Schulplanungsdesaster: Molmerswende ab 06:02 Uhr

Grundschule Wippra
 
Ostharz, bildungsfreie Zone !!
Mansfeld: Molmerswende |

Ende Oktober hat der Stadtrat Mansfeld einen Beschluss gefällt, demzufolge die Ortsteile entlang der Harz-Hochstrasse schulkreismäßig definitiv zu Mansfeld geschlagen werden. Dies ist nötig, um gegenüber dem Lande Bestandessicherheit der Grundschule Mansfeld auszuweisen und somit an die EU-Fördertöpfe für Um- und Ausbau zu kommen. Über die Folgen dieses Entscheides für die Region scheint sich niemand Gedanken zu machen.

In der mz liest sich das so: "Um das auch in Zukunft zu garantieren, hat Mansfeld die Kinder der Ortsteile, die bisher nach Wippra gehen, vorsichtshalber der eigenen Grundschule zugeordnet. Darauf zurückgegriffen werden soll aber nur, wenn man diese benötigt, um auf die geforderte Schülerzahl zu kommen. Andernfalls können die Kinder in Wippra bleiben. Man will deshalb von Jahr zu Jahr prüfen, wie verfahren wird. Christin Hachmeister-Hübner, die Schulamtsleiterin des Landkreises, hofft, „dass beide Seiten damit leben können“. Quelle mz

Von wegen leben können...

Wer sicher mit diesem Entscheid leben kann, ist der Stadtrat von Mansfeld, welcher sich hier mit EU-Fördergeld eine neue Grundschulinfrastruktur zu beschaffen hofft, so denn die Verordnungen 2014-19 vorliegen, was bisher noch nicht der Fall ist.
Sicher NICHT leben kann mit diesem Entscheid die Grundschule Wippra, welche ab sofort in der Schulplanung unter den geforderten Zahlen liegt, da die Kinder, welche aus den umliegenden Mansfelder Ortsteilen nur auf Zeit die Schule Wippra besuchen und in Wirklichkeit zu Mansfeld geschlagen wurden... "Das ist ja nicht so schlimm", wird der Stadtrat sagen, "Wippra gehört ja eh zu Sangerhausen und uns geht es um unsere Schule".

Molmerswende ab 06:02


Um diese Zeit fährt der Schulbus in Molmerswende los, sammelt die Kinder aus Abberode, Friesdorf, Hermerode, Braunschwende Popperode, Hermerode, und Ritzgerode usw. ein, um dann eine Stunde später in Mansfeld anzukommen. Wenn die Schulamtsleiterin nun von zwei Seiten spricht, müssen ja neben dem Stadtrat Mansfeld wohl die Eltern der betroffenen Ortsteile als zweite Seite gemeint sein. Somit wäre der Planerin zu empfehlen, in den Monaten Dezember bis März in Molmerswende oder Abberode au pair-Dienst zu machen und dafür zu sorgen, dass die 6-Jährigen, welche da ab 05:45 und noch früher ihr Haus zu verlassen haben bei Wind und Wetter pünktlich um 6 Uhr an der Bushaltestelle bereitstehen. Dann könnte man die Aussage "dass beide Seiten damit leben können".. um einen Selbsterfahrungsbericht ergänzen. Das wäre sicher spannend.

Ostharz wird entschult

Planerisch passiert jedoch etwas viel Gravierenderes: Da man Wippra Schüler aus Mansfeld wegnimmt und deren Schulweg von ehemals 7 Kilometern auf über 20 Kilometer Zick-Zack- Busfahrt verlängert, ist nach jetzt geltender Schulplanungsverordnung Wippra ab sofort nicht mehr sicher. Somit verbleiben im östlichen Harz genau zwei Grundschulen: Harzgerode und Welbsleben. Das wars dann. Gleichzeitig lässt sich festhalten, dass unter diesen Voraussetzungen Familienzuzug im Wippertal und entlang der Harzhochstrasse so gut wie ausgeschlossen sein wird, diese Dörfer ausbluten.
Das ist tragisch, weil sich hier nämlich Leben zu regen beginnt, getragen von jungen, initiativen Familien. Genau der Anfang, den Sachsen-Anhalt so krampfhaft sucht, um endlich Abwanderung von jungen Familien und Wanderungsverlust zu stoppen. Hat man übersehen, dass beispielsweise Molmerswende inzwischen in Sachen Kultur eine tolle Adresse und Anziehungspunkt für Besucher und Neuzuzüger ist? Vielleicht mal das Google-Verzeichnis betrachten?

Schulplanungsverordnung lässt keine andere Wahl

Es wäre nun zu einfach, lediglich den Stadtrat von Mansfeld für diese katastrophale Planung verantwortlich zu machen. Ausgelöst und gefordert werden diese Entscheide ja durch die Schulplanungsverordnung SEPl-VO 2014 der Landesregierung, welche in dieser Region innerhalb von vier Jahren die Mindestschülerzahlen von 40 auf 80 verdoppelt. Europaweit ist das ein einmaliger Vorgang mit dem Ziel, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Landschulen zu schließen.
Dies geschieht im krassen Gegensatz zu den Bemühungen Bayerns, wo Schulen ab 26 Kinder gehalten werden, genau so auch in Österreich und der Schweiz, wo das Kleinschulsystem mit jahrgangsübergreifendem Unterricht jahrzehntelange Tradition hat und ganz entscheidend zur Stabilisierung der Bevölkerung im ländlichen Raume beigetragen hat.

Protest nach Magdeburg tragen!

Eine Nebenerscheinung dieser Planungsauflagen ist die Tatsache, dass ja im Grunde genommen kein Ortsteil, keine Gemeinde, keine Stadt eine einzige Grundschule schließen möchte. Sie alle wissen von der Bedeutung der ortsnahen Grundschulversorgung. Die jetzige Planungsverordnung des Landes will jedoch vollzogen sein, was zur Folge hat, dass zwischen den einzelnen Ortsteilen ganz üble Kämpfe ausgefochten werden, was das Miteinander in der Verwaltungs- oder Einheitsgemeinde auf Jahrzehnte hinaus belasten wird. Auch das ist ein Punkt, der in dieser Planung offensicht zu wenig berücksichtigt wurde.
Es ist also das gute Recht der Gemeinden, vor allem aber auch der Kreisdelegierten und der Landräte, diese Schulplanungsverordnung als nicht geeignet für den ländlichen Raum zurückzuweisen, als Ganzes abzulehnen. Man könnte auch sagen: Es ist geradezu Pflicht, denn eigentlich besteht doch die Aufgabe jedes Politikers darin, Schaden von dem ihm anvertrauten Gut, sei das nun Land, Quartier oder Gemeinde, abzuwenden. Dass diese Verordnung den ländlichen Raum schwächt, ist bei Schließung von rund 50% aller Landschulen offensichtlich.
Auf den Punkt gebracht hat dieses Thema der Bürgermeister von Jessen, Herr Brettschneider (CDU) : „Die Einführung des Demografie-Faktors durch die Landesregierung führt zur Zerschlagung der ländlichen Räume, das hat mit Entwicklung nichts mehr zu tun, das ist der Wahn der Vernichtung von Werten und Lebensperspektiven.“ Quelle Supersonntag
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