Stolzer Name für außergewöhnliche Sammlung

Mit seiner zylindrischen Architektur ist das Deutsche Fotomuseum ein Hingucker.
 
Auf der mittleren Etage des Museums kann man ebenfalls eine historische Dunkelkammer entdecken.
 

Nach dem Umzug der Sammlung des Kamera- und Fotomuseums Mölkau können Besucher seit kurzem viele Raritäten aus der Geschichte der Fotografie an einem neuen und großzügigen Standort in der unmittelbaren Nähe von Leipzig besichtigen.

Mit der Eröffnung des Deutschen Fotomuseums am 26. August dieses Jahres ging für Kerstin Langner und Andreas J. Mueller ein langersehnter Wünsch in Erfüllung: Ihre historische Sammlung an Fotoapparaten und Originalfotografien an einem repräsentativen Ort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit fast 19 Jahren leiten beide ein kleines aber feines Museum in Mölkau, das der Fotograf Peter Langner bereits im August 1989 als „Photographische Sammlung“ gegründet hatte. Nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahre 1994 entschied Kerstin Langner, gemeinsam mit dem Cartoonisten Andreas J. Mueller diese unschätzbare Sammlung zu erhalten und sie mit regelmäßigen thematischen Fotoausstellungen in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Neben vielen historischen Fotoutensilien enthält die Sammlung auch Originalprints, deren Zahl bis heute auf 70.000 Originalabzüge gestiegen ist.
Das bis vor kurzem in einem alten Fachwerkhaus befindliche Kamera- und Fotomuseum Mölkau schien in den letzten Jahre förmlich aus allen Nähten zu platzen. So konnte immer nur ein Bruchteil der außergewöhnlichen Exponate gezeigt werden.

Vom alten Fachwerkhaus zum futuristischen Neubau


Seit mehr als 10 Jahren haben Kerstin Langner und Andreas J. Mueller deshalb in Leipzig nach einem größeren Domizil für ihr Museum gesucht. Durch die Fokussierung auf die Messestadt haben beide erst relativ spät realisiert, dass im angrenzenden Markkleeberg auf dem landschaftlich schönen Agra-Park-Gelände ein futuristischer Museumsneubau leer stand, der einst ein Museum für die Landwirtschaft beherbergte. Nun galt es noch, den Oberbürgermeister von Markkleeberg und seinen Stadtrat vom Konzept eines Fotomuseums im Agra-Park zu überzeugen und das leerstehende Museumsgebäude mit Leben zu erfüllen. Immerhin bietet das in einer zylindrischen Architektur gebaute Gebäude mit 1.500 Quadratmetern zehnmal mehr Ausstellungsfläche als das Fachwerkhaus in Mölkau. Auch das Innere des Gebäudes mit einem spiralförmigen Aufgang und einer breiten Glasfront passt perfekt und erinnert an eine kleine Version des New Yorker Guggenheim-Museums. Am 17. Oktober 2012 stimmte der Stadtrat von Markkleeberg dem Fotomuseumsprojekt mehrheitlich zu. Der Umzug von Mölkau in das neue Domizil konnte in Angriff genommen werden.
Neben der Stadt Markkleberg und dem Kulturraum Leipziger Raum unterstützen mit einem erheblichen Beitrag die Cewe Color AG, die Sparkasse Leipzig und die Siemens AG dieses Museumsprojekt. Träger des Museums ist weiterhin der Kamera- und Fotomuseum Leipzig e.V.

Ein Spaziergang durch die Geschichte der Fotografie


In den neuen großzügigen Räumlichkeiten werden derzeit neben mehr als 400 Originalfotografien über 200 historische Kameras und Fotoutensilien präsentiert.
Die breite Glasfront sorgt für eine lichtdurchflutete Ausstellungshalle.
Im Erdgeschoss erhält der Besucher Einblicke in früheste fotografische Techniken und in den Aufwand der damaligen Reisefotografie mit sperrigen Plattenkameras. Den Mittelpunkt bildet die große Reprokamera von Hoh und Hahne Leipzig aus dem Jahre 1890 als wertvollstes Ausstellungsstück.
In einem gesonderten Ausstellungsbereich im Erdgeschoss wird der vor kurzem verstorbenen Mode- und Aktfotograf Günter Rössler aus Markkleeberg mit Aktfotografien aus der Sammlung des Museums gewürdigt.
Entlang des spiralförmigen Aufgangs hängen chronologisch angeordnet Fotografien zur Geschichte des Mediums bis hin zu aktuellen Tendenzen der Bildsprache. Sie verdeutlichen die Entwicklungen der Fotografie von einer Form der reinen Abbildung bis hin zu einer eigenständigen Kunstform. So kann sich der Besucher quasi spazierend durch die verschiedenen fotografischen Epochen arbeiten und dabei viele Fotounikate entdecken.
Über den Aufgang gelangt man in weitere Ausstellungsräume, findet sich in einem alten Atelier oder in einer historischen Dunkelkammer wieder. Das Obergeschoss ist der zeitgenössischen Fotografie vorbehalten. Hier wird auch der Fotograf Peter Langner gewürdigt, der mit seiner Sammlerleidenschaft den Grundstein für das Fotomuseum legte.

Stolzer Name mit hohem Anspruch


Das im Fotomuseum sowohl Kameratechnik als auch Fotografien präsentiert werden ist den beiden Museumsmachern Langner und Mueller sehr wichtig. Schließlich hatte die Entwicklung der Kameratechnik erheblichen Anteil an der fotografischen Kreativität oder der Entwicklung einer Bildästhetik. Diese zusammenhängende Betrachtung der Fotogeschichte ist eines der wichtigen Unterscheidungsmerkmale des Deutschen Fotomuseums in Markkleeberg zu anderen Einrichtungen dieser Art in Deutschland, die sich meist nur mit einer der beiden Seiten des Mediums Fotografie beschäftigen.
So lässt sich möglicherweise auch der Name „Deutsches Fotomuseum“ verstehen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass es sich hier um kein staatliches Museum handelt sondern um eine private Einrichtung, die neben Sponsoren von der Stadt Markkleeberg unterstützt wird. „Wir haben uns umgesehen in der Museumslandschaft und trauen uns diesen Namen zu“, sagte Andreas J. Mueller. Deshalb soll die Ausstellung im Museumskomplex nicht nur schrittweise erweitert werden. Mit Partnern aus anderen Einrichtungen werden thematische Ausstellungen wie etwa die „Ästhetik der Lüste“ fortgeführt oder Ausstellungen ausgetauscht. Eine entsprechende Zusammenarbeit mit dem Landeskunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt ist bereits angedacht.
In naher Zukunft wird noch ein weiterer Ausstellungsraum fertiggestellt, und das Museum um ein Cafe und einen Museumsshop erweitert.
Auf jeden Fall ist das Deutsche Fotomuseum in Markkleeberg für viele Fotofreunde und auch für die Fachwelt ein guter Tipp.

Deutsches Fotomuseum
Raschwitzer Straße 11 in 04416 Markkleeberg

Öffnungszeiten: täglich von 13:00 bis 18:00 Uhr, außer montags
Tel. 0341 65155711
e-mail: kontakt@fotomuseum.eu
www.fotomuseum.eu

Text und Fotografien: Wolfgang Kubak
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