne dargestellt wird. Jutta von Sangerhausen war auch eine Weggefährtin von Mechthild von Magdeburg. Das war zeitlich sehr nahe.

Sie hat eigentlich das gemacht, was in unserer heutigen Gesellschaft nicht selbstverständlich ist.
Sie ist für damalige Verhältnisse eine moderne christliche Frau gewesen, die sich vergessen hatte, um anderen zu helfen. Unabhängig davon, wer die Armen waren – sie hat Not gelindert. So, dass man es auf die heutige Zeit unwahrscheinlich gut übertragen kann.

Woran die Politiker scheitern.
Die Menschlichkeit, das Vertrauen und die Gläubigkeit haben die Kraft in ihr ausgemacht.

Das ist die wichtigste Währung.
Das ist Jahrhunderte später noch sichtbar und wir freuen uns, dass wir Jutta heute noch ehren können. In Polen wird sie noch sehr verehrt, sie ist dort begraben. Sie hat an einem See an einer Hütte gelebt als Einsiedlerin und ist jeden Tag gegangen, wo die Verwundeten, die Kranken und Verletzten waren. Und auch Sangerhausen und Chelmzah haben enge Beziehungen. Es herrscht gemeinsamer Schüleraustausch und das Gymnasium wurde in das Jutta-Gymnasium umbenannt.

Zum Weiterlesen: der Verein "Jutta von Sangerhausen" - offzielle Website
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3 Kommentare
MZ - BürgerReporter aus Halle (Saale) | 22.06.2016 | 14:32   Melden
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Mathias Hoppe aus Helbra | 22.06.2016 | 17:56   Melden
MZ - BürgerReporter aus Halle (Saale) | 22.06.2016 | 18:07   Melden
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