Was macht man eigentlich so den ganzen Tag?

Die Frage wird oft gestellt. Vor allem, wenn man wie ich bei einer Firma arbeitet, die für Marketing, Kultur und Tourismus zuständig ist. Warum soll diese Frage auch nicht in den Raum geworfen werden, schließlich ist das Berufsbild hier beileibe nicht so klar umrissen wie in anderen Branchen. Darum mal ein Blick auf den heutigen Tag, Montag, 29. Oktober 2012. Kalt ist es heute, der ursprüngliche Plan, das schöne Licht auszunutzen und mit der Kamera ein paar Fotos vom Schlossgelände zu machen, wird angesichts klammer Finger schnell ad acta gelegt. Gibt ja auch genug andere Dinge zu tun. Dabei sind Bilder wichtig. Viele Bilder, gute Bilder, unterschiedliche Jahreszeiten, Veranstaltungen, Menschen. Bilderanfragen kommen oft, zu den unterschiedlichsten Sujets und aus den verschiedensten Richtungen. Da ist ein großer Vorrat nicht schlecht, um schnell reagieren zu können. Gerade auch für mich, ich fotografiere sie nicht nur, sondern beantworte auch die Anfragen als Mitarbeiter für Presse und Öffentlichkeitsarbeit.

Aber im Büro angekommen, geht es erst einmal schnell zu meiner Kollegin Heike Wedel. Sie ist Leiterin des Stadtmarketings, aber da sie, wie die meisten meiner Kollegen, mehrere Aufgaben hat, kümmert sie sich auch viele gestalterische Dinge. Ihr Büro direkt neben meinem ist verschlossen, der Blick in meinen Computer klärt es schnell auf: in ihrem Kalender steht der Hinweis: Radegast. Richtig, sie ist zu der "Falschmünzer"-Werkstatt gefahren. Denn es werden demnächst Münzen erscheinen, in Zinn und Silber geprägt, die exklusiv für Köthen zum Thema Bach entworfen wurden. Und die sollen in dekorativen Karten mit einer Kapsel befestigt ausgeliefert werden. Daher wird derzeit eifrig geprägt, gedruckt und gestanzt, damit die Souvenirs bald fertig sind.

Der Tag ist dann erst einmal angefüllt mit Routinesachen. E-Mails werden gesichtet. Und da sind dann auch Bildanfragen zu beantworten. Eine österreichische Musikzeitschrift möchte eine digitale Reproduktion des Portraits vom Bach-Fürsten Leopold für ihre "Jänner"-Ausgabe haben. Und noch eine interessante Anfrage: Ein Musikverlag bringt eine CD mit Kantaten heraus, die eben jenem Leopold von seinem Hofkapellmeister Bach geschrieben wurden. Für das Begleit-Cover fragt man nach zwei Bildern, zum einen wiederum vom Fürsten Leopold (diesmal aber nicht das Gemälde, sondern einen Stich) und von seiner zweiten Frau Charlotte. Längst nicht von allen Mitgliedern der Köthener Linien gibt es Bilder! Von Charlotte, eine geborene von Nassau-Siegen, gibt es eines, nur weiß ich nicht auf Anhieb, ob dieser Stich tatsächlich in der Sammlung des Museums existiert. Ein Anruf bei Inge Streuber, Fachbereichsleiterin Museen, bringt schnell Klarheit. Es gibt ihn und somit kann ich ihn am Dienstag reproduzieren. Und darauf freue ich mich, denn ich werde ihn abfotografieren. Eine Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl erfordert, aber auch Spaß macht.

Peter Engelmann, die Veranstaltungsleiter kümmert sich derweil um, ja genau, die bevorstehenden Veranstaltungen! Die Zuarbeit, die ich für ihn mache, ist Werbung. Vor allem bei der derzeitigen Menge an bevorstehenden Veranstaltungen ist das nicht einfach, in den Medien unterzubringen. Halloween am Dienstag, dann die Kindermatinee am Sonntag, demnächst Gospel und dann natürlich alles rund um Silvester. Vieles vorzubereiten. Also ran an die Tastatur, Texte schreiben, Bilder heraussuchen, Radiostationen und Zeitungsredaktionen behelligen und sich fest vornehmen, die Homepage am nächsten Tag zu aktualisieren. Heike Wedel ist mittlerweile wieder da, sie bereitet nun zusammen mit Lutz Osterland, dem stellvertretenden Geschäftsführer, Material für das Wochenende vor.

