Historischer Wegweiserstein wiederentdeckt

Stein nach der teilweisen Freilegung im Oktober 2016 (Ansicht mit Textfeld und Metallbolzen)
Langenbogen: Salzatal | Wegweisersteine gibt es im südlichen Sachsen-Anhalt seit mehreren Jahrhunderten. Die ältesten waren Holz-Stämme und besaßen Arme, an deren Enden geschnitzte Hände die Richtung wiesen. Von diesen hat sich keiner erhalten, es gibt aber zum Beispiel in Mansfeld einen Nachbau eines solchen Verkehrsdenkmals, dessen Aussehen durch Anordnungen zur Errichtung hölzerner Wegweiser sowie durch historische Abbildungen überliefert ist. Eine solche Anweisung durch den Markgrafen von Brandenburg Friedrich III. ist aus dem Jahr 1699 erhalten. Eine zweite, aus dem Jahr 1701, erwähnt bereits steinerne Exemplare.

Ein Jahrhundert später, nachdem mehre Anweisungen nichts brachten und die Holzstämme immer wieder verschwanden, entschied man sich für Stein als alleiniges Material und errichtete an abzweigenden Wegen Stelen, die aber ebenfalls nicht unangetastet blieben und an denen alle Arten von Geräten und Waffen gewetzt wurden.

Man unterscheidet bei diesen Steinstelen drei Arten der Inschrift, da diese Auskunft über das Alter des Steins geben kann. Am ältesten ist hierbei die Entfernungsangabe in Stunden, etwas jünger die in Meilen und ab den 1870er Jahren wird sie in Kilometern angegeben. Die Anzeige der Richtung erfolgte hier teils mit weisenden Hand-Reliefs, teils mit Pfeilen. Aufgrund des Alters von oft über zweihundert Jahren, sind diese Inschriften aber in vielen Fällen nicht mehr zu erkennen.

Der Wegweiser von Langenbogen

Auch an der Hauptkreuzung von Langenbogen stand ein solcher Wegweiserstein. Er befand sich auf der Südwestecke vor dem damaligen Schulareal (heute Apotheke) und war in vielerlei Hinsicht interessant: denn er war nicht nur Wegweiser, sondern auch Nivellierpunkt, was man an einem Metallbolzen erkennen konnte, der unterhalb des Textfeldes eingeschlagen war. Er war zudem bis vor zirka 50 Jahren auch Teil der F 80, als welcher er eine entsprechende gelb-weiße Markierung trug. Als man Ende der 1990er Jahre die Straßenkreuzung ausbaute, war der Stein im Weg und man brachte ihn in das Vorwerk an der Nordwestecke der Kreuzung.

Dort hat ihn Hilmar Burghardt von der Forschungsgruppe Meilensteine im Jahr 2004 fotografiert, damals lag er durch eine Plane geschützt im Hof. Später wurde das Vorwerk umgebaut und seitdem war der Stein verschwunden, doch ist es mittlerweile gelungen, diesen Stein wieder aufzufinden. Im Juli 2016 hatte ich einen Stein im Salzatal bei Langenbogen fotografiert, da er mir auffällig vorkam. Im September, bei einem persönlichen Gespräch mit Herrn Burghardt, kamen wir zufällig auch auf diesen Stein zu sprechen und er beschrieb mir den Stein genauer. Als er erwähnte, dass es ein roter, knapp anderthalb Meter großer Pfeiler war, fiel mir sofort wieder der Stein im Salzatal ein. Er berichtete von einem Metallbolzen und einer abgebrochenen Ecke und schickte mir auch eine Kopie seines Fotos zu, so dass die Stele eindeutig als jene identifiziert werden konnte, die knapp zwei Jahrhunderte lang im Ortszentrum stand, denn beide Merkmale weist auch der Stein im Salzatal auf.

Unbekanntes Alter

Eine genaue Datierung der Stele ist leider vorerst nicht möglich, da der Stein auf der Seite liegt, also die vierte Seite nicht einsehbar ist, und weil im erhaltenen Textfeld keine Buchstaben mehr auszumachen sind. Die Neuanlage Langenbogens erfolgte nach der Zerstörung im 15. Jahrhundert direkt an der Straße von Halle nach Eisleben, so dass zu verschiedenen Zeiten hier solche Wegweiser notwendig geworden sein können.

Am wahrscheinlichsten ist aber eine Errichtung im frühen 19. Jahrhundert, als sich Langenbogen an der Poststrecke befand und zudem im Süden eine Königliche Braunkohlengrube bestand, für die im Jahr 1809 eine Chaussee (Halle-Langenbogen) erbaut wurde, die der Saline in Halle eine schnellere Kohlezufuhr ermöglichen sollte. Den Weg über Teutschenthal nach Bad Lauchstädt, der hier abgeht, dürfte dieser Stein gewiesen haben.

Ähnlich wie in Altweidenbach bei Querfurt befanden sich hier Meilenstein und Wegweiserstein nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Dort, wo es ähnlich wie in Langenbogen, eine Posthalterei gab, sind die Entfernungsangaben am Wegweiserstein in Stunden, am Meilenstein in Meilen. In Langenbogen, das zwei preußische Meilen (=15,06 Kilometer) von Halle entfernt ist, sind sie in beiden Fällen nicht mehr zu entziffern.

Es ist äußerst bedauerlich, dass Unkenntnis dazu geführt hat, dass man den Stein in seine jetzige unwürdige Lage gebracht hat. Im Dezember 2016 wurde er - offenbar erneut aus Unkenntnis - beschmiert.
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) | 17.02.2017 | 08:17   Melden
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