Walter-Bauer-Blätter (2)

Collage W.B.

„Lieber Walter Bauer!
Es sind in unserer Klasse eine Menge Gedichte aus Ihrem Buch „Kameraden zu euch spreche ich“ vorgelesen worden. Sie haben uns ohne Ausnahme gut gefallen, da sie ja alle in unserem Sinne geschrieben sind. Sie sind nicht so steif, sondern lebendig geschrieben, und oft ist das Feine daran, daß manche Kleinigkeiten geschildert sind, welche andere übersehen…“
Aus: ’Briefe von Schulkindern an den Dichter’ (in: ‚Volksblatt Halle’ 24.5.1931)

Dr. Hans-Martin Pleßke (Dankesworte anlässlich der Walter-Bauer-Preisverleihung 1994): „Aus der Begegnung mit den Menschen und der Landschaft des mitteldeutschen Industriegebietes wuchs das Werk des Dichters Walter Bauer. Seine Bücher begleiten mich seit nunmehr fünfzig Jahren, sie haben meine innere Entwicklung entscheidend mitbestimmt.“

Günther Birkenfeld (zu ‚Stimme aus dem Leunawerk’ in ‚Vossische Zeitung’ 1931): „…hier erwuchs aus den erbarmungslosen Prüfungen von sechsundzwanzig Hiobsjahren ein neuer Hiob, der von der Liebe und Macht eines Dichters völlig durchströmt ist. Es ist keine Vermessenheit, seinen Namen neben jenen Friedrich Hölderlins zu setzen, der vom Freiheitsdurst der humanistischen Jugend nach dem hellenistischen Götterraume sang. Walter Bauer singt -sonder Vorbild und Beispiel- vom Freiheitsdurst der werktätigen Jugend nach dem menschlichen Lebensraum. Mit diesem einen, im Malik-Verlag erschienenen Buche schon gehört er für immer der deutschen Dichtung an!“

Wilhelm Bartsch (Dankesworte anlässlich der Walter-Bauer-Preisverleihung 2000): „Würde Walter Bauer heute noch dieses schöne und uralte Land im gebeutelten Herzen Deutschlands preisen, das er einmal so geliebt und auch in bleibenden Versen und Worten beschrieben hat? … Ich glaube ja. Vielleicht sogar mehr denn je. Aber vor allem und zuallererst würde er wiederum die Stimme sein der schuldlos auf die Abstellgleise der Geschichte Abgeschobenen, so, wie er einstmals die „Stimme aus dem Leunawerk“ war.“

Stefan Zweig (Ankündigung einer W.B.-Lesung in Wien 1931): „Meiner Meinung nach ist dieser junge, begabte, sozialistische Dichter eine der stärksten Hoffnungen einer wirklich dokumentarischen und sozialen Dichtung in Deutschland.“

Henry Beissel (Nachwort zum Walter-Bauer-Lesebuch ‚Sonnentanz’ 1996): „Als Walter Bauer 1952 im Alter von 48 Jahren nach Kanada auswanderte, tat er einen Schritt, der nicht nur ungewöhnlich, sondern auch waghalsig war. Immerhin war er nach Kriegsende von den Trümmern des ihm verhaßten nazistischen Staates, in dem er als Schriftsteller nach anfänglichem Verbot nur sozusagen im Flüsterton schreiben durfte, wieder auferstanden. Makellos war er nicht, denn er hatte nicht laut und deutlich genug Nein gesagt. Aber er hatte sich seine Glaubwürdigkeit bewahrt, indem er sich weigerte, zum literarischen Handlanger der braunen Henker zu werden, und statt dessen trotz politischer Überwachung ständig bemüht war, etwas vom Geist europäischer Kultur wachzuhalten.“

Peter Gosse (Laudatio zur Walter-Bauer-Preisverleihung 2010): „Im Sommer nahm ich Gelegenheit, Sizilien zu sehen – ich wollte den Süden genießen, und ich genoß ihn. Daraufhin las ich Walter Bauers Reisebericht mit dem Titel ‚Wanderer im Süden’, und der stellte sich heraus als ein Text von mich geradezu beschämender Schönheit. Auch Bauer hatte genossen, selbstverständlich, aber eben dieses Wunderbare darüber hinaus! Im Amphitheater von Syrakus weiß er nicht nur, das Äschylos selbst Regie geführt hat gelegentlich der Aufführung seines Stückes ‚Die Perser’, sondern auch, woher die Stufen stammen, auf denen er, Bauer sitzt: nämlich aus dem benachbarten entsetzlich tiefen Steinbruch. „Wie eine dunkle Wolke stieg die Klage der Gefangenen empor. Ich hörte“, so halluziniert er, ‚den Schrei der Gefangenen.’ Ein doppelt qualvolles Schreien, so ist zu vermuten, denn… ein furchtbarer Bruderkrieg fand statt – für uns Heutige womöglich eines Vorahnung dessen, was angesichts fortschreitender Aufspaltung der Gattung in Arm und Reich auf unserem wunderbaren winzigen Planeten bevorsteht… Und wie da nun der Schriftsteller? Bauer, noch im selben Syrakus-Text, sagt, ’daß er in der Welt sein muß, auf sie den Blick, frei von Illusionen, richten muß, um ihr wie eine Beute das Gedicht, die Frucht bittersten Lebens, zu entreißen’“.

Kurt Tucholsky (Brief an W.B. vom 8.12.1930): „Ich widerspreche Ihrem Werk nur in einem Punkt. Das ist das, wo Sie sagen, es sei nicht „literarisch“, und sie gäben ihm auch keine Form… Das ist ganz falsch. Da hat man Ihnen diese Schlagwörter von der lebensfeindlichen „intellektuellen“ Literatur vorgesungen – das ist alles Unfug. Form ist Wesen. Es gibt keine Kunst ohne Form. Nur: wir machen keine Sonette mehr – das ist wahr. Wer aber durch das Wort wirken will, der muß es pflegen…“
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