Dann findet nämlich wieder "Bus & Bach" statt, das jährliche Treffen, welches aus nah und fern Busunternehmer und Touristiker nach Köthen bringt. Auch dieses Jahr wartet wieder ein dicht gefülltes Programm, welches immer wieder neue Anregungen bringt, unsere Region zu besuchen. Natürlich wird auch die Buspresse wieder vor Ort sein und der in unserem Hause latent vorhandene Ehrgeiz und Sportsgeist, möglichst fix die gewünschten Bilder zu liefern, wird mir wieder manch lange Nacht bescheren. Aber so soll es sein. Und auch wenn ich es heute nicht geschafft habe, heute in das Veranstaltungszentrum zu schauen, weiß ich, dass die Techniker am wirbeln sind, um die nächsten Veranstaltungen vorzubereiten. Harte und langwierige Arbeit, die leider oft genug von Außenstehenden unterschätzt wird. Und sie müssen aufräumen, schließlich war bis einschließlich Sonntag der ICE in Köthen, der internationale Erfahrungsaustausch der Homöopathen, auch diesmal wieder mit Teilnehmern aus einem guten Dutzend Ländern. Stress pur nicht nur für Holger Broszat, der alle Fäden bei der Organisation in der Hand hielt und mit Recht zufrieden sein kann.

Ruhe herrscht lediglich in der Information im Schloss, denn montags haben Petra Pick und Judith Schmitz frei. Im Gegensatz zu den anderen sechs Wochentagen. Und die Kollegen aus den Museen nutzen den Tag für Arbeiten im Museumsbereich, vor allem, wenn sie Gästebereiche betreffen. Auf dem Hof treffe ich dann Andreas Emler, den Hausmeister, er hat die Arbeitsdispo für "Bus & Bach" in der Hand und erklärt mir gleich, wo er die Leiter deponieren wird, die ich brauchen werde, um beim Gruppenfoto einen guten Blick von oben zu haben. Auch Gerd Eiternick ist eiligen Schrittes zum Veranstaltungszentrum unterwegs. Er ist bei uns über eine Maßnahme beschäftigt, aber wie die anderen Kollegen aus vergleichbaren Bereichen voll integriert und akzeptiert. Zumal man gerade seine künstlerischen Fähigkeiten im Bereich Museumspädagogik ebensowenig missen will wie bei den Vorbereitungen zur Halloween-Party.

Wieder im Büro sind neue Mails da, Stadtführungstermine werden abgestimmt und in den Kalender eingetragen. Der wiederum auch für alle Kollegen sichtbar ist. Die Bandbreite an Führungen ist groß. So hatte ich beispielsweise am Sonnabend das Vergnügen, die sehr musikalische Familie eines prominenten Ex-Politikers im Schloss führen und anschließend bei ihrer Hausmusik in der eigens von ihnen angemieteten Schlosskapelle belauschen dürfen. Nachmittags war es dann eine Geburtstagsrunde aus Jessnitz, die sich unter anderem die Fürstengruft von St. Jakob ansehen wollten. Mit dabei sieben wissbegierige Kinder, die genau die Fragen stellten, die sich die Erwachsenen nicht zu stellen trauten. Besonders ein Junge war großartig. Einen schönen Gruß an Dich, Jim!

Der Tag geht mit einem besonderen Ereignis zu Ende: Fotos machen bei der feierlichen Eröffnung des 5. Bach-Abel-Gambenwettbewerbes, den der Landkreis im Schloss veranstaltet. Neben großartiger Musik unter anderem von einem meiner Lieblingskomponisten, Carl Phillip Emanuel Bach (ja genau, ein Sohn des großen Johann Sebastian!) gibt es die obligatorischen Reden, die aber allesamt kurzweilig und in genau der richtigen Dosierung emotional ausfallen. Besonders Kultusminister Dorgerlow beweist Charme und Kompetenz. Auf der Veranstaltung treffe ich auch noch einmal meinen Chef, den Geschäftsführer Michael Schuster. Er muss Wege durch das Haus tagsüber immer sehr genau und vorausschauend planen, denn so ziemlich jeder Kollege hat Fragen, die er dann auch geduldig beantwortet. Auch ich nehme ihn gern in Beschlag, sei es für Nachfragen bei Plakatgestaltungen oder wie heute beispielsweise zum Tourismustag. Daheim werden noch die Bilder von der Kamera geladen, mit Lightroom die Rohdateien konvertiert und die Bilder bearbeitet. Dann gern auch mit Musik. Heute kommt jene von Depeche Mode, U2 und der "Kammer" - deren neue CD übrigens für mich der Tipp des Jahres ist.
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