Spergauer Lichtmess - Soldaten

Lichtmess-Soldaten mit Küchenbursche
Die Soldaten sorgen für Lichtmessordnung und –recht. Schon eine Figur zuvor, als Wurststangenträger, wird man vollwertiges Mitglied der Lichtmessgesellschaft. Als Soldat hat man nicht nur die Pflicht, die Rechte der Ältesten durchzusetzen, sondern hat u.a. auch das Recht erworben, bei Achtung der Lichtmessgesetze einmal bis zum Ältesten aufsteigen zu können. Ist man in seinem Jahrgang bis jetzt nicht Mitglied der Lichtmessgesellschaft geworden, kann man’s nicht mehr werden. Als Eierfrau kann, als Soldat muss eine Lichtmesskarriere begonnen werden! Die Soldaten sind die „rechte Hand“ der Küchenburschen. Einer von ihnen, säbelbewaffnet, schützt sogar den Frühling, den Läufer also, höchst persönlich. Vor allen anderen Figuren zieht er mit ihm von Hof zu Hof, öffnet ihm Tür und Tor.
Natürlich tragen Soldaten Uniform: früher bei Freiwilligen (Gedienten, die ihre Uniform im Stubenschrank aufbewahrten), dann bei Kostümverleihern oder Fundus des einen oder anderen Theaters nur aufstöberbaren Uniformen ausgeliehen: Husaren, Kürassiere, Dragoner, Ulanen und andere Haudegen streiften früher zur Lichtmess durchs Dorf. Seit einigen Jahren haben die Lichtmess-Soldaten nunmehr eigene, eigens für sie angefertigte blaue Uniformen und stolzieren damit mal mehr, mal weniger achtsam umher: Mal wird ein Auge zugedrückt, wenn Schwarzmacher oder Pritscher über die Strenge schlagen oder wird dem Alkohol über Gebühr zugesprochen, kommen Flegeleien oder Mundraubversuche vor, mal eben nicht. Das hängt wohl davon ab, welches Gesetz den kostümierten Ordnungshütern gerade in den Sinn kommt.
Das Heischen wurde unter anderem als Erinnerung an soldatische Einquartierung gedeutet. Warum nicht auch als Persiflage? Ferner wurde behauptet, die Schwarzmacher erinnerten an schwedische Soldatentracht, somit an den Dreißigjährigen Krieg. Näher mag da liegen, dass Spergau bis zum Ersten Weltkrieg eine Schwadron für die „Blauen Merseburger Husaren“ zu stellen hatte, möglicherweise von daher manches in den Brauch einging. Wie auch immer, selbst das soldatische Element scheint vieldeutig zur Lichtmess…
Noch vor Jahrzehnten sollen die Soldaten im Festzug eine hölzerne Krone mitgeführt haben. Und zur Lichtmess 1920 waren sie sogar beritten. Nach dem Zweiten Weltkrieg hießen sie bis 1966 bezeichnenderweise nicht Soldaten, sondern Ordner.
Sind die letzten Heischegänger aus einem Gehöft, erscheinen die Soldaten nebst einem Küchenburschen und fragen an, ob sich alle Figuren wohlverhalten haben. Dann laden sie für den Abend zum Tanz. Dafür gibt’s dann ein Schnäpschen oder ein paar Euro. Und neuerdings bieten die Soldaten sogar Souvenirs und selbstredend die Lichtmesszeitung an. Na denn, Herrschaften, zugreifen, sonst gibt’s hier Ärger mit dem Gesetz…!
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