DIE GRÖSSTE SHOW NUMMER MEINES LEBENS Teil: 6 - Die erste Probe.

Und nun ging es los. Musik wurde eingespielt, in der Halle wimmelte es von Menschen, die alle etwas anderes zu tun hatten. Einige Stars waren schon da. Und von den Leidenschaftlern aus Spergau sollten die Flachlandfinken beginnen, ich hatte den zweiten Part vor dem Mühlenverein. Es lief alles schief, was nur schief gehen konnte. „Das ist normal“, meinte Andrea „zum Schluss funktioniert es“. Mehrere Sachen mussten mehrfach geprobt werden, dann lief mal jemand durch das Bild, es waren immer sechs Kameras im Einsatz, dann fiel mal die Nebelmaschine aus und der Regisseur sah die schwarzen Kabel, die weiße Leuchtkugeln verbanden, worauf er bemerkte: „Ich will es ja nicht auf die Spitze treiben, aber kann man die Kabel nicht irgendwie weiß machen“. „Am Freitag geht die Maschine“, bemerkte irgendjemand ganz gelassen und ich darf schon verraten, so war es dann auch. Nach den ersten Proben dachte ich, „und daraus wollen die in zwei Tagen eine Show produzieren ohne Fehler, die live über den Sender gehen sollte?“ Da kann man schon den Glauben verlieren, aber Vollprofis wissen meistens, was sie tun.
Und am nächsten Tag, dem Donnerstag, kamen noch mehr Leute auf mich zu. Noch ein Regisseur und ein Kamera Mann von einer anderen Agentur sollten die Trailer drehen für die drei Kandidaten, die um DAS GOLD DER INKA kämpfen sollten. Und ich freute mich schon auf Nicole. Ab Mittag war ich dann mit ein paar Freunden in meiner Galerie. Wann kommt sie denn nun. „Ja 14.00 Uhr oder erst 15.00 Uhr, auf jeden Fall kommt sie.“ Meinen Lieblingsfotografen von der Mitteldeutschen Zeitung hatte ich auch schon informiert und er wartete mit. Es zog sich hin und Peter Wölk musste noch mal weg. „Ruf mich auf dem Handy an, wenn sie im Anflug ist und ich bin sofort da“, meinte er. Dann kam der Regisseur und der Kamera Mann. Sie kommt gleich. „Wie soll ich sie ansprechen?“ fragte ich den Regisseur. Unter Künstlern sagt man ja „Du“, aber bei einer netten Dame Mitte Vierzig, ich hatte mich natürlich über Nicole informiert, sogar den Song „Ein bisschen Frieden“ habe ich auswendig gelernt. Ich bin gern gut vorbereitet, man kann ja nie wissen. Der Regisseur meinte, „ich übernehme das“. Und dann kam ein Auto aus dem allem voran eine kleine zierliche Frau mit funkelten Augen und einem verschmitzten Lächeln ausstieg, gefolgt von einer zweiten Frau, was Ihre Pressesprecherin war, wie ich später erfuhr. Später kam noch Ihr Gatte dazu, der auch Ihr Manager war, also alles perfekt in Familie organisiert.
Der Regisseur ging auf sie zu und klärte das mit dem „Du“. Sie hatte nichts dagegen und wir begrüßten uns höfflich und respektvoll, wie sich das unter Künstlern so gehört. Nicole betrat gespannt meine Galerie und ich denke, der erste Eindruck, als sie die vielen Bilder auf einmal sah, hat sie beeindruckt. Nun wurde noch etwas umgeräumt, damit das Licht stimmt, wir wurden geschminkt, damit der Glanz auf der Haut sich nicht spiegelte und der Regisseur gab uns Informationen, wie es ungefähr ablaufen sollte. Alles musste spontan wirken, nicht geprobt und das Wesentliche sollten wir aus uns heraus kitzeln. Ich denke, das ist uns beiden, vor allem Nicole, sie ist ja der Vollprofi, sehr gut gelungen. Manche Sequenzen klappten auf Anhieb, andere wurden zwei, drei Mal gedreht. Nicole erklärte gut unsere Gemeinsamkeiten, was sie in der Musik auszudrücken versucht, mache ich in der Malerei. Besser kann man es nicht bringen. Der Song „Ein bisschen Frieden“ von 1982 ist allgemeingültig für die Ewigkeit, so auch heute 30 Jahre danach. Und sie hat auch gemalt mit mir gemeinsam am Land Kiribati, was bisher noch nie jemand auf meinen Weltbildern durfte, aber das ist eben die berühmte Ausnahme. Alles in allem wurden ungefähr 90 Minuten gedreht. Nicole spielte sogar mein Schlagzeug, was dann auch in dem 60 Sekunden Trailer, der von der Crew noch in der Nacht zum Freitag geschnitten wurde, zu sehen war. Die Cutter haben tatsächlich einen sehr schönen Schnitt gemacht, wobei die Vision und die Liebe zum Frieden von Nicole und mir wunderbar herüber kamen. Die Schlussszene war dann, als ich Nicole bat, dass wir die nächsten über hundert Bilder gemeinsam malen werden, worauf sie antwortete: „ Ach, das schafft der alleine“. Bei der Verabschiedung bis zum nächsten Tag kam noch einmal das Gefühl in mir auf, welche Wärme und Herzlichkeit nette Menschen in einem Raum versprühen können. Da stand für mich schon fest, dass Nicole ein Exemplar meines Buches „Phantasie & Visionen“ von mir geschenkt bekommen wird.
Ein schöner Tag neigte sich dem Ende und ich musste noch einmal kurz in die Jahrhunderthalle schauen, ob auch alles gut läuft. Natürlich hatte ich Vertrauen in die Mannschaft, aber mein Interesse war ungebrochen. Bei einem kurzen Gespräch erzählte mir der Produzent Peter Ringleb eine kleine Geschichte, die schon am Mittwochabend begann. Das Management von den ROTEN GITARREN hatte angerufen, dass sie leider absagen müssten, da Ihr Sänger und Frontmann beim letzten Auftritt von der Bühne gestürzt ist und sich dabei das Gesicht demoliert hat. Daraufhin telefonierten die Verantwortlichen die ganze Nacht durch und fragten bei Managements in ganz Europa nach, ob noch eine Band für Freitagabend in Spergau frei wäre. Immerhin fehlte mit dem Ausfall der Headliner. In Spanien sind sie fündig geworden. Die BAY CITY ROLLERS waren dort auf Tour und hatten zufällig einen Tag frei. Daraufhin wurden sie von Spanien mit dem Flugzeug abgeholt, in Deutschland eingeflogen und irgendwie nach Spergau gebracht, wo sie dann zur Show auch pünktlich eintrafen und danach wurden sie wieder zurück geflogen, denn dann ging es ja in Spanien weiter. Ich glaube sie wussten nicht einmal wo sie waren, so nach dem Motto: „Where the fuck is Spergau? Liegt das noch in Europa?“
Peter Gehre
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