König Karl und seine Minuskel

Wann? 17.10.2015

Wo? Schlossmuseum, Merseburg DE
Erste Versuche an der Minuskel
Merseburg: Schlossmuseum |

Im Rahmen der Sonderausstellung "1000 Jahre Kaiserdom Merseburg" wird im Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg ein Einführungskurs "Schreiben wie Bischof Thietmar" angeboten.

Karolingische Minuskel - noch nie gehört?! Dann wird es überraschen, dass wohl jeder von uns bereits damit in Berührung gekommen ist.

Lt. Wikipedia klingt das so:
"Als karolingische Minuskel wird eine Schriftart bezeichnet, die nach neuesten Erkenntnissen Mitte des 8. Jahrhunderts als Regionalschrift im Königskloster Corbie entstanden ist. Diese zeichnet sich durch Klarheit und Einfachheit des Schriftbildes aus. Aus ihr entwickelten sich über die humanistische Minuskel die heutigen Kleinbuchstaben der lateinischen Schrift."(gekürzt)

Was also bedeutet: Es ist eine stilisierte Alltagsschrift und eine Vorform unserer heutigen kleinen Buchstaben.
Ursprünglich hatte man übrigens angenommen, diese sei in der Hofschule Karls des Großen (aus der Familie der Karolinger) kreiert worden. Und so ist die karolingische Minuskel zu ihrem Namen gekommen.

Ich war vor vielen Jahren während meines Studiums (Seminare: Historische Buchkunde) auf Karls schriftlichen Spuren gewandert und so konnte ich der Verlockung dieses Kurses nicht widerstehen.

Im Gewölbe des Schlosses Merseburg war mit viel Liebe zum Detail ein mittelalterliches Scriptorium aufgebaut worden. Unter Anleitung von Gabriela Wippert machten wir Aushilfsmönche uns ans Werk. Abgesehen vom modernen Licht fast unter historischen Bedingungen - mit Federkiel und Schwarztinte in Tintenhörnern, an Pulten auf Pergament schreibend.
Die ersten Übungen auf einem Vordruckbogen erinnerten dann aber sehr an erste, mühselige Schreibversuche in der Schule.
Der Trick und die Herausforderung ist vor allem in der Beschaffenheit des Schreibgerätes begründet. Alle Striche und Bögen werden immer von oben nach unten geführt. So entsteht das ganz typische Erscheinungsbild der karolingischen Minuskel. Höhen und Tiefen der Schriftgröße sind ein weiteres Merkmal und dienen gleichzeitig als Schmuckelement.

Im Verlauf der etwa 1,5 stündigen Lehrstunde beschrieben wir ein Pergament und fertigten eine Urkunde, die uns als königliche Schreiberlinge auswies. Kühn setzten wir schließlich den Vollzugsstrich im Handzeichen des Herrschers und hatten so mit etwas krimineller Energie die Unterschrift König Heinrichs gefälscht.

Meine Begeisterung über diesen Nachmittag hält immer noch an. Wer es selbst einmal versuchen möchte: hier die letzten Termine.

17. Oktober und 31.Oktober jeweils 10 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr
Gruppen sollten sich anmelden, denn die Pultplätze in der Schreibstube sind begrenzt.
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2 Kommentare
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Christine Jäger aus Kabelsketal | 15.10.2015 | 19:15   Melden
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Gabriele Degen aus Halle (Saale) | 15.10.2015 | 19:41   Melden
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