Spergauer Lichtmess - Guckekasten und Handelsmänner

Spergauer Handelsmann
Und nun also: der Guckekasten und die Handelsmänner!
Ein Guckekasten und zwei Handelsmänner sind vor den kontrollierenden Soldaten die letzten Figuren, die Höfe und Häuser beim Heischen betreten. Der Guckekastenmann trägt seine „Goldgrube“ auf dem Rücken, die Handelsmänner die ihren vorm Bauch. Ansonsten kleiden sich diese drei Männeken nach ihrer Fantasie. Man sieht sie in Kleidern oder Umhängen oder bunten Fräcken in Kombination mit Sportmütze, Strohhut oder Zylinder, Typisch – wer kräftig verdienen will, fühlt sich an keinerlei Äußerlichkeit mehr gebunden.
Im Guckekasten ist Ähnliches wie in der Lichtmesskarre zu sehen. Nicht nur die Schaulustigen auf den Straßen, auch die daheim können so einen Blick „ins Schicksal“ werfen. In aller Ruhe, schön bequem, wer wollte das nicht. Für gewöhnlich kommen so beide Seiten: Guckender und gegen-Bares-Guckenlassender, auf ihre Kosten.
Handelsmann, gleich ob erster oder zweiter, ist eine recht begehrte Position in der Lichtmess-Hierarchie. Aus seinen Verkaufseinnahmen muss der Handelsmann einen zuvor festgelegten Betrag in die Lichtmesskasse abführen. Alles was er darüber hinaus zu erwirtschaften versteht, bleibt sein Verdienst. Und der kann zuweilen beträchtlich sein, hört man. Selbstverständlich muss ein Handelsmann genügend Schnickschnack eingekauft haben, den man dann mit gutem Gewinn verkaufen kann – gefeilscht wird nicht, sind die Käufer erst einmal angelockt: ein jeder zeigt sich großzügig zu Lichtmess.
Alles Geben soll an diesem Tage schließlich auch eine Abrechung des vergangenen Jahres, des Alten, des Gewesenen schlechthin sein. Wer reichlich gibt, schafft also Platz, auf das sich Scheune und/oder Kasse im neuen Jahr prächtig fülle! So scheint eigentlich nichts unverkäuflich zu Lichtmess, kein Schnürsenkel, keine Haarklemme, keine Reißzwecke, Trillerpfeife, Kinderwindmühle… auch wenn die Preise noch so horrend wären. Die Ware aus diesen Bauchläden empfiehlt sich von selbst.
Früher sollen die Händler auch Samenverkäufer genannt worden sein, sollen neben Blumen- und Gemüsesamen auch Unkrautsamen verkauft haben. Der Ursprung dieser Figur also einmal mehr wie bei diesem Fest das Los-, das Glücksprinzip? In Leuna-Ockendorf und in Leuna-Kröllwitz, wo ja einst ein vergleichbarer Brauch begangen wurde, gab es Blumenverkäufer!
Ähnlichkeiten im Auftritt des Karre-Teams mit dem der Handelsmänner im Gefolge des Guckekastenmannes scheinen unübersehbar. Überlagert hier Angepasstes Uraltes? Aber die Zukunfts- und Heilsverkäufer sind offensichtlich viel zu beschäftigt, um derartige Fragen zu beantworten…
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