Telefonzelle, Telefonhäuschen, Telefonstele

Habe in Leuna eine Telefonsäule entdeckt,in den Farben Magenta und Grau...So ein modernes Terminal, für Münzen und Karten. Es funktioniert sogar...Die Telekom oder den Notruf kann man kostenlos anrufen, vielleicht nimmt es neben Euro auch noch D-Mark an?
Na, wo denn? Am Idustrietor!
Auch gegenüber dem Rathaus steht eine Stele in Magenta & Grau, aber etwas schlichter...Stand da nicht mal eine gelbe Telefonzelle?
Die Deutsche Post hatte den Auftrag, alle 2,5 km eine Telefonzelle aufzustellen, um Leuten, die kein eigenes Telefon zu Hause haben, die Möglichkeit zu geben, auch telefonieren zu können. Und damals hing neben dem Telefon auch noch ein Schild mit der Aufforderung: Fasse dich kurz! Denn für 10 Pfennig im Ortstarif konnte man ewig quasseln...
Ach ja,da waren die Handys noch nicht erfunden.
Diese Zeiten sind vorbei! Inzwischen gibt es in ganz Deutschland über
112 Millionen Mobiltelefone. Heutzutage kommen einem auf der Straße Menschen entgegen,die anscheinend laute Selbstgespräche führen oder nach irgend welchen virtuellen Geistern( Pokemons) suchen. Braucht man da eigentlich noch so ein öffentliches Telefon, was nur Geld kostet. Betriebskosten, Standkosten, Reinigung, Wartung und Reparatur... und dann der Vandalismus, oder sind das noch böse Bubenstreiche...Geldkasetten werden geknackt, Kreditkartenschlitze manipuliert... Wände beschmiert...
Also nur Trödel damit...Es gibt immer noch den Auftrag für die Telekom Basistelefone zur Verfügung zu stellen, um auch im Notfall anrufen zu können.
1990 gab es ca. 160 000 Telefonzellen in postgelb. Seit einem Erlass des Kaisers Maximilian I.Ende des 15.Jh betrieb die Familie Taxis, später Turn u. Taxi den Postverkehr in Deutschland. Die Postillione trugen damals gelbe Uniformen und die Postkutschen waren ebenfalls gelb. !946 verordneten die Siegermächte für die Post in ganz Deutschland die Farbe gelb. Im heutigen Farbsystem hat das Postgelb die Farbnummer 1021 RAL. Mit der Gründung der Deutschen Telekom im Jahre 1995 wurden dann die Telefonhäuschen Magenta und Grau. Magenta wurde die Farbe der neuen Deutschen Telekom und das Grau war die Farbe der alten Fernmeldeämter. Post und Fermeldewesen gingen früher auch schon mal getrennte Wege.
Aber die moderne Technik schläft nicht. Telefonzellen haben inzwischen Hotspots für WLAN und man verwendet Telefonkarten oder Kreditkarten . . zur Bezahlung, da die Gefahr, dass die alten Münzfernsprecher geplündert werden , sehr groß ist. Der Notruf kostet natürlich nichts.
Im öffentlichen Raum könnten 30 000 dieser multimeridialen Terminale überlebt haben, aber die Telekom baut weiter ab.In Schkedtitz verschwand das letzte Gelbe im Juni 2016. Die gelben Häuschen wurden alle schon verscherbelt, die Magenta Grauen sind noch für 450 € zu haben. Allerdings ohne Montage und Lieferung!
Ideenreiche Künstler haben diese kleinen Häuschen für sich entdeckt und diese in Minigärten, Newsverbreiter,wo man am Hörer den Sensationen aus der ganzen Welt lauschen kann, oder als Bücherschränke im Freien, 24 Stunden geöffnet, umgewandelt.
Auch in England sind die alten Telefonhäuschen begehrte Sammelobjekte und dienen nun als Imbissbuden oder schmücken heimische Gärten.
Die Englischen sehen ja auch viel nostalgischer aus, als die schlichten gelben Deutschen.
Die erste Telefonzelle gab es in Berlin 1881. !899 konnte man dann schon Münzfernsprecher in Betrieb nehmen. Ich erinnere mich, dass in Leuna neben der Post auch mal so eine gelbe Telonfonzelle stand. Erst schalldicht geschlossen, später mit Unterkörperfrischbelüftung. An den dicken Telefonbüchern hatten scheinbar manche Leute ihre Wut ausgelassen, so zerfleddert die waren. In der Post selbst, gab es eine braune Telefonkabine. Ferngespräche mußte man am Schalter anmelden und bezahlen und dann durfte man warten...
Inzwischen ist in der guten alten Post eine Physiotherapie eingezogen. Im ehemalgen Fischladen verkauft ein gelber Postshop Briefmarken und nimmt Pakete an, erledigt Aufträge für die Postbank und lädt Guthaben für Mobiltelefone auf. Und das alles auf kleinsten Raum!
In Postnähe steht nur noch ein Briefkasten. Diesen entleert eine private Firma und dessen Klappe fiel auch schon Vandalen zum Opfer.
Ja, in Leuna hatten nur wichtige Personen zu Hause ein privates Telefon oder einen Werksanschluss. Auf solch einen Telefonanschluss haben wir jahrelang gehofft, und erst nach der Wende einen bekommen. Alle verfügbaren Kabel wurden früher vom Werk okupiert.1970 meldeten wir uns für ein Telefon an, 1885 fragte das zuständige Fernmeldeamt Weißenfels schriftlich nach, ob noch immer ein Interesse besteht, und nach 1990 stellte ich mich dann am Postamt Merseburg in einer langen Schlange an, um erneut einen Telefonanschluss zu beantragen. Dabei war ich seit 1965 im Fermeldewesen beschäftigt. Nachdem die Glasfaserkabel velegt waren und die neue Vermittlungsstelle auf dem Krähenberg entstand, bekam endlich jeder das gewünschte Telefon.Vorher war unter anderen am Brunnenhäuschen am Sachsenplatz ein kleiner Verteiler,
In Berlin hat jetzt sogar drei gelbe Telefonhäuschen in Minidiskos verwandelt.
Darin kann man für 2 Euro schon mal vortanzen und sich einebeln lassen. Bis zu vier Leute passen in die Zelle und das ganze dauert solange der gewählte Hit geht.
Christel Tippelt
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