MZ-Berichterstattung über das Verbrennen von Abfällen

An die Mitteldeutsche Zeitung, Lokalredaktionen Eisleben und Sangerhausen

Betrifft:
Die MZ und ihre Berichterstattung über das Verbrennen von Abfällen;
die Qualität der Berichterstattung der Mitteldeutschen Zeitung als das wichtigste meinungsbildende Medium im LK Mansfeld-Südharz

MZ-Chefredakteur Hartmut Augustin am 18.06.2012:
„Journalisten sind es gewohnt, dass ihre Arbeit von der Öffentlichkeit hinterfragt wird. Das ist gut so. Nur so ist Qualitätsjournalismus möglich.“


Sehr geehrte Damen und Herren der Mitteldeutschen Zeitung

In der MZ wird viel geschrieben zum Thema Verbrennen von privaten Abfällen; persönliche Meinungen von Lesern und Politikern werden in der MZ veröffentlicht. Das ist gut so. Aber: Wissenschaftlich fundiertes Fachwissen zu dieser gesundheitsrelevanten Problematik fehlt in der MZ völlig; als wenn es im Land Sachsen-Anhalt kein Fachwissen zum Verbrennen von Gartenabfällen gäbe, an dem sich der fachlich unqualifizierte Politiker ebenso wie der nach Wahrheit strebende Leser orientieren kann.

In der MZ werden meines Wissens vorhandene Erkenntnisse der Wissenschaft, Gesetze und EU-Richtlinien zur Thematik Verbrennen total ignoriert. Wie soll da der Leser zu einer Meinung kommen, die er auch gegenüber seinem an Asthma erkrankten kleinen Sohn und seiner an Allergien und Bronchitis leidenden Tochter als die einzig richtige Meinung darlegen kann?

Ich möchte deshalb die MZ aufmerksam machen auf die aktualisierte Fassung (April 2011) des Berichtes des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, 2009, Sonderheft 3, mit dem Titel: Verbrennung von Gartenabfällen; Untertitel: Zusammenhang zwischen Gartenfeuern und Feinstaubbelastung; ISSN 1619-4071;
im Internet zu finden unter:
http://www.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibl...

Ich meine, dass diese hervorragende und zugleich leichtverständliche wissenschaftliche Arbeit, in der auch auf die konkrete Situation in Hettstedt eingegangen wird, ein unverzichtbarer Leitfaden sein muss zur sachlichen Diskussion unter Politikern und unter Bürgern, aber auch ein Leitfaden zur sachlichen Berichterstattung in der MZ, und schließlich auch Basis zu korrekten Entscheidungen der Politiker.

Die Berichte des Landesamtes für Umweltschutz (LAU) sind de facto wissenschaftlich begründete Appelle gegen das Verbrennen von „Gartenabfällen“. Die Berichte des LAU mahnen anhand wissenschaftlich ermittelter Daten und anhand von Erfahrungen vor den gesundheitsschädlichen Wirkungen des Verbrennes. Dabei findet das LAU kein einziges Argument zur Rechtfertigung dieser unzeitgemäßen Schädigungen der Qualität unserer Atemluft. Das LAU findet kein einziges Argument, was die hohen gesundheitlichen Gefahren durch das Verbrennen von Abfällen aller Art in der heutigen Zeit noch rechtfertigen könnte.

Das LAU Sachen-Anhalt weist insbesondere auf die schrecklichen Folgen des Qualms und des Gestanks für Asthmatiker und Allergiker hin, insbesondere für an Asthma erkrankte Kinder, die in der Folge des Verbrennens von Abfällen durch den erheblichen Anstieg von gefährlichem Feinstaub und hochgiftigem Kohlenmonoxid fürchterlich leiden müssen. Das LAU klärt aber auch auf über die krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), die unvermeidbar bei der Verbrennung von Gartenabfällen entstehen.

Das LAU nennt eine ganze Reihe wissenschaftlich fundierter „Argumente gegen die Verbrennung von Gartenabfällen“. Das LAU zeigt uns aber auch, dass das Verbrennen schon lange nicht mehr mit der deutschen Gesetzgebung und mit der EU- „Richtlinie über Luftqualität und saubere Luft für Europa (2008/50/EG) und dem darin definierten „Verschlechterungsverbot“ zu vereinbaren ist. Gemäß der unter Artikel 1 dieser Richtlinie definierten Ziele ist die jeweils bestehende Luftqualität zu erhalten, sofern sie gut ist, und zu verbessern, wenn dies nicht der Fall ist.

Landrat Schatz hat demnach nicht das Recht, die bei uns erreichte gute Luftqualität durch Brenngase wieder zu verschlechtern. Aber: Wer weiß das schon? Die MZ sagt es ihren Lesern leider nicht.

Dieses EU-Gebot, wonach die bestehende Luftqualität nicht verschlechtert werden darf, einschließlich der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Empfehlungen des LAU zum Verbrennen, versucht Landrat Schatz nun mit Unterstützung von abfallbesitzenden Politikern und abfallbesitzenden Bürgern rücksichtslos zu ignorieren. Und, um den Frust der umweltbewussten Bürger auf Andere zu schieben, schiebt Schatz die Kugel den Gemeinden und Bürgermeistern in die Tasche; als wenn jede Gemeinde ihre eigene Umwelt hätte. Die persönlichen Motive des Herrn Schatz sind wohl jedem bekannt.

Und die Mitteldeutsche Zeitung als unsere regionale Zeitung lässt den politisch unhaltbaren, noch immer nach Strohhalmen greifenden Landrat Schatz auf tiefstem Niveau gewähren.

An die Stelle wissenschaftlich begründeter Argumente erlaubt die MZ in ihren Berichten einseitige, unhaltbare Rechtfertigungen für das Verbrennen von Abfällen, wie sie zum Beispiel vom Hettstedter Stadtrat Hubertus Luthardt abgegeben werden.

Was o.g. Bericht des LAU betrifft, gehe ich davon aus, dass sich die MZ, dass sich aber auch jeder Bürger, jeder Politiker und insbesondere jeder Entscheidungsträger selbst einmal eingehend mit den Erkenntnissen der Wissenschaft beschäftigt.

Ich wünsche allen Lesern der MZ, dass sie zukünftig durch eine qualitativ bessere Berichterstattung ihrer MZ die Möglichkeit erhalten, sich zum Thema Verbrennen von Gartenabfällen eine sachlich korrekte Meinung zu bilden, eine Meinung, die im Interesse ihrer eigenen Gesundheit und ihrer eigenen Lebensqualität die einzig richtige Meinung ist.

Traurig wäre es, wenn unsere ganze Mansfelder Region wieder von Qualmwolken überdeckt stinken würde und man insgeheim zu dem Ergebnis kommt: Naja, aber ganz ohne die MZ wäre diese Sauerei wohl nicht möglich gewesen.

Mit freundlichen Grüßen
Horst Cunäus
Puschkinstraße 4
06333 Hettstedt
Tel.: 03476-851998
Email: kontakt@nutriavereinhettstedt.de
HP: www.nutriavereinhettstedt.de
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