Zauberhafter Tiefer Keller

Kam man einst von Osten, von Leipzig her, ins altehrwürdige Merseburg, passierte man hinter der Saalebrücke das wuchtige Neumarktstor. Weiter gelangte man entweder entlang des seit Zeiten König Heinrich I. ummauerten Schlossbergs zu Dom und Schloss oder über Ölgrube und Tiefen Keller in die Altstadt. Genau hier, am einst wohl prägendsten Eingangspunkt Merseburgs, genau hier, am heutigen Aufgang zum Kunsthaus Tiefer Keller, steht nun eine Figurengruppe, die Besuchern wie Einheimischen stolz präsentiert, was diese kleine Stadt am Mittellauf der Saale weltberühmt gemacht hat: die Merseburger Zaubersprüche.
Geschaffen hat diese eindrucksvolle Figurengruppe aus Metall der Merseburger Metallgestalter Klaus-Dieter Urban. Zu entdecken sind neben den originell ins Metall getriebenen Zauberspruch-Texten die in den beiden Zaubersprüchen genannten mythologischen Figuren: Wodan, Baldur, Phol, Sinthgunt, Sunna, Frija, Volla und nicht zuletzt die Idisi… Und da Kunst bekanntlich nicht nur platt abbildet (was wissen wir auch, wie germanische Wahrsagerinnen und Götter aussahen!), sondern zur Auseinandersetzung anregen will, bietet die Urbansche Figurengruppe dank ihrer nachdenkenswerten Gestaltung reichlich Stoff zu tiefgründiger Auseinandersetzung. Wohl an!
Eine zeitlang war im Gespräch, Urbansche Zauberspruchfiguren an einem anderen neuralgischen Punkt zu präsentieren: am derzeit im Umbau befindlichen Merseburger Bahnhofsplatz. Logisch, denn heutzutage ist dies wohl der prägendste Eingangspunkt zur Stadt. Und wo sonst sollte man auf das, was diesen kleinen, alten Ort weltberühmt machte, besser aufmerksam machen können? Leider fand sich in den zuständigen Gremien nicht der über den Bahnhofsvorplatz hinausreichende Weitblick, fand sich keine Mehrheit für solch eine weltläufige Präsentation.
Tatsächlich könnte der Standort Tiefer Keller jedoch neben Schloss und Dom (samt Zauberspruchkabinett) zu einem wahrhaft magnetischen touristischen Anziehungspunkt werden. Denn seit kurzem sind die ihres Gleichen suchenden tiefen und weitläufigen Kellergänge unter dem Tiefen Keller dank unermüdlichem Bürger-Engagements (doch auch städtischen Geldern) nach Jahrhunderten wieder freigelegt und restauriert und zugänglich! Hier unten ließe es sich trefflich raunen, ja, könnten Zaubersprüche in zauberhafter Umgebung hautnah und unter die Haut gehend erlebbar werden…
Doch wer weiß schon davon?
Vorschlag: könnte in nicht allzu ferner Zukunft zumindest ein Schild auf dem Merseburg Bahnhofsvorplatz auf die Urbansche Figurengruppe und die einzigartigen Entdeckungsmöglichkeiten des Tiefen Kellers hinwiesen? Keine Frage, der immer zauberhafter werdende Tiefer Keller wäre es schlichtweg wert!
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