Spergauer Lichtmess - Pritscher

Spergauer Pritscher
Die Pritscher sind neben den Schwarzmachern Figuren, die vom Bäckerplatz aus nicht von Hof zu Hof ziehen. Ihr Reich sind die Straßen, Gassen und Plätze. Hier wird geschwärzt und gepritscht, übermütig der Winter ausgetrieben!
Noch in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts soll das Eis des Dorfteiches als Freistatt gegolten haben, flohen die Jungfrauen, Mädchen und kleinen Jungen dorthin. Aber das scheint lange her, sehr lange.
Als Pritscher braucht man eine weiße, linnene Hose, ein weißes, mit papiernen Sonnen, Mondarten und Sternen beflicktes Hemd, einen großen, runden, weißen Kragen, eine meist schwarze Halbmaske, einen hohen, spitzen Hut und natürlich – eine Pritsche.
Äußerlich und in dem was sie tun, ähneln Pritscher den Kirmes-Hanswürsten, erinnern auch an die Schweinsblasen-Schläger des Leißlinger Eierbettelns, sogar an Harlekine. Und andernorts heißt pritschen: stieben, klingeln, bengeln, schmackostern … Fitsche, fitsche, grüne!
Die Pritsche, von manchem Altvorderen auch Lebensrute genannt, ähnelt einem übergroßen, zusammengeklappten Fächer und scheint sich zum Austreiben jedweder Winterstarre vorzüglich zu eignen. Da nur noch wenige Leute im Dorf verstehen, eine Pritsche anzufertigen, haben die Vierzehn- bis Sechzehnjährigen sie zumeist von älteren Brüdern, vom Vater oder Großvater gar übernommen. Ihr Kostüm aber haben die Pritscher, wie die meisten Mitglieder der Lichtmessgesellschaft, an manchmal auch heute noch langen Winterabenden streng nach Vorschrift selbst zusammengebastelt.
Während die Schwarzmacher die Jungfrauen und Mädchen jagen, sollten sich die Pritscher eigentlich um die noch nicht in die Lichtmessgesellschaft aufgenommenen Jungen kümmern. Doch zum einen kostümieren sich mittlerweile mehr und mehr Kleine selbst wie Schwarzmacher oder Pritscher und ahmen die Großen nach, zum anderen treiben die Pritscher ihren Kumpanen unermüdlich die zu Schwärzenden zu. Ob Mädchen oder Junge, Mann oder Frau, heute ist niemand mehr vor einem Rußstrich der Schwarzmacher und einem Schlag mit der Pritsche sicher. Kein Gepritschter müsste vor Schmerz zusammenzucken, geschweige denn aufschreien (das Pritschen ist wahrlich nur ein Fächerhauch), und doch werden die Schwarzmacher und Pritscher ihrer Opfer oft erst nach langen lauthalsen Jagden die Straßen und Gassen hinauf und hinunter, um den Dorfteich, über Gartenzäune, auf die Felder, in Ställe und Scheunen oder zu anderen verschwiegenen Orten habhaft. Und gejagt wird den lieben langen Tag, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang!
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
3 Kommentare
295
Danilo Pockrandt aus Halle (Saale) | 07.01.2013 | 18:09   Melden
1.214
Jürgen Jankofsky aus Leuna | 08.01.2013 | 08:32   Melden
1.214
Jürgen Jankofsky aus Leuna | 08.01.2013 | 08:32   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.