WELCHE TÜREN MIR DIE MALEREI ÖFFNETE: ALS ICH DIETER HILDEBRANDT TRAF

  Seit langer Zeit bin ich auch vom politischen Kabarett begeistert. Und im Jahre
2002 sollte wirklich der für mich größte deutsche Kabarettist Dieter Hildebrandt im
Kulturhaus Leuna gastieren. Natürlich durfte ich den Auftritt nicht verpassen und
selbstverständlich auch nicht irgendwo im mit 800 Personen besetzten Saal sitzen,
sondern in der ersten Reihe ihm direkt gegenüber. Durch gute Verbindungen, die ich noch
von früher sehr gern pflege und die auch heute noch unheimlich wichtig sind, gelang mir
das auch.
Vorsichtiger weise hatte ich schon einmal ein von mir gemaltes Ölbild im Kofferraum
meines Autos deponiert. Doch dazu später mehr. Ich hatte mit einer guten bekannten
Künstlerin die Plätze in der ersten Reihe eingenommen und pünktlich um 20.00 Uhr
erschien der Meister allein auf der riesigen Bühne. Als er das erste Mal zu seinem Buch
griff, hatte er erst einmal, wie üblich eine dreiviertel Stunde lang die aktuelle Tagespolitik
auf seine unverwechselbare Art parodiert. Ein Lacher jagte den Anderen, eine Poente die
nächste. Sein Zweieinhalbstunden Soloprogramm begeisterte mich unheimlich und ich
hegte den Wunsch, ihn vielleicht doch noch kennen zu lernen.
Als der letzte Vorhang fiel, meinte ich zu meiner Bekannten, dass wir noch in die
Gaststätte etwas trinken gehen könnten. Dort traf ich eine mir gut bekannte Kellnerin und
ich fragte, wie sie den Auftritt fand, aber sie entgegnete aus Zeitgründen Dieter
Hildebrandt nicht auf der Bühne gesehen zu haben, allerdings sitzt er in der Gaststätte,
direkt hinter einer Säule, die mir den Blick verwehrte. Daraufhin beschloss ich, sofort mein
Bild aus dem Auto zu holen. Ich bat meine Bekannte, ihn nicht entkommen zu lassen. Als
ich zurück war, war der Meister gerade beim Essen von Wiener Würstchen und ich musste
die Gelegenheit nutzen, ihn anzusprechen. Höflich näherte ich mich ihm und beim ersten
Wort von mir, sprang der immerhin schon 76jährige auf und begrüßte mich vornehm. Ich
erzählte ganz kurz meine künstlerische Lebensgeschichte in wenigen Sätzen und erklärte,
dass ich ein Ölbild nach einem Spruch von ihm gemalt habe, dass ich ihm als Dank für
den wunderschönen Abend gern schenken möchte. Der Spruch heißt übrigens: „Es ist
unklug Porzellan zu zerschlagen, wenn man nicht alle Tassen im Schrank hat“.
Selbstverständlich konnte sich der geistig fitte Mann sofort daran erinnern und er war
sichtlich beeindruckt von meiner Umsetzung. Ich hatte es wieder einmal geschafft, einen
herrlichen, intelligenten und bodenständigen Menschen kennen zu lernen.
Natürlich bekamen wir noch bereitwillig persönliche Widmungen in sein neues Buch
und mit einer Geste als, würden wir uns schon seit Jahrzehnten kennen, verabschiedete
er sich von uns. Der Tag war wieder einmal zu etwas Besonderen geworden und wird
ewig in Erinnerung bleiben.
Zwei Jahre später trafen wir Dieter Hildebrandt dann noch einmal gemeinsam mit
Peter Ensikat im Leipziger Gewandhaus und natürlich könnte sich Dieter Hildebrandt,
begünstigt durch mein etwas außergewöhnliches Outfit an mich erinnern, und es ist ein
sehr schönes einmaliges persönliches Foto entstanden. Alles ist möglich. Man muss nur
die Chancen erkennen und nutzen, die einem das Leben bietet.
Peter Gehre
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