Wie Oebles – Schlechtewitz zu seinem Namen kam

Die 133jährige Luthereiche mit dem Bauernstein. Einst Grenze zwischen den noch nicht vereinigten Orten Oebles und Schlechtewitz wusste Gästeführerin Hannelore Ulrich zu berichten.
 
Bad Dürrenbergs Bürgermeister als Gästeführer. Fast einhundert Einwohner und Gäste gingen mit auf die historische Erkundungstour durch den Ort.
Oebles – Schlechtewitz liegt zwischen Halle, Leipzig und Naumburg südlich von Bad Dürrenberg. Der Ort besteht aus Oebles im Westen und Schlechtewitz im Osten. Viele Geschichten und Mythen ranken sich um den Ortsnamen Oebles – Schlechtewitz. So soll König Heinrich I. im Jahr 933 beim Mahl nach der Schlacht gegen die Ungarn ein Stein in die Schüssel gesaust sein. Daraufhin habe er ausgerufen: „Hier ist Übelsein und Schlechtessen!“ Eine zweite Geschichte berichtet von einem Führer der Ungarn der gesagt haben soll, dass ihm hier „Übles und Schlechtes“ widerfahren sei.
Alles nicht wahr, sagte Gästeführerin Hannelore Ulrich zu Beginn einer besonderen Erkundungstour durch den Bad Dürrenberger Ortsteil Oebles – Schlechtewitz. Wie kam Oebles – Schlechtewitz zu seinem Namen? Was hat es mit der Hitlereiche, dem Bauernstein und der Luthereiche auf sich? Diese und weitere interessante Fragen sollten im Verlauf der Tour durch den Ort beantwortet werden.

Die kleinste Gemeinde im Saalekreis


Einleitend berichtete die Gästeführerin, wie die Entstehung des Ortes sich vollzog. Bereits in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts war das Gebiet durch die Sorben, ein slawischer Volksstamm, besiedelt. Entsprechend hießen die Orte da noch Öbliz und Slechtewitz. Laut Ortschronik fand die erste Erwähnung im 14. Jahrhundert statt. „In den Dörfern Oebles und Schlechtewitz gehörte den Bauern das Hauptproduktionsmittel – Grund und Boden“, schrieb die Chronistin und letzte Bürgermeisterin der Gemeinde Oebles – Schlechtewitz Petra Jahn. Oebles und Schlechtewitz gehörten bis 1815 zum hochstift-merseburgischen Amt Lützen. Bei der politischen Neuordnung Preußens im Jahr 1816 wurden beide Dörfer dem Regierungsbezirk Merseburg zugeteilt. In diese Zeit fällt auch die Verbindung der beiden Ortsteile zu Oebles – Schlechtewitz. Am 1. Juli 2008 wurde der Ort in die Stadt Bad Dürrenberg eingemeindet. Sie war bis dahin die kleinste Gemeinde im Saalekreis.


Bürgermeister als Gästeführer


Hannelore Ulrich, der Bad Dürrenberger Bürgermeister Christoph Schulze und Ortsbürgermeister Sven Dunzel führten die fast einhundert Einwohner und Gäste auf Erkundungstour durch den Ort. „Für mich ist das eine willkommene Abwechslung“, sagte der Bad Dürrenberger Bürgermeister Christoph Schulze auf die Frage, was ihn bewege, als Gästeführer dabei zu sein. Dabei habe er auch die Möglichkeit, die Orte, die zu Bad Dürrenberg gehören und deren Geschichte besser kennenzulernen.
Den ersten Halt auf dem Rundgang gab es am Kriegerdenkmal. Hier räumte Ortsbürgermeister Sven Dunzel mit dem Mythos "Hitlereiche" auf. Der Eichenbaum sei in Wirklichkeit eine Friedenseiche. Gepflanzt zum Ende des Ersten Weltkrieges. Zwar sei 1933, anlässlich Hitlers Machtergreifung, mit viel Pomp auch eine Eiche gepflanzt worden, aber zwei beherzte Einwohner hätten den Baum mit Säure begossen, sodass er bald danach abstarb. Die Beiden seien damals die einzigen verbliebenen Mitglieder der SPD im Ort gewesen, erklärte Dunzel.
Keine hundert Meter weiter steht in Oebles – Schlechtewitz die 133-jährige Luthereiche mit dem Bauernstein. Hier wusste Gästeführerin Hannelore Ulrich zu berichten, dass diese Eiche 1883 zu Ehren des 400. Geburtstages des Reformators gepflanzt wurde. Interessant für die vielen Gäste war auch, zu erfahren, dass der Bauernstein, gleich neben dem Baum, damals die Grenze zwischen den noch nicht vereinigten Orten Oebles und Schlechtewitz markierte.
Weiter führte der Weg zum Friedhof mit dem Gedenkstein für die Opfer der Choleraepidemie. Am 13.Juli 1832 ausgebrochen, raffte die Seuche jeden fünften Einwohner des Ortes dahin.
Seit dem 19. Jahrhundert wurde im Ort Braunkohle abgebaut. Zum Schacht und zur Villa des ehemaligen Mariewerkes führte die Tour weiter. Auch hier gab es Interessantes und noch nicht Bekanntes aus der Historie des Ortes zu berichten.

Spenden zum Erhalt des Gradierwerkes


Weit über zwei Stunden dauerte der Rundgang, der am „Haus der Begegnung“ endete. Die Führung war übrigens kostenlos. Lediglich, um Spenden zum Erhalt des Bad Dürrenberger Gradierwerkes wurde gebeten. Dabei zeigten sich die Gäste in bester Spendierlaune. Am Ende konnten 542,46 € auf dem Spendenkonto verbucht werden.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Facebook | Erschienen am 11.10.2016
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MZ - BürgerReporter aus Halle (Saale) | 10.10.2016 | 14:29   Melden
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