Spergauer Lichtmess - Läufer (2)

Spergauer Läufer 1923
Einst soll jeder Spergauer Hof ein Band für das Läuferkostüm gespendet haben. So trug der Läufer wohl die Hoffnungen des ganzen Dorfes. Wochen vor Lichtmess soll er die Bänder zusammengeholt und zum Dank zu den beiden, dem Fest vorangehenden Wursttänzen und dem Fest selbst eingeladen haben. Die Bänder sollen den Winter über von den Jungfrauen des Ortes gewirkt worden sein. (Verarbeiteten die Schwarzmacher dann einst die Bänder, die den Bändermann zur letzten Lichtmess umflatterten zu ihren Flechtjacken?) Später soll jede Familie ihr Band gehabt haben, das sie nach Lichtmess immer zurückbekam. Geweiht sozusagen? Auch sollen die Küchenmädchen gehalten gewesen sein, je ein neues Band einzubringen. Heute werden die Bänder vom alten Läufer, bis der neue holt, verwahrt. Und der aktuelle Läufer sollte zum Anschmücken immer vier, fünf neue Bänder zusätzlich mitbringen.
Mitten in der Nacht vor dem Fest, wenn die ersten Schreie und Trompeten durchs Dorf gellen, beginnt die Prozedur des Bänderansteckens. Einst oblag das wohl den Küchenmädchen, dann einem Mann, seit den 1930er Jahren einer Frau. Nun machen seit einigen Jahren wieder die Küchenmädchen den Bändermann wieder zu dem, was er ist. Das Abputzen am Abend nach dem Lichtmesstanz ist eh seit jeher ihre Aufgabe.
Brauch soll auch gewesen sein, dass die umliegenden Ortschaften je ein Band schickten: Leuna-Ockendorf, Rössen, Göhlitzsch, Daspig, Kröllwitz und Kirchfährendorf. Und die Läufer der anderen Gemeinden (in denen einst „Fahsnacht“ gefeiert wurde, aber mit ähnlichen Figuren, ähnlichen Abläufen wie im Brauchtums-Hauptort Spergau) schmückten sich womöglich alle Jahre wieder mit einem Band, das der Spergauer Läufer zur Lichtmess getragen hatten? Wie auch immer, Lichtmess verband hier die Menschen wohl seit jeher miteinander.
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