Spergauer Lichtmess - Eierfrau und Wurststangenträger

Eierfrauen und Wurststangenträger
Jedermanns Lichtmess-Karriere beginnt als Eierfrau. Sollte allerdings mehr Vierzehnjährige neu in die Lichtmessgesellschaft aufgenommen werden, als zur Darstellung dieser drallen Weiber notwendig sind, würden die um Tage, Wochen oder Monate älteren Neulinge gleich Pritscher. Keinesfalls scheint es für einen Spergauer Jungen jedoch ehrenrührig, in Röcken daher zu kommen, Eierfrau zu sein. Im Gegenteil!
Mit der Kapelle und Figuren, die Anfänger erst nach Jahren darstellen dürfen, einem Ältesten, einem Küchenburschen sogar, ziehen die Eierfrauen beim ganztägigen von Hof zu Hof, sammeln Gaben für den gemeinsamen Verzehr in der Lichtmessküche. Da schnallt man sich doch bereitwillig den Eierkorb auf und läuft brav seine Runde.
Dieses von Hof-zu-Hof-Ziehen der Lichtmessgesellschaft, auch Heischegang genannt, geschieht in wohlbedachter Reihenfolge: Zuerst betritt der Läufer das Anwesen und kündigt das Heischen an. Seit dem morgendlichen Umzug wird er vom Hausherrn und allen Familienangehörigen und Gästen ungeduldig erwartet und entsprechend willkommen geheißen. Nach dem Läufer kommt der Registrator und schließlich erscheinen die eigentlichen Heischegänger: die Eierfrauen, die Wurststangen- und der Milchkannenträger. Denen schließen sich die Vögel, Bär und Bärenführer, der Guckekastenmann und die Händler sowie letztlich die Soldaten an.
Eierbräuche spielen im Sorbischen noch heute eine gewichtige Rolle. In der Unstrutgegend wird um Pfingsten seit jeher das „Eierbetteln“ gepflegt. Einleuchtend scheint, dass den ersten frischen Eiern des bäuerlichen Jahres (das ja zu Lichtmess begann!) einst nicht allein eine materielle Bedeutung zukam. Das Ei symbolisiert Weiblichkeit, Fruchtbarkeit, Leben…
Wurststangenträger ist die vierte Figur, zu der man nach Eierfrau, Pritscher und Schwarzmacher in der Lichtmess-Hierarchie aufsteigen kann. Und Wurststangenträger zu sein, ist doch gleich etwas ganz anderes, als Eierfrau zu mimen: Man trägt weiße Hose mit breiten, roten Generalsbiesen, Frack mit riesigen Knöpfen, Uhrkette, Blume im Knopfloch, gewaltigen Kragen und bunten Schal, schwarzen Zylinder mit rotem Band und darin steckender Feder. Früher zeigte einer der beiden Wurststangenträger noch eine weiße, der andere eine schwarze Schärpe und dazu jeweils harmonisierendes Hals- und Hutband, und die Hutfeder soll stets eine Rabenfeder gewesen sein. Noch immer aber komplettiert eine schwarze Larve diesen betont männlichen Aufputz.
Neben Spergau gibt es heute nur noch sehr wenige Orte, in denen Lichtmess ursprünglich gefeiert wird, so beispielsweise in Glinde bei Schönebeck. Und so verschieden die Glinder der Spergauer Lichtmess ist – eine Figurengruppe weist eine frappierende Ähnlichkeit auf: die Wurststangenträger!
Zu weit also trägt man den Würschteboom, die Stange, auf die von Hof zu Hof eingeheischte Würste geschoben werden. Und nicht nur Läufer und Registrator haben beim Heischen was zu sagen, nein, auch die Wurststangenträger:
„Wir treten hier in dieses Haus
und fordern eine Gabe raus.
Der alte Saukopf dauer Euch nicht,
den essen wir zum Nachgericht.
Und dazu eine krumme Wurst,
die hilft für`n Hunger und nicht für’n Durst!“
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