An der Saale hellem Strande…

Tagesetappe bis Merseburg geschafft
 
Rast am schönen Saaleufer
Im Sommer 2015 erfüllten sich Ulrike und Michael vom CEW-Club Essener Wanderpaddler e. V. endlich einen Wunsch, als gebürtige Hallenser ihren Heimatfluss zu paddeln. Der extrem niedrige Wasserstand erlaubte es gerade noch, die 5m Einer-Kanus knapp über den Steinen zu manövrieren und kurzzeitiges Treideln sorgte für saubere Füße. Von insgesamt 28 Wehren mussten sie an 27 ihre Boote umtragen und nur eines hatte eine Bootsrutsche.

Von Unterkotzau bis Brachwitz (260km)
Zunächst begaben sich die Beiden zur Quelle der Saale, die sie zu Fuß im Fichtelgebirge ca. 710m ü. NN am Westhang des „Großen Waldstern“ besuchten. Sie entspringt einem ehemaligen Kreidestollen. Der Pegel in Hof (automatische Telefonansage) zeigte 1,98 m an, also 18 cm über dem Mindestmaß! Freudig ließen sie an der erstmöglich befahrbaren Stelle bei Km 31,6 im Bayrischen Unterkotzau an einer Straßenbrücke ihre beiden Boote zu Wasser und genossen den ersten Streckenabschnitt bis Hirschberg (17km) mit traumhafter Landschaft und glücklichen Kühen. Von den 4 zu überwindenden Wehren sei besonders vor dem 3. Wehr, der Lamitz-Mühle, gewarnt. Die Privateigentümer lassen einen nicht übers Grundstück gehen, rechts ist ein Felsen. Wenn es der Wasserstand erlaubt, sollte man die Boote gleich über die Wehrkrone setzen, um sich eine 1-Km-Umtragung zu ersparen. Beim 4. Wehr in Hirschberg beginnt der Wasserwanderweg „Blaues Band“, der wunderbar ausgebaut und beschildert ist. Ein Lob an die „Macher“ dieser Initiative, die zusätzlich ein Wasserwanderheft mit vielen wertvollen Informationen herausgegeben haben, das man vor Fahrtantritt unbedingt beim Thüringischen Fremdenverkehrsamt erwerben sollte. Hierin sind Ein- und Aussatzstellen, Streckenvorschläge, Übernachtungsmöglich-keiten, Kulturangebote, Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten, Fahrtver-bindungen, Rückholtransport usw. übersichtlich aufgeschrieben.

Der zweite Streckenabschnitt von Hirschberg nach Harra (18 Km) war früher Grenzfluss: Links liegt Bayern, rechts Thüringen. Hinter Hirschberg passierten sie die „Brücke der deutschen Einheit“ (A 9). Vier der fünf Wehre ließen sich bei dem niedrigen Wasserstand gleich über die Wehrkrone „bewältigen“. Abwechslungsreiche Schwälle entschädigten für die Mühen. Beim letzten Wehr in Blankenstein wechselt die Kilometrierung! Ein erst im Jahr 2015 neu errichteter Campingplatz „Am Trepplesfelsen“ sollte wegen seiner schönen Hanglage, Ruhe und dem netten Campingplatzwart unbedingt für eine Übernachtung gewählt werden! Ab hier staut sich bereits das Wasser der Bleilochtal-sperre. Um sich einen aufwendigen Auto-Nachholtransport zu ersparen, fuhren sie hin und zurück und genauso sollte man es bei der Hohenwarte-Talsperre tun. Zwischen beiden darf man ohnehin nicht paddeln, man muss also die Boote per Auto umsetzen. Eine gute Einsatzstelle für diesen 27 km langen und 1km breiten drittgrößten Stausee Deutschlands ist die Lothra-Mühle. In diesem „Thüringer Meer“ mit 182 Mill. m³ haben auch zahlreiche Motor- und Ausflugsboote genug „Wasser unterm Kiel“.

Schwierig wurde es für die beiden im weiteren Verlauf hinter dem gesperrten Ausgleichsbecken mit dem Pumpspeicherkraftwerk eine Einsatzstelle zu finden. In Breternitz-Fischersdorf setzten sie ihre Wasserwanderfahrt in Richtung Saalfeld fort. Hier ist es von Vorteil, einen Bootswagen dabei zu haben. In Uhlstädt beendeten sie die 30km Tagesetappe. Hier wurde nach der Hochwasser-katastrophe 2013 ein Flößermuseum eingerichtet und ein Sportplatz mit Wehranlage neu gestaltet. Den Blütengrund in Naumburg, erreichten sie über zwei Tagesetappen mit Zwischenstopp in Jena und Bad Kösen. Auch hier lohnt es sich eine Kulturpause für die vielen Sehenswürdigkeiten einzulegen. Weiterfahrt nach Merseburg.

Auf dem Vereinsgelände des E. Saalewanderer 1885 e. V. wurden sie herzlich in Empfang genommen und bei einer Tasse Kaffee, gemütlich am Ufer sitzend, tauschte man sich über das aktive Vereinsleben aus.

Sehr gespannt waren die Beiden an Buna und Schkopau vorbeizufahren. Vom Fluss aus, ist die Landschaft lieblich, weiter Himmel und Wiesen umgaben das Kraftwerk. Kurz nach der Mündung der Weißen Elster in die Saale öffnete sich die breite Auenlandschaft. Hinter der Fußgängerbrücke zur Rabeninsel machten sie kurz Rast. Ein besonderes Erlebnis war die Halle-Durchfahrt, noch dazu am Tag des Laternenfestes! Alle Schleusen hatten geöffnet und sie genossen den Blick auf den Polizeipark, die Peißnitz, Burg Giebichenstein und fuhren auch am „Krug zum Grünen Kranze“ vorbei bis nach Trotha. Unterwegs begegneten ihnen zahlreiche geschmückte Boote und historische Ruderkähne. An der Autofähre Brachwitz beendeten sie ihre Paddeltour. Die letzten 85 km bis zur Mündung in die Elbe bei Barby planen sie im nächsten Urlaub nachzuholen.

Die Freude war groß, dass ihr Wunsch endlich in Erfüllung gegangen ist.
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Lothar Teschner aus Merseburg | 23.09.2015 | 15:11   Melden
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