Auf großer Fahrt im Rapsfeld

Mitarbeiter der Ackerbau und Rinder GmbH Spergau. Rechts Geschäftsführer Siegfried Walter
 
Blick aus der Kanzel des Mähdreschers. Raps soweit das Auge reicht.
In diesem Jahr begeht die Ackerbau und Rinder GmbH in Spergau ihr 25jähriges Jubiläum. Ein Grund mal nachzufragen was läuft. „Wir sind mitten in der Ernte“, erzählt Geschäftsführer Siegfried Walter. Der Raps müsse jetzt geerntet werden. Da gäbe es viel zu tun. Und, ja das kann man sich mal ansehen. Es sei möglich mal auf Tuchfühlung zu gehen. Soll heißen, mit einem Mähdrescher auf große Fahrt zu gehen. Man kann halt nur über Landtechnik schreiben, wenn man selbst mal mitgefahren ist. Mähdrescher kennen die meisten sowieso nur aus gebührender Entfernung.
Es ist Samstagmorgen – die Erntezeit kennt keine freien Wochenenden – und auf einem Feld des Spergauer Landwirtschaftsbetriebes jenseits der B91 wird Raps geerntet. Hier besteht das Vergnügen auf einem Lexion - Mähdrescher mitzufahren. Und das geht so: Zunächst klettert man eine zwei Meter hohe Treppe hinauf in das Führerhaus. Das gleicht einer Glaskanzel. Fast wie der Tower am Flughafen. Hier wartet schon Mähdrescherfahrer Roland Leborius. Angenehme 22° im Inneren lassen die Sommerhitze draußen vergessen. Die Luft hier drinnen ist staubfrei und in einer Kühlbox sind erfrischende Getränke. Der Fahrersitz ist gut gefedert und nimmt bei seiner Fahrt über das Feld jede Unebenheit in sich auf. Rechts ragt ein Steuerungsknüppel aus der Armlehne. „Vor“ bedeutet voranfahren, „Rück“ zurückfahren. Mitte ist Halt. Ein kleiner Monitor zeigt alle wichtigen Daten an und kündet davon, dass auch in der Landtechnik die Computertechnik eingezogen ist. Und es gibt sogar einen Beifahrersitz.

Raps soweit das Auge reicht

Per Knopfdruck setzt hinten ein furioses Rumpeln in einem riesigen Hohlraum ein. Das Dreschwerk kommt in Gang. Danach setzt sich das neun Meter breite Schneidwerk in Bewegung und der eiserne Koloss mit seinem starken Motor frisst sich Meter für Meter durch das Rapsfeld. Die Tour de Dresch beginnt. Von hier oben hat man einen anderen Blickwinkel auf das Feld. Raps, Raps und nochmals Raps ist zu sehen. Als führe man übers Meer. Weit am Horizont ein paar Büsche. „Dahinter ist die Autobahn“, sagt Mähdrescherfahrer Leborius. Mit geschätzten 10 km/h geht es über das Feld. Höchste Konzentration ist nötig, um den Lexion zu steuern. Immer wieder muss das Schneidwerk angehoben und wieder abgesenkt werden. Je nachdem ob die Pflanzen geradestehen oder sich umgelegt haben. Oder wenn eine Bodenwelle vor dem Schneidwerk auftaucht. Vorn wird der Raps über eine Welle in das Innere hineingefressen. Innen dann das Korn in mehrfachen Arbeitsgängen vom Halm getrennt und schließlich hinten das Stroh ausgeworfen. Das Hämmern, Rauschen, Drehen und Malmen zeugen davon. „Beim Raps wird das Stroh nicht verwertet, sondern gleich gehäckselt“, erklärt Erntekapitän Leborius „Später wird es dann in den Boden eingearbeitet.“ Vier Hektar pro Stunde schaffe die Maschine, sagt Leborius und er rechne damit, dass er bis zum Abend die 24 Hektar hier abgeerntet hat. Nach ca. einer Viertelstunde ist der Feldrain erreicht. Unmittelbar dahinter die Autobahn. Auf der zischen die Autos im Sekundentakt vorbei. Es ist Ferienzeit.
Dank seines besonderen Fahrwerkes kann der Lexion fast auf der Stelle wenden. Und ohne Verzögerung geht es wie zuvor auf Rücktour. Danach wird meine Mitfahrgelegenheit beendet sein.

Effizienz in der Landwirtschaft

Inzwischen haben sich im Bunker einige Tonnen Rapskörner angesammelt. Auf die warten am Feldrand zwei Getreideanhänger. Dorthin steuert Leborius nach der Rücktour geschickt seinen Mähdrescher. Über einen riesigen, ausschwenkbaren Seitenarm wird das gedroschene Korn in einen der Anhänger geblasen. „Ungefähr sieben Tonnen sind es“, sagt Leborius. Das dauert nur wenige Minuten.
Ernte war mal anstrengender. Früher sah man noch Mägde, Knechte und kopftuchtragende Erntehelferinnen auf den Feldern. An diesen sommerlichen Samstag sind nur zwei Mann damit beschäftigt von den 24 Hektar großen Feld des Spergauer Landwirtschaftsbetriebes die Ernte einzufahren. Sind die Anhänger beladen, kommt der zweite Mann an diesem Tag ins Spiel. Volker Pöritz kommt mit seinem Traktor und fährt die mit Korn gefüllten Anhänger ins nahegelegene Zwischenlager nach Spergau. Effizienz hat in der Landwirtschaft Einzug gehalten. „Der Erfolg hängt nicht nur davon ab wie gut die Ernte ausfällt“, hatte Geschäftsführer Walter erklärt. Heute sei auch entscheidend welchen Preis man dafür erzielen kann. Die Preise für Getreide und andere Agrarprodukte seien ständigen Schwankungen unterzogen. Deshalb müsse man auch auf die Kosten schauen.
Die Verabschiedung vom Mähdrescherfahrer fällt kurz aus, man sieht sich eh bald wieder. Und außerdem, Zeit ist Geld. Ich verlasse die Kanzel und gehe auf respektvollen Abstand. Als ich mich umdrehe ist der eiserne Koloss mit seinem Dompteur schon wieder unterwegs durchs Rapsfeld. Fazit: Landarbeit ist kein Pappenstiel. Das wird erst dann richtig bewusst, wenn man, auch nur für kurze Zeit, mittendrin im Geschehen ist.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Zeitung | Erschienen am 10.08.2016
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MZ - BürgerReporter aus Halle (Saale) | 09.08.2016 | 14:07   Melden
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