Fotografie-Geschichte: "Das historische Vergrößerungsgerät"

Ein Vergrößerungsgerät ist ein historisches Gerät in der Fotografie. Es
ermöglichte durch optische Projektion, vergrößerte Papierbilder aus
Negativen oder auch Diapositiven herzustellen.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert konnten wegen fehlender
Beleuchtungseinrichtungen Vergrößerungen nur sehr schwer oder gar nicht
hergestellt werden. Es fehlten zudem lichtstarke und kontrastreiche
Objektive mit einem hinreichend großen Bildfeld. Deshalb wurden
Großbildkameras mit Negativformaten bis 24×30 cm und größer verwendet, bei
denen durch Kontakt ein großer Abzug herzustellen war. Erst leistungsfähige
einfache Beleuchtungen ermöglichten Vergrößerungsgeräte, die dem
Kleinbildfilm mit dem Aufnahmeformat von 24×36 mm zum Durchbruch verhalfen.
Wesentlich war ebenfalls das Erscheinen von leistungsfähigen lichtstarken
Objektiven mit einem Bildfeld, das in der Brennweite etwa der
Bild-Diagonalen entsprach. Ein wichtiger Schritt war das 1904 von Rudolph
von der Firma Carl Zeiss, Jena, entwickelte Tessar; eine Triplet-Variante
mit 4 Linsen.

Im Prinzip ist ein Vergrößerungsgerät ein Projektor, der ein beleuchtetes
Negativ (oder Diapositiv) auf eine Fläche (Bildebene) projiziert, auf die
lichtempfindliches Fotopapier gelegt wird. Die Belichtungszeit wird mit
einer Belichtungsschaltuhr (Zeitschalter) gesteuert.

Aus dem latenten Bild im Fotopapier wird dann mit einer chemischen
Entwicklung in der Regel ein Positiv hervorgerufen.

Vergrößerungsgeräte bestehen aus einer Grundplatte und einem Projektor
(Vergrößererkopf, bestehend aus Lampenhaus, Negativbühne und Objektiv), der
beweglich an einer Säule angebracht ist. Alternative Konstruktionen haben
eine Parallelogrammführung. Um während der vergrößerten Aufbelichtung des
Negatives auf das Fotopapier ein Verwackeln zu vermeiden, muss der Aufbau
eine hohe Steifigkeit besitzen.

Diese Konstruktion hat sich durchgesetzt, da hierbei sowohl das Negativ als
auch das Fotopapier waagerecht liegen und nicht verrutschen können.

Die Größe des projizierten Bildes hängt von der Brennweite des Objektives
und von dem Abstand der Bildbühne vom Foto-Papier ab. An der Säule oder dem
Kopf des Vergrößerungsgerätes ist daher häufig eine Anzeige des
Vergrößerungsmaßstabs angebracht. Zur Scharfeinstellung ist das Objektiv im
Abstand gegenüber der Negativbühne einstellbar.

Manche Vergrößerungsgeräte gestatten es, den Vergrößererkopf in die
Waagerechte zu schwenken, so dass zum Beispiel gegen eine Wand projiziert
werden kann. Die Distanz zwischen Negativ und Wand bestimmt hier den
Vergrößerungsmaßstab, es sind Entfernungen bis zu einigen Metern möglich.
Diese Geräte müssen besonders steif konstruiert sein, weil die
Verwacklungsgefahr mit dem Vergrößerungsmaßstab steigt.

Das Negativ muss während der Projektion möglichst gleichmäßig und hell
ausgeleuchtet werden.

Anfänglich wurde eine Kerze, die hinter das Negativ gestellt wurde, oder
Tageslicht, das durch ein Fenster in die Dunkelkammer fiel, verwendet. Das
konzentrierte Kerzenlicht wurde mit Hilfe einer Streuscheibe (Opalglas bzw.
„Milchglas“) gleichmäßig auf das negativ verteilt.

Beim späteren Übergang auf Glühlampen als Leuchtmittel wurde die
Streuscheibe weiter verwendet, bevor Opallampen in Gebrauch kamen.

Zur Beleuchtungseinrichtung, die im Lampenhaus untergebracht ist, gehört
heute mindestens auch eine plankonvexe Kondensor-Linse, damit möglichst viel
vom vorhandenen Licht das Negativ passiert. Das Negativ liegt an der planen
Seite dieser Linse. Oft kommt ein sogenannter Doppel-Kondensor zur
Anwendung. Bei ihm sind in einer gemeinsamen Fassung zwei meistens gleiche
plankonvexe Linsen zusammengefasst, wobei die konvexen Linsenflächen
einander zugekehrt sind.

