Lesermeinung zu "Wurzeln nicht vergessen" von Armin Kensbock

In seinem Beitrag erinnert uns Pfarrer Kensbock an die arabisch-muslimische Invasion im 7. Jahrhundert, nach der in der Türkei nichts mehr als Ruinen übrig blieben.
Er gemahnt uns an die christliche Minderheit zu denken, der die Türken im 1. Weltkrieg den Garaus machten. Bis heute seien Christen in islamischen Ländern Bürger zweiter Klasse.

Er zieht Parallelen zur Gegenwart. Warnt er uns also vor einer neuen islamischen Invasion? Ist das nicht sehr gefährlich, besonders jetzt, in der prekären Flüchtlingssituation auch noch Angst unter den Christen vor dem "alles zerstörendem Islam" zu schüren? Wo sowieso schon Unsicherheit und Ängste in der Bevölkerung vorherrschen?

Ich persönlich war über den Abdruck eines solchen Beitrages entsetzt. Nicht, dass es nicht Fakten wären, über die er hier spricht. Leider Gottes gibt es in der Tat Länder auf dieser Erde, wo Menschen nicht ihre Religion frei praktizieren können.
Was mich jedoch stört, ist diese Schwarz/Weiß Darstellung. Gute Christen, bösartige Muslime. Hat nicht auch die Kirche in ihrer Vergangenheit viel Schuld auf sich geladen? Ich möchte daran erinnern, als die Mauren in Spanien vorherrschten, konnten auch Christen sowie Juden frei ihren Glauben praktizieren. Erst nachdem die katholische Kirche in Spanien an die Macht kam, verfolgte man Juden, vertrieb sie und natürlich alle Muslime des Landes. Entweder zum Christentum konvertieren, fliehen oder getötet werden. Eine andere Wahl hatten auch sie damals nicht.
Von den Gräueltaten der Kreuzzüge,der Inquisition oder den "Leistungen" der Missionare in Übersee oder in Afrika, der Rolle der Kirche im 2. Weltkrieg möchte ich gar nicht erst reden.

Um es kurz zu machen, wenn wir in der Vergangenheit forschen, haben wohl ALLE Religionen finstere Zeiten zu verzeichnen. Bitte erwähnen Sie das auch. Nicht nur mit dem Finger auf "die bösen anderen" zeigen.

Außerdem ist es geradezu Verhetzung, den Islamischen Staat, Boko Haram, Al Nusra und andere Terrormilizen mit der Religion des Islam gleichzusetzen. Fragen Sie Muslime, die Sie kennen! Jeder gläubige Moslem wird sich von solchen Terroristen distanzieren. Wie auch alle großen muslimischen Organisationen es tuen. Eine ganz gefährliche Einstellung, die hier verbreitet wird.
Und was ist mit der Piusbruderschaft oder kreuz.net? Muss man dann nicht auch vor dem ganzen Christentum warnen?

Ich möchte an dieser Stelle auch positive Beispiele in der real existierenden Welt benennen. In Tunesien leben Muslime, Christen und Juden seit Jahrhunderten friedlich miteinander.
Auch ein befreundeter christlicher syrischer Arzt bestätigte uns, dass es niemals ein Thema in seinem Wohnort war, welcher Religion jemand angehörte.
Ein anderer Freund berichtete uns von einer Israelreise, bei der er ein friedliches Miteinander von Juden, Palästinensern und Christen beobachten konnte.
Manchmal sieht die Realität auch anders aus. Probleme werden von außen gestreut und forciert. Auch durch solche Beiträge.

Pfarrer Kensbock ruft zum "Christen aller Länder vereinigt euch" auf, denn sonst wird es in Europa nur noch Ruinen christlicher Kultur geben. Wir alle haben keine Chance.
Herr Pfarrer, muslimfeindliche Äußerungen in der jetzigen Zeit sind wenig hilfreich. Sollten wir nicht nach Lösungen für ein friedliches Miteinander suchen durch Aufklärung und Besinnung auf gemeinsame Werte und Wurzeln?
Auch mir ist das Licht lieber!
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