Siegfried Berger - Schriftsteller aus Merseburg

Siegfried-Berger-Masken in der Walter-Bauer-Bibliothek
Vor einem Jahr, in Einstimmung auf den 120. Geburtstag des Merseburger Schriftstellers und Kommunalpolitikers Siegfried Berger, hatte ich geschrieben: „Zeit seines Lebens hat er viel für seine Heimatstadt getan, und alsbald wird sein Name hier wieder eine wichtige Rolle spielen. Dank einer großzügigen Verfügung der im letzten Jahr verstorbenen Tochter Siegfried Bergers, Eva Rausch, wird in Merseburg eine Siegfried-Berger-Stiftung aufgerichtet werden können, die sich vor allem für die Förderung des literarischen Lebens in der Stadt einsetzen soll. Eine wunderbare Möglichkeit, eine Chance ganz im Sinne Siegfried Bergers.“
Leider hat sich bis heute, zwei Jahre nach der Verfügung Eva Rauschs, noch immer nichts getan, ist die Siegfried-Berger-Stiftung noch immer nicht aufgerichtet, können dem „Literatur-Betrieb“, der „Literatur-Szene“ Merseburgs – und somit der Stadt schlechthin- noch immer keine weiterführenden Möglichkeiten eröffnet werden…
Gegen das „Versickern“ der Stiftungs-Idee und –Chance sei hier denn (immer mal wieder) an Siegfried Berger und insbesondere an seine Beziehungen zu Merseburg erinnert:
1891 in Merseburg geboren, in Merseburg aufgewachsen und zur Schule gegangen, zeitlebens in Merseburg gearbeitet und gewirkt, zudem zumeist in Merseburg verlegt, 1946 in Halle/Saale gestorben, doch in Merseburg zur letzten Ruhe gebettet: Siegfried Berger – zweifelsohne prägte diese alte deutsche Stadt sein literarisches Schaffen und selbstverständlich (im wahrsten Wortsinne) erhob er sie immer wieder zum literarischen Ort.
„Die erste Regung, etwas Eigenes bewusst formend und freudig zu schreiben, entsinne ich mich vom vierten Schuljahre. Es galt einen kleinen Herbstaufsatz zu schreiben. Ich war an einem sonnigen Nachmittage mit dem Bruder durch die Stoppelfelder gewandert. Den Rückweg hatten wir durch die reichen Dörfer genommen, die sich an der Klia entlang in dichter Folge reihen. Es hatte auf den Feldern nach schwelendem Kartoffelkraut, in den Dorfstraßen nach würzigem Pflaumenmus gerochen. Obsternte überall, schwebende Wärme über den Wegen, goldgelbes Laub unter den alten Pappeln. Daheim setzte ich mich an das Pult und schrieb in einem Zuge auf, was ich gesehen hatte. Zum ersten Male fühlte ich das lösende Glück, etwas Erlebtes auszudrücken. Das Aufsätzchen machte die Runde bei den Lehrern und ich war geheim stolz, immer zu hören, ich habe ihn nicht selber geschrieben. Ich sollte die seltsamsten Erfahrungen mit Urteilen über meine Bücher und umherirrenden Manuskripte machen. Die erste davon passte recht gut in die Reihe.“ - So Siegfrieds Bergers Erinnerung „Die erste eigene Arbeit“, enthalten im Band „Erinnerungen“, 1995 aus dem unveröffentlichten Nachlass herausgegeben vom Walter-Bauer-Preisträger Dr. Hans-Martin Pleßke (1928-2010).
Aufschlussreich, dass Siegfried Berger in Texten, die sich unverkennbar auf Merseburg beziehen bzw. hier handeln (wie eben gehört), Merseburg expressis verbis nur selten nennt. Aufschlussreich dann seine Umschreibungen, so beispielsweise: „die alte Garnisons- und Residenzstadt“, „die Regierungs- und Residenzstadt“, „das alte Kaiserstädtchen“, „die kleine Stadt“, „die kleine Domstadt“, „die Stadt der tausend Schreiber“, aber auch: „dieses Nest“, „das alte Nest“, „das Klatschnest“…
Dennoch scheint Merseburg auch hierbei ein bisschen mehr gemeint und präsent, als jede andere allgemein vorstellbare Stadt, tauchen doch nicht selten typische Merseburger Gaststättennamen auf: „Goldener Arm“, „Halber Mond“, „Palmbaum“, „Ressource“, „Tivoli“, „Zur Sonne“…
Etwa die Hälfte Siegfried Bergers mehr als 20 eigenständigen literarischen Veröffentlichungen haben direkt mit Merseburg zu tun. Es sollte also sinnvoll sein, die wichtigsten hiervon etwas genauer zu betrachten.
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4 Kommentare
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 17.11.2012 | 14:57   Melden
Oliver Leiste aus Landsberg | 23.11.2012 | 14:04   Melden
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Jürgen Jankofsky aus Leuna | 23.11.2012 | 18:06   Melden
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 01.02.2013 | 16:23   Melden
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