Zur Steuerung der Belichtungszeit dient eine Belichtungsuhr, die mit einem
Lichtmengenmessgerät kombiniert sein kann. Sie schaltet die Lampe nach einer
einstellbaren Zeit ab. Die erforderliche Belichtungszeit richtet sich nach
dem Vergrößerungsmaßstab, den Eigenschaften des Fotopapieres und der
gewünschten Gradation. Die Belichtungszeit muss bei Verwendung einer
Belichtungsuhr für jedes Negativ und jeden Maßstab experimentell neu
bestimmt werden. Dazu werden mehrere Fotopapier-Teststreifen
unterschiedlichen Belichtungszeiten ausgesetzt und entwickelt.

Um die Qualität des Negatives bei der Vergrößerung weitgehend zu erhalten,
muss das Vergrößerungsobjektiv eine hohe Qualität haben. Es benötigt jedoch
keine eigene Entfernungseinstellung, da diese zumeist im Gerät eingebaut
ist. Objektive mit Zoomfunktion sind nur in Printerlaboren üblich, damit
Vergrößerungsänderungen bei diesen weitgehend starren Konstruktionen ohne
Objektivwechsel möglich ist.

Vergrößerungsobjektive sind üblicherweise auf einen Nahbereich von 1:10 bis
1:3 optimiert. Sie sind besonders auf geringe Verzeichnung und hohe
Bildfeldebnung konstruiert, um die plane Fläche des Negatives auf die plane
Fläche des Papieres scharf abzubilden. Die offene Blende wird üblicherweise
nur zum Einstellen verwendet. Die optimale Blende liegt bei 1:5,6 bis 1:11.
Auch Vergrößererobjektive sollten vergütet (antireflexbeschichtet) sein, um
unter Anderem den Bildkontrast zu erhalten. Günstig ist weiterhin, wenn das
Gerät über eine Bildfeldblende verfügt, mit der nur der gewünschte
Bildausschnitt beleuchtet wird. Sie verhindert Überstrahlungen.
Überstrahlungen im Bild durch mangelnde Vergütung und fehlende
Bildfeldblende lassen sich durch Änderung der Papier-Gradation, Belichtung
und Entwicklung kaum beeinflussen. Erkennbar sind sie insbesondere, wenn die
Lichter aus dunklen Bereichen zulaufen.

Die Lichtstärke (max. Blendenwert) hat eine geringe Bedeutung, geringere
Lichtstärken können durch längere Belichtung ausgeglichen werden.

Die Blende kann helfen, Unschärfe zu vermeiden, indem nach der
Scharfstellung abgeblendet wird, wodurch sich die Schärfentiefe erhöht.

Mit der Einführung der digitalen Fotografie haben solche Geräte völlig an
Bedeutung verloren und werden auch nicht mehr hergestellt. Jedoch kann man
in vielen Haushalten diese Zeitzeugen noch finden, denn sie waren im
Hobby-Bereich in vielfältigen Ausführungen sehr weit verbreitet.


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ab und planen mindestens 2 Stunden Besuchszeit ein?

Geöffnet ist regulär jeweils Di-Do 9-16 Uhr, Fr. 9-14 Uhr und an den
Wochenenden von 10-16 Uhr. Letzter Einlaß jeweils eine Stunde vor Schließung
oder bei Eintritt der Dunkelheit aus Sicherheitsgründen.

Im Winter kann es sicherheitstechnisch bedingt zum kurzfristigen Schließen
der Ausstellung kommen, daher ist ein vorheriger Anruf sinnvoll.

Erreichbar ist der Luftfahrt- und Technik Museumspark Merseburg über die
Hans-Grade-Str./Ecke Kastanienpromenade in 06217 Merseburg von der B91(am
gelben Hubschrauber Aérospatiale SA-318 abbiegen)
bzw. über die A38 Abfahrt Merseburg-Nord aus.


Text & Fotos
Förderverein Luftfahrt- und Technik Museumspark Merseburg e.V.
Kastanienpromenade 50 /
Hans-Grade-Str.
06217 Merseburg

Tel. 03461 525776
Fax 03461 525778

www.luftfahrt-technik-museum.de
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2 Kommentare
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 07.10.2013 | 22:04   Melden
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 11.10.2013 | 18:15   Melden